Renovierung

Stadtarchiv schließt seinen Lesesaal für ein halbes Jahr

Zu den Besuchern des Lesesaal gehörten jetzt auch Diane Mossenson und ihr Mann Dan, hier mit Ralf Piorr (re.)

Foto: Barbara Zabka

Zu den Besuchern des Lesesaal gehörten jetzt auch Diane Mossenson und ihr Mann Dan, hier mit Ralf Piorr (re.) Foto: Barbara Zabka

Herne.   Wegen anstehender Bauarbeiten im Kulturzentrum ist der Betrieb bis Februar eingeschränkt. Schriftliche Anfragen werden aber beantwortet.

Ein paar Stühle sind im Lesesaal eigentlich immer besetzt. Ruhig ist es hier, wenn die Besucher in Akten und abgegriffenen Büchern blättern, auf den Spuren der Vergangenheit. Sie erforschen die Geschichte ihrer Familie, des Stadtteils oder des Vereins, dem sie nahestehen. So war es jedenfalls bisher, und so soll es auch wieder sein, wenn die Renovierung im ersten Stock des Kulturzentrums abgeschlossen ist. Doch erstmal schließt das Stadtarchiv am 31. Juli für ein halbes Jahr. Nur wer eine Bachelor-, Master oder Doktorarbeit abzugeben hat, wird weiter betreut.

Wissenschaftler werden weiter bei Arbeiten betreut

„Das ist natürlich sehr bedauerlich“, sagt Jürgen Hagen, der das Stadtarchiv leitet. Doch zumindest für wissenschaftliche Terminarbeiten ist eine Lösung gefunden worden. „Wir haben ein Übereinkommen mit der Stadtbibliothek getroffen, das wir deren Lesesaal nutzen können.“ Der sei zwar nicht so ruhig wie der eigene, aber damit könne man gut leben.

Hintergrund ist die umfassende Sanierung des Kulturzentrums, die jetzt die Etage des Stadtarchivs erreicht - Fenster, Decken und Brandschutz sind an der Reihe. Bis Februar soll sie dauern. Während einige Mitarbeiter an ihrem Platz bleiben können, muss der Chef sein Büro räumen. Die Kisten sind bereits gepackt. Besucher werden im Stadtarchiv nur noch die kommende Woche empfangen.

Schriftliche Anfragen werden beantwortet

Natürlich liegt danach der Publikumsverkehr nicht komplett brach. Telefonische und schriftliche Anfragen würden bearbeitet, versichert Hagens Kollegin Martina Koch, wenn auch nicht im gewohnten Umfang. Zu tun haben die Mitarbeiter trotzdem genug. „Wir müssen andere Dinge aufarbeiten“, versichert Jürgen Hagen. „Im Archivmagazin müssen die Bestände sortiert und aussortiert werden“, sagt er. Und die Archivalien müssten darauf überprüft werden, ob sie Restaurierungsbedarf hätten. Die Restauratorin des Stadtarchivs, Eva Wroblewski, übernimmt in der Martin-Opitz-Bibliothek diese Aufgabe. Stadtteilspaziergänge, Vorträge und Kooperationsveranstaltungen mit der Volkshochschule finden während der Renovierung weiterhin statt.

Auch die neuen Techniken halten nach und nach Einzug ins Stadtarchiv. „Digitalisierung“ heißt das Stichwort, als „digitale Eingeborene“ habe die Mitarbeiterin Alina Gränitz diese Tür aufgestoßen, so Hagen. Mit einem Archivverwaltungsprogramm würden Akten erfasst, zunächst nur mit Titel und Inhaltsverzeichnis, was dem Nutzer hilft, am Computer das Gesuchte zu finden. „Der nächste Schritt ist dann der digitale Lesesaal.“

Digitale Langzeitarchivierung ist ein Thema

Ein großes Thema sei auch die „digitale Langzeitarchivierung“, sagt Hagen. „Wie machen wir elektronische Daten für die nächsten Generationen nutzbar?“, sei die Kernfrage. Auch CDs oder Videokassetten sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Mittelfristig plant das Stadtarchiv, alle Archivalien online zu stellen, was einen bequemen Zugang von zu Hause ermöglichen würde.

>>> EIN PAAR ZAHLEN

2726 Personen nutzten 2016 die Dienstleistungen des Archivs.

477 Einzelbesucher kamen mit unterschiedlichen Fragen.

88 Gruppen mit 1799 Personen suchten den Kontakt,

Neun Führungen, 44 archivpädagogische Projekte, 19 Vorträge, 14 Stadtrundgänge und zwei -fahrten bot das Archiv an.

450 schriftliche Anfragen gingen ein.

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