Europa

Stadt Herne setzte bereits früh ein Zeichen für Europa

Aus der Luft sind die Arbeiten am Europaplatz rund um die Kreuzkirche zu gut erkennen.

Aus der Luft sind die Arbeiten am Europaplatz rund um die Kreuzkirche zu gut erkennen.

Foto: Hans Blossey

herne.   Der Benennung des Europaplatzes gingen kontroverse Diskussionen voraus. Warum die heimische CDU den christlichen Gedanken betonen wollte.

Er liegt im Herzen von Herne, umgeben von stadtprägenden Gebäuden wie der Kreuzkirche und dem Archäologiemuseum. Gemeint ist der Europaplatz, der seine Bezeichnung zu denkwürdiger Zeit erhalten hat. Es war Ende Oktober 2001, als der Hauptausschuss des Rates sich für den Namen entschied. Damals liefen in einem Dutzend der seinerzeit 15 EU-Staaten die Vorbereitungen für die Einführung des Euros als Zahlungsmittel auf Hochtouren, zwei Monate später hatten die nationalen Währungen wie D-Mark, Lira, Franc und Co. ausgedient. Und es war die Zeit, als die Welt nach den Terroranschlägen vom 11. September noch unter Schock stand und die Länder der EU enger zusammenrückten.

Bewusstsein für den europäische Gedanken schaffen

Für die Bürger war allerdings zu Beginn des neuen Jahrtausends „Europa weit entfernt“, erinnert sich Horst Schiereck, damals SPD-Fraktionschef, später Oberbürgermeister der Stadt Herne. Das Interesse an der Politik aus Brüssel und Straßburg sei äußerst mäßig gewesen. Sozialdemokraten und Grüne wollten, wie der 70-Jährige erläutert, indes ein klares Zeichen für die Staatengemeinschaft setzen. Aber nicht nur das. Ihnen war auch an einem Beitrag gelegen, Bewusstsein für den europäischen Gedanken zu schaffen. Gesucht war ein Ort, der den völkerbindenden Gedanken der Europäischen Gemeinschaft mit dem Stadtbild verbinden sollte.

Die Wahl, so berichtet Schiereck weiter, sei aus mehreren Gründen auf das zentrale Areal gefallen. Es trug keinen Namen, somit musste auch kein Anlieger seine Adresse ändern. Das Museum befand sich noch im Bau, trägt im Übrigen heute die (Haus-)Nummer 1 des Europaplatzes. Zudem habe man es, erklärt der Sozialdemokrat, mit einer geschichtsträchtigen Stätte zu tun, mit der man Europa einen entsprechenden Stellenwert einräume. In unmittelbarer Nähe zur angrenzenden evangelischen Kreuzkirche entstand – nach heutigen Erkenntnissen – im 9. Jahrhundert das erste Gotteshaus in Herne, die St. Dionysiuskirche.

CDU will christliche Bedeutung des Platzes würdigen

Um aber eben diese christliche Bedeutung des Ortes zu würdigen, brachte 2001 die heimische CDU den Vorschlag ein, den Platz nach dem Kirchenreformator Kraft-Messing zu benennen. Denn der Platz, der seinen Namen trug, war im Zuge der Stadterneuerung 1976 verschwunden und gehört heute zur Sodinger Straße. Die Christdemokraten konnten sich jedoch angesichts fehlender Mehrheiten mit ihrem Vorstoß nicht durchsetzen, obwohl sie in den politischen Gremien kräftig die Werbetrommel rührten.

Nach den kontroversen Debatten versank der Platz in eine Art Dornröschenschlaf. Tristesse in Waschbeton. Doch es sollte nicht dabeibleiben. Im August vergangenen Jahres begann eine komplette Umgestaltung, die zu mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten und einer besseren Aufenthaltsqualität führen werde, meinte Oberbürgermeister Frank Dudda zu Beginn. Dem Projekt liegen Architektenpläne zugrunde, die einen offenen und modernen Platz vorsehen. Doch noch vor dem Start der Arbeiten gab es heftige Proteste. Das Mehr an Grün hielten Kritiker für eine Mär, als klar wurde, dass 18 Bäume gefällt werden sollten. Der Widerstand mit Unterschriftenlisten hatte keinen Erfolg, die Stadt blieb bei ihrem Konzept, für das sich die Politik entschieden hatte, und argumentierte, die Bäume seien entweder krank oder würden die bevorstehenden Tiefbauarbeiten nicht überleben.

Bauarbeiten sind inzwischen fortgeschritten

Inzwischen sind die Bauarbeiten ein gutes Stück vorangeschritten. Stadtsprecher Christoph Hüsken berichtet, dass das neue Pflaster aus photokatalytischen Steinen, die einen Beitrag zur Minderung der Stickoxide leisten, im Bereich der Kirche nahezu vollständig verlegt sei. In einem weiteren Schritt folge der Bereich hin zur Fußgängerzone. Mit Pflanzarbeiten starte man in Kürze. Zudem würden noch Fahrradständer aufgestellt und es erfolge auch eine Beschilderung.

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Nicht nur der Europlatz ändert sein Gesicht, auch im Umfeld tut sich was. Die U 35-Station kommt heller und freundlicher daher, hat neue, hellgraue Kacheln erhalten. Bilder mit Wahrzeichen der Stadt, gestaltet von der Jugendkunstschule, sind an den Wänden angebracht.

Die evangelische Kreuzgemeinde hat mit dem Bau eines neuen Gemeindehauses begonnen, das an den Altbau des CVJM-Hauses anschließt, bis Frühjahr 2020 soll ein gemeinsames Gebäude entstehen. Die bisherige Anlaufstelle der Gemeinde, das Ludwig-Steil-Haus, soll einem Neubau weichen. Darüber hinaus sind nach Angaben der Stadt auch Arbeiten auf dem Museumsvorplatz geplant, sie sollen im Mai beginnen, dem Monat der Europawahl.

Insgesamt kostet der Umbau auf dem Europaplatz rund 1,6 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein.

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