Gedenktag

Stadt und Schüler erinnern an die jüdischen Opfer

OB Frank Dudda (links) am Standort der ehemaligen Synagoge in der Wanne-Eickeler Langekampstraße im letzten Jahr.

OB Frank Dudda (links) am Standort der ehemaligen Synagoge in der Wanne-Eickeler Langekampstraße im letzten Jahr.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Am 9. November findet in der Realschule Crange ein Vortrag statt. Er regt eine Auseinandersetzung mit aktuellen Formen des Antisemitismus an.

80 Jahre nach der Pogromnacht erinnert die Stadt an die Opfer des antisemitischen Terrors. Anders als in anderen Jahren findet das Gedenken am Freitag, 9. November, nicht an der ehemaligen Synagogen in Wanne-Eickel an der Lange-kampstraße statt, sondern in der Realschule Crange. Weitere Veranstaltungen ergänzen die zentrale Feier.

Auseinandersetzung anregen

Um eine Auseinandersetzung junger Menschen mit dem Antisemitismus anzuregen, hat die Stadt eine Expertin in die Realschule an der Semlerstraße 4 eingeladen. Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin spricht um 12 Uhr in der Aula über gegenwärtige Erscheinungsformen des Antisemitismus. Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Wanne-Eickel begleiten die Veranstaltung musikalisch.

Kranzniederlegung an ehemaligen Synagogen

An den Gedenktafeln der ehemaligen Synagogen Langekampstraße und Schaeferstraße finden nur stille Kranzniederlegungen statt.

Schon um 10 Uhr treffen sich die Schüler der Erich-Fried-Gesamtschule (EFG) am Shoah-Mahnmal vor dem Kulturzentrum, das an diesem Tag geöffnet sein wird. Nach einer Schweigeminute werden Rosen für die jüdischen Opfer abgelegt. Danach geht es gemeinsam zum Mahnmal an der Bebelstraße gegenüber der Post, wo gegen 10.30 Uhr ein Kranz niedergelegt wird. Es folgt ein Programm von DGB-Jugend und den Aktiven des „Kohlengräberland“-Projektes der EFG bis etwa 11 Uhr. Neben den Genannten ist Verdi als Veranstalter beteiligt. Die Schüler richten den Blick auch auf den Antisemitismus der Gegenwart.

Vortrag des Historikers Ralf Piorr

Auch der Ev. Kirchenkreis Herne meldet sich zum Völkermord zu Wort. „Eingedenk dieses großen Unrechts und des eigenen Versagens“, so Superintendent Reiner Rimkus, habe die Kirche ihre Schuld und Scham zu bekennen. Aus ihrer geschichtlichen Verantwortung heraus habe man den Bau der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Bochum-Hattingen-Herne unterstützt und führe den christlich-jüdischen Dialog fort.

Der Herner Historiker Ralf Piorr hat Lebensgeschichten jüdischer Mitbürger nachgezeichnet. In seinem Vortrag „Nachts bis 6.00 Uhr auf den Beinen“ rekonstruiert er am Mittwoch, 14. November, 18.30 Uhr in der VHS im Kulturzentrum die Geschehnisse des 9. November 1938. Im Foyer der Volkshochschule sind noch bis 30. November Reproduktionen der von ihm initiierten Gedenktafeln „Nahtstellen, fühlbar, hier“ und einige Bücher zur lokalen Geschichte ausgestellt.

>> GEDENKEN AUF JÜDISCHEM FRIEDHOF

Auch die Aktiven der „Horsthauser Gespräche“ gedenken auf dem jüdischen Friedhof am 9. November der Gräueltaten. Treffpunkt mit Stadtarchivar Jürgen Hagen ist um 15 Uhr an der Bahnhofstraße/Hoverskamp.

Der Friedensgottesdienst am Volkstrauertag, 18. November, 10.30 Uhr, in der ev. Zionskirche, Roonstraße 84, hat ebenfalls den Antisemitismus gestern und heute zum Thema.

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