Diskussion

Stadt: Wanne-Eickel wird gegenüber Herne nicht benachteiligt

Hat Wanne-Eickel zu wenig repräsentative Bauten? Im Bild: das Wanner Rathaus.

Hat Wanne-Eickel zu wenig repräsentative Bauten? Im Bild: das Wanner Rathaus.

Foto: Michael Korte

Herne.   Wird Wanne-Eickel gegenüber Herne benachteiligt? Diese Stimmen werden immer wieder laut. Jetzt reagiert die Stadt Herne.

Wird Wanne-Eickel stiefmütterlich behandelt? Dieser Vorwurf verstummt auch über 40 Jahre nach der „Städte-Ehe“ zwischen Herne und Wanne-Eickel (Kritiker sagen: Eingemeindung) nicht. Zuletzt schrieb WAZ-Leser Friedrich-Karl Scheer in einem Leserbrief nach dem Stadtempfang, dass „Wanne-Eickel seit dem Zusammenschluss mit Herne stets benachteiligt wurde“. Das rief das Rathaus auf den Plan. Es weist den Vorwurf zurück.

Herne sei „eine Stadt“, betont Stadtsprecher Christoph Hüsken. Sie stehe „in einem knallharten internationalen Wettbewerb“ der Städte. „In diesem können wir nur gemeinsam bestehen oder wir verlieren weiter an Boden“, schreibt er in einer Stellungnahme. Daher achte die Stadt genau darauf, „die Stadt als Ganzes in großen Schritten nach vorne zu bringen“.

Stadt führt 21 Großprojekte an

Als Beleg nennt er 21 Großprojekte, die in den vergangenen zwei Jahren in Wanne-Eickel angestoßen oder umgesetzt worden seien, darunter Firmenansiedlungen wie Duvenbeck, Stadler oder Nordfrost, aber auch Neubauten von Wananas, Wertstoffhof und zweier Kunstrasenplätze sowie die Eröffnung des Technischen Rathauses, die Umgestaltung des Röhlinghauser Marktes, die Sanierung der Königin-Luisen-Schule oder das Quartier „Wohnen am Stadtgarten“. Dadurch seien bereits über 300 Millionen Euro investiert worden. Weitere Großprojekte, fügt er an, seien bereits in Planung.

Der Stadtsprecher appelliert auch an die Bürger: „Helfen Sie dabei mit – ohne dabei in historischen Stadtgrenzen oder aktuellen Stadtbezirksgrenzen zu denken.“

Bezirksbürgermeister: Keine Benachteiligung

Wannes Bezirksbürgermeister Ulrich Koch sieht keine Benachteiligung Wanne-Eickels. Über die Jahre sei dort sehr viel erreicht worden, vor allem auch durch den Stadtumbau in Bickern, Unser Fritz und Wanne-Süd, sagt er zur WAZ.

Die Infrastruktur etwa habe profitiert, es sei viel grüner geworden und nun werde viel Wohnraum auch für Familien geschaffen, lobt der Bezirksbürgermeister.

Horst „Hotte“ Schröder, bekannter Sänger, Ehrenamtlicher und Vorkämpfer für das WAN-Kennzeichen aus Wanne-Eickel, kann die Unzufriedenheit vieler Wanne-Eickeler indes verstehen. Zum einen, weil viele repräsentative Bauten nach Herne gekommen seien, zum anderen, weil die Wanner Innenstadt – im Vergleich zur Herner – schlimm aussehe. „Da besteht dringender Handlungsbedarf“, so Schröder.

Hat Wanne-Eickel das Nachsehen? - Pro und Contra

  • "Ja!" Von Gabriele Heimeier

Allein, dass sich die Stadt bemüßigt fühlt, auf einen kurzen Leserbrief in der WAZ mit zwei DIN-A4-Seiten zu antworten, spricht Bände. Stolz präsentiert sie 21 Investitionen in Wanne-Eickel. Und man darf sich wundern: Neubau Wananas (war abgebrannt), Technisches Rathaus (RAG-Gelände in Herne hat nicht geklappt), Stadtumbau Wanne-Süd (Stadtumbau Herne-Mitte), Erweiterung EvK (danke, liebe Protestanten), usw. .

Die Liste macht deutlich: Nichts, was innovativ ist, kommt nach Wanne-Eickel (Senioren-Campus, Uni-Institut, Ruhr Valley). Wanne-Eickel wäre jüngst fast sogar buchstäblich abgehängt worden – durch die dann von Bochum (!) verhinderte Fahrplanausdünnung der L306. Zurzeit wird bundesweit viel über „Heimat“ diskutiert. Dass mancher Wanne-Eickeler den Eindruck hat, seine werde benachteiligt, kann selbst ich als Zugezogene nachvollziehen.

  • "Nein!" Von Tobias Bolsmann

Zum 40-jährigen Bestehen der Städte-Ehe hat ein Kommunalexperte der Ruhr-Uni eine Scheidung durchdekliniert. Ergebnis: Alleine wären Herne und Wanne-Eickel keine kreisfreien Städte mehr. Als eingeborener Wanne-Eickeler, der immer in Wanne-Eickel gelebt hat, sage ich, dass der Phantomschmerz mal so langsam aufhören muss.

Gerne wird die Wanner Innenstadt als Indiz für die Benachteiligung angeführt. Aber dort hat eine Abstimmung mit den Füßen stattgefunden. Die Kunden sind erst auf die grüne Wiese, dann ins Internet gegangen. Wanne mag zwar keine Innovationsprojekte bekommen haben, aber Stadler kommt mit wertvollen Industriearbeitsplätzen. Auf viele Investitionen hat die Stadt sowieso nur begrenzten Einfluss.

Und zum Begriff Heimat: Viele Bürger haben sich an der Entstehung des neuen Stadtslogans beteiligt. Auch Wanne-Eickeler.

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