Gesichter 2017

Susanne Schröder kämpft für Erhalt des Horststadions

Susanne Schröder und

Foto: Rainer Raffalski

Susanne Schröder und Foto: Rainer Raffalski

Wanne-Eickel/Herne.   Aufgeben kommt nicht in Frage: Für Susanne Schröder und die Mitstreiter der Bürgerinitiative ist der Erhalt des Horststadions eine Herzenssache.

Dass sie einmal Gründungsmitglied einer Bürgerinitiative sein würde, hat sich Susanne Schröder nicht träumen lassen. „Nä“, sagt sie, bewusst im breitesten Ruhrgebietsdialekt, „im Leben nicht.“ Aber als sie angesprochen wurde, ob sie mitmacht, hat sie keinen Moment gezögert. Ging es doch um ihre Arminia und in erster Linie um den Erhalt des Horststadions.

Das Ansinnen der Stadt, den benachbarten Platz des SV Holsterhausen an der Wiesenstraße mit Kunstrasen auszustatten und stattdessen das traditionsreiche Horststadion für eine Wohnbebauung vorzusehen, hat den Verein kalt erwischt. „Wir waren zu naiv“, sagt Susanne Schröder selbstkritisch. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass uns der Platz an der Wiesenstraße vorgezogen wird. Das ist ein reiner Fußballplatz, da machen nicht wie bei uns drei Schulen und rund 1000 Kinder ihren Sport, da gibt es keine Leichtathletik, nicht einmal Busanbindungen“, trägt sie Argumente so nachdrücklich vor, als sei es das erste Mal. Sie holt Luft: „Ich gönne dem SV den Kunstrasenplatz, ich gönne ihn jedem Verein. Aber warum denn nicht hier?“

Seit Jahrzehnten der Arminia verbunden

Dass es letztlich eine politische und vor allem eine finanzielle Frage sein wird, ist ihr schon klar: Die Konkurrenz von der Wiesenstraße hat von der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 171 000 Euro bekommen, investiert über einen Kredit der NRW-Bank aber auch selbst 200 000 Euro. Warum die Arminia nicht ähnliches macht? „Schaffen wir nicht“, winkt Susanne Schröder ab.

Dem Verein ist die 48-Jährige seit Jahrzehnten verbunden und nicht nur sie, sondern auch ein Großteil ihrer Familie: Ihr Bruder spielte schon da, ihr Mann war dort Jahre, als Trainer und später als Platzwart, ihre drei Söhne - 25, 23 und zwölf Jahre alt - spielen natürlich auch alle dort. Sie selbst war in der Vereinsjugendarbeit aktiv, setzte nur nach der Geburt ihres Jüngsten aus. „Aber irgendwie fängt man dann doch wieder an“, lacht sie.

Kunstrasenplatz unbedingt erforderlich

Nun also die Bürgerinitiative Horststadion Holsterhausen. „Ich wusste anfangs gar nicht, wohin mit meiner Wut“, sagt sie und macht immer noch ein grimmiges Gesicht. Sie telefonierte herum, überlegte mit anderen, was man zur Rettung des Stadions tun könne. Die geplante Wohnbebauung sei ja jetzt erst mal vom Tisch, Sicherheit biete das aber nicht.

Um die Spieler zu halten, sei ein Kunstrasenplatz unabdingbar: „Gucken Sie mal raus“, sagt sie und deutet aus dem Fenster des Vereinsheims auf den zurzeit wegen Unbespielbarkeit gesperrten Platz. „Im Winter versackste im Modder, im Sommer kriegste Staublunge.“

Ein Treffpunkt für den ganzen Stadtteil

Ohne Kunstrasenplatz sei der ganze Verein gefährdet, fürchtet sie. Als Spielermutter weiß sie genau, was es bedeutet, wenn die Jungs auf Asche spielen: Dreck, Dreck, Dreck. Und für die Fußballer sei das auch unattraktiv, vor allem für die älteren.

Ihr geht es aber nicht nur um den Erhalt des eigentlichen Spielfeldes, sondern um die gesamte Anlage mit ihrer Laufbahn – „Tartan wäre toll“ – den Tribünen zu beiden Seiten und den großen, alten Bäumen, die alles umrahmen. Für Susanne Schröder ist das Heimat - und Lebensqualität und Treffpunkt für den ganzen Stadtteil. Zum Kaffeeklatsch treffen sie sich donnerstags im Vereinsheim, neuerdings kommt eine Männergruppe, die jeden Morgen dort frühstückt, viele kommen einfach so vorbei, weil sie wissen: Eigentlich ist immer jemand da, mit dem man ein paar Worte wechseln, ein Käffchen trinken kann. Holsterhauser, die früher selbst bei der Arminia spielten, sehen heute ihren Enkeln zu.

Neue Gruppen gewonnen

Mittlerweile kommen aber nicht nur die, die immer schon kamen, sondern auch „Neue“ wie die Fahrrad- und die Gymnastikgruppe, die im Sommer draußen, jetzt im Winter ihre Übungen in Räumen der Gemeinde „Heilige Familie“ macht, oder die Walker und Jogger, die ihre Runden auch im Dunkeln bei Flutlicht um das Stadion drehen können, wenn auf dem Platz trainiert wird. In diesem Jahr sei viel erreicht worden, freut sich die Wanne-Eickelerin.

Gefeiert wird im und am Horststadion natürlich auch: Ostern zum Beispiel, als Horst „Hotte“ Schröder, der der Bürgerinitiative angehört, an die Kinder 2000 bunte Eier verteilte. Und Susanne Schröder, mit „Hotte“ weder verwandt noch verschwägert, bereitet jetzt die Weihnachtsfeier vor – die für 2018.

Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit

Ihr viele Stunden verschlingender Einsatz ist – wie auch der ihrer Mitstreiter – ehrenamtlich. Manchmal, nach größeren Veranstaltungen, hat sie schon die Nase voll, gibt sie zu. „Das hält aber höchstens ein paar Tage“, lacht sie. „Dann denke ich: War doch gar nicht so schlimm. Und weiter geht’s.“

Weiter geht’s für sie auf jeden Fall im nächsten Jahr auch mit der Bürgerinitiative. Aufgeben? Sie schnaubt empört allein ob der Frage: „Im Leben nicht!“ Denn ein Leben ohne die Arminia, ohne das Stadion, das kann sie sich gar nicht vorstellen.

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