Auseinandersetzung

Streit eskaliert – Polizist in Freizeit zieht Dienstwaffe

Ein Polizist zog seine Dienstwaffe, als ein Streit in Herne eskalierte. (Symbolbild)

Foto: Heinz Krischner

Ein Polizist zog seine Dienstwaffe, als ein Streit in Herne eskalierte. (Symbolbild) Foto: Heinz Krischner

Herne.   In Herne ist ein Streit eskaliert. Ein Polizist in Freizeit zog am Samstagabend seine Dienstwaffe - "um weitere gefährliche Angriffe abzuwehren."

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Eine Schlägerei ist am Samstagabend am Rande der City-Kirmes auf dem Robert-Brauner-Platz dermaßen eskaliert, dass ein Polizeibeamter (42) in Freizeit seine Dienstwaffe zog, um offenbar Gefahren für Leib und Leben abzuwenden. Drei Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, die Ermittlungen dauern an. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte die Polizei, dass der Beamte aufgrund der aktuell vorliegenden Erkenntnisse berechtigt gewesen sei, seine Dienstwaffe mit sich zu führen.

Wie die Polizei erst am Montagmittag mitteilte, entbrannte die Auseinandersetzung am Samstagabend gegen 21.30 Uhr zwischen zwei 19-jährigen Frauen aus Herne. Als eine Eskalation gedroht habe, sei die 36-jährige Mutter einer der jungen Frauen dazwischen gegangen, heißt es weiter. Beim Versuch ihre Tochter von der anderen Frau zu trennen, habe sie einen Faustschlag ins Gesicht erhalten.

Polizeibeamte waren nicht im Dienst

In diesem Moment hätten sich der Ehemann der 36-Jährigen und ein 42-jähriger Begleiter – beide sind Polizeibeamte, waren aber nicht im Dienst – eingeschaltet. Sie hätten „die Situation beruhigen“ wollen, so die Pressestelle der Polizei. Dies habe wiederum dazu geführt, dass ein 15-Jähriger aus Herne und ein 20-Jähriger aus Zeil am Main sich ebenfalls eingemischt hätten. „Sie sympathisierten augenscheinlich mit der 19-Jährigen, die mit der Faust zugeschlagen hatte“, so die Polizei.

Als dann der 20-Jährige mit einem abgebrochenen Flaschenhals gedroht habe, habe der 42-jährige Polizist versucht, ihn zu entwaffnen. Der Beamte sei bei dem Gerangel zu Boden gestürzt, anschließend habe der 20-Jährige auf ihn eingeschlagen. Als der 15-jährige Herner ein Messer gezogen habe, habe sich der Polizist zu erkennen gegeben und die Bewaffneten aufgefordert, Messer und Flaschenhals fallen zu lassen.

Als sie der Aufforderung nicht nachgekommen seien, habe der 42-Jährige „zur Abwehr der Lebensgefahr“ seine Dienstwaffe gezogen, so die Polizei. Er habe das Duo dann solange in Schach gehalten, bis uniformierte Kollegen eintrafen.

Messer und Flaschenhals wurden sichergestellt

Die drei Tatverdächtigen seien mit zur Wache genommen worden. Das Messer und der abgeschlagene Flaschenhals seien sichergestellt worden. Das Trio erwarte Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und Bedrohung.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte Polizeisprecher Frank Lemanis, dass intern - wie nach solchen Vorfällen üblich - auch dienstrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden seien. Aufgrund der derzeit vorliegenden Erkenntnisse sei davon auszugehen, dass der 42-jährige Polizist berechtigt gewesen sei, die Waffe mit sich zu führen und zu ziehen, so Lemanis unter Verweis auf einen Erlass des NRW-Innenministeriums.

Wann darf ein Polizist in der Freizeit eine Waffe tragen? 

Wann darf ein Polizist in der Freizeit seine Dienstwaffe tragen? Das regelt ein Runderlass des NRW-Innenministeriums, der im Dezember 2011 ergangen ist.

Polizisten seien grundsätzlich ermächtigt, ihre Waffen außerhalb des Dienstes mit sich zu führen, sagt Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums, zu dieser Zeitung. „Man muss das auch so sehen, dass wir dadurch mehr Sicherheit auf der Straße haben“, sagt Beus. Es gebe allerdings in dem Erlass mehrere Einschränkungen. So dürften Polizeibeamten mit ihrer Dienstwaffe unter anderem keine öffentlichen Veranstaltungen besuchen und beim Mitführen der Pistole kein Alkohol konsumieren.

Polizist habe zuvor keinen Alkohol getrunken

Die City-Kirmes sei eine öffentliche Veranstaltung, räumt Hernes Polizeisprecher Frank Lemanis ein. Aber: Der Polizist, sein Kollegen und deren Frau hätten ein Restaurant in der Innenstadt besucht und seien auf dem Rückweg zu ihrem Auto an der City-Kirmes vorbeigekommen. Er gehe davon aus, so Lemanis, dass auch die 19-jährige Tochter der Polizistenfrau das Restaurant mit besucht habe und der Streit auf der Kirmes sehr plötzlich ausgelöst worden sei. „Das geht manchmal schnell“, so Lemanis.

Der Polizist, der die Waffe gezogen habe, habe zuvor keinen Alkohol getrunken. Von den drei Tatverdächtigen - die 19-jährige sowie die beiden mit Messer und Flaschenhals bewaffneten jungen Männer - habe nur die Frau zuvor Alkohol getrunken, allerdings wohl in Maßen. Die Ermittlungen dauerten an, so Frank Lemanis. (loc)

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