Komödie

Stehende Ovationen für den „Neurosen-Kavalier“

Der falsche Doktor (re. Ralf Löchel) und der richtige de Witt (li. Christian Weymayr) mit Claudia Terkowski als Praxishilfe Barbara Engel und Patientin Angela Carrera (Wiebke Krause-Cords ) in „Der Neurosen-Kavalier“. Fotos:Sabrina Didschuneit

Der falsche Doktor (re. Ralf Löchel) und der richtige de Witt (li. Christian Weymayr) mit Claudia Terkowski als Praxishilfe Barbara Engel und Patientin Angela Carrera (Wiebke Krause-Cords ) in „Der Neurosen-Kavalier“. Fotos:Sabrina Didschuneit

herne.   Eine unterhaltsame Komödie, souveräne Schauspieler, ein stimmiges Bühnenbild: So war die Premiere des Amateurtheaters Fidele Horst im Mondpalast

Beifallsstürme sind im Mondpalast von Wanne-Eickel keine Seltenheit. Am Freitag galten sie allerdings dem Amateurtheater Fidele Horst, dem der Prinzipal wieder zur Osterzeit die Bühne überlassen hatte: Standing Ovations und minutenlanger Applaus für Regisseur Olaf Weichert und sein Ensemble. Nachdem im vergangenen Jahr die Gesellschaftskomödie „Unter Geiern und Kollegen“ nicht auf ungeteilte Zustimmung gestoßen war, traf „Der Neurosen-Kavalier“ wieder voll den Nerv des Publikums.

Amüsante Verwechslungskomödie

Kein Wunder, folgt doch das viel gespielte Stück von Gunther Beth und Alan Cooper dem beliebten Muster der Verwechslungskomödie, die zudem im Psychologen-Milieu spielt - ein Berufsstand dem ja gerne nachgesagt wird, seine Vertreter seien verrückter als der Rest der Menschheit.

Für den Protagonisten Felix Bollmann (Ralf Löchel) könnte man das durchaus unterschreiben. Mit der Einschränkung, dass er gar kein echter Psychotherapeut ist, sondern nur zufällig in die Praxis des verreisten Dr. Otto gerät, in der als Urlaubsvertretung Doktor de Witt erwartet wird. Da Bollmann soeben im Weihnachtsmann-Kostüm „Kaufstadt“ in Wanne-Eickel überfallen hat, nimmt er die sich ihm anbietenden Identität gerne an. Als falscher Dr. de Witt empfängt er die Patienten und erzielt beachtliche Erfolge .

Ralf Löchel als charmanter Betrüger

Ralf Löchel füllt er seine Hauptrolle als charmanter Betrüger perfekt aus. Dass er Bühnenerfahrung mitbringt, ist dem neuen Mann bei Fidele Horst anzumerken. Aber auch die Stammspieler des Amateurtheaters können es als seine Patienten absolut mit dem Seelendendoktor aufnehmen. Wiebke Krause-Cords als Angela Carrera, Autorin des Romans „Sturm im Wasserbett“, die ihren (tätowierten) Köper zwanghaft im Bikini präsentiert, Sebastian Krug als Möchtegern-Elvis, der sich als kleiner Finanzbeamter nicht in die Kantine traut, weil er sich gemobbt fühlt, und die Kleptomanin im Pelzmantel, Sybille Bast (Jasmin Konieczny). Zu ihr entwickelt der Kaufhausdieb eine besondere Beziehung.

Romantische Gefühle in der Psychologen-Praxis

Apropos Beziehung: Es knistert auch zwischen der sehr blonden Praxisangestellten Barbara Engel (Claudia Terkowski) und dem echten de Witt (Christian Weymayr): Hier treffen Temperament und ein verdruckst-verliebter Charakter aufeinander.

Schon mit Applaus begrüßt wird Publikumsliebling Dietmar Kraschewski. Er gibt den Kommissar Maiwald, glücklos bei seiner Jagd nach dem Kaufhausdieb. Ihm muss der Therapeut ebenfalls den Kopf zurecht rücken. Wie die anderen ihre Neurosen überwinden, soll hier nicht verraten werden. Nur soviel: Dem Gauner, der am Ende doch kein schlechter Mensch ist, gelingt es, den verstörten Patienten Mut zu machen, so dass sich manche überraschende Wende ergibt. Vor allem dem schüchtern Finanzbeamten ist dabei ein glamouröser Auftritt vergönnt.

Im nächsten Jahr feiert das Theater 100. Geburtstag

So unterhaltsam die Geschichte, die glücklicherweise auf allzu platte Psychologie-Klischees verzichtet, so stimmig ist das Drumherum. Der Bühnenraum lässt mit Empfangstheke und Behandlungszimmer zwei Schauplätze zu. Beide sind bis ins Detail realistisch in nüchternem Grau-Weiß mit einigen Farbtupfern ausgestattet. Ins durchgängige Farbkonzept passen sogar die Kostüme.

Gerührt nahmen Spielleiter und Akteure den Beifall auf und versprachen nachzulegen: Im nächsten Jahr wird der 100. Geburtstag der Bühne gefeiert.

>>> WEITERE TERMINE

Weitere Aufführungen am Mittwoch, 11. April, 19 Uhr, am Freitag, 13. April, 19 Uhr (mit Gebärdensprachdolmetscher), Samstag, 14. April, 19 Uhr, und Sonntag, 15. April, 17 Uhr, im Mondpalast an der Wilhelmstraße 26.

Kartenreservierung unter
WAN 3776315. Karten kosten 14 Euro, am Mittwoch 12 Euro. 50 Cent gehen an einen sozialen Zweck.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben