medizin

Sterbe-Formulare verunsichern Forum-Teilnehmer

Podiumsdiskussion zum Thema Patientenverfügung: v.l. Cordula Skrabaczweski, Alexander Ottmann, Margret Springkämper, Moderator Dr. Axel Münker, Dr. Wolfgang Scherbeck und Hartwig Trinn.

Podiumsdiskussion zum Thema Patientenverfügung: v.l. Cordula Skrabaczweski, Alexander Ottmann, Margret Springkämper, Moderator Dr. Axel Münker, Dr. Wolfgang Scherbeck und Hartwig Trinn.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Beim Forum zum Thema Patienverfügung des Palliativnetzwerkes ergaben sich viele Fragen. Die Zuhörer treibt die Sorge, übertherapiert zu werden.

Viele, viele Fragen hatte das Publikum zum Thema Vorsorge- und Patientenverfügung im Herner Marien Hospital. Rund 100 Interessierte kamen zur Veranstaltung des Palliativnetzwerkes am Mittwoch. Die informiert wirkenden Fragesteller trafen auf genauso kompetente Experten auf dem Podium. Und Moderator Dr. Axel Münker, Leiter der Abteilung für Schmerz- und Palliativmedizin am Krankenhaus, sorgte mit seiner humorigen Art dafür, dass das Thema bestimmt nicht sterbenslangweilig wurde.

Rund die Hälfte der Anwesenden, das zeigte sich bei einer Umfrage per Handzeichen, besitzen schon eine Patientenverfügung. Aber in beiden Fällen, das wurde bei der Reaktion auf den Impuls-Vortrag von Seelsorger Hartwig Trinn deutlich, ergeben sich Unklarheiten. Vor allem dadurch, wie Moderator Münker deutlich machte, dass der Bundesgerichtshof im September eine Patientenverfügung für ungültig erklärte, weil sie unpräzise Festlegungen zu Umfang und Grenzen „lebensverlängernder Maßnahmen“ beinhaltete.

Es gelte also, die Patientenverfügung sehr detailliert und gewissenhaft auszufüllen, möglichst viele Eventualitäten einzubeziehen, darüber waren sich alle Experten einig. Und genau das traf beim Publikum auf Unsicherheit: „Es ist doch unmöglich, das alles in einer Patientenverfügung darzustellen. Ich weiß doch gar nicht, wie und woran ich letztendlich sterbe“, sagte ein Zuhörer.

Er habe jedenfalls Angst, übertherapiert zu werden. Eine Zuhörerin kritisierte das aufwendige Verfahren in einer Patientenverfügung: „Ich habe doch nicht Medizin studiert.“

Hilfe beim Ausfüllen

Hier bot Cordula Skrabaczewski vom Ambulanten Hospizdienst Hilfe beim Ausfüllen in ihrer Sprechstunde an. Münker wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass auch relativ junge Eltern und ihre Kinder sich schriftlich absichern sollten, denn: „Hat Ihr Kind einen Unfall, ist volljährig und liegt im Krankenhaus, gilt die ärztliche Schweigepflicht.“

Hausarzt und Palliativmediziner Dr. Wolfgang Scherbeck machte deutlich, dass „seit etwa drei Jahren für die Medizin gilt, was in der Patientenverfügung steht – und nicht, was beispielsweise die Ehefrau sagt.“ Auch für die Leiterin des Altenheimes Eva-von-Tiele-Winckler-Haus ist die Patientenverfügung bindend, allerdings: „Die allermeisten neuen Bewohner haben gar keine“, machte Margret Springkämper deutlich. Patientenverfügung hin, Vorsorgevollmacht her, so sinnvoll beides sein mag, Münker wies aber auch auf die Kompetenz heutiger Schmerzmediziner hin und beruhigte die Zweifler: „Wir wissen heute ganz genau, wie Sterben geht und wie die physiologischen Abläufe gestaltbar sind. Und deshalb können wir die wesentlichen Leiden, die mit dem Sterben verbunden sind, ganz genau kontrollieren.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben