Denkmalschutz

Skulptur „Der Torschrei“ ist jetzt offiziell ein Denkmal

Bei der Übergabefeier der Skulptur von Elisabeth Hoffmann auf dem Schulgelände der Mont-Cenis-Gesamtschule.

Bei der Übergabefeier der Skulptur von Elisabeth Hoffmann auf dem Schulgelände der Mont-Cenis-Gesamtschule.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   An der Mont-Cenis-Gesamtschule wurde die Skulptur von Elisabeth Hoffmann eingeweiht. Schüler und Bürger hatten ihre Geschichte recherchiert.

Fast vier Jahre hat es gedauert, bis aus einer unbeachteten Skulptur auf einem Schulhof in Sodingen ein Denkmal wurde. Gestern Mittag war es soweit. Die Mont-Cenis-Gesamtschule feierte mit Gästen das vorläufige Ende einer Recherche, in die Schüler und lokalgeschichtlich interessierte Bürger viel Herzblut gesteckt haben. Der „Torschrei“ der Herner Künstlerin Elisabeth Hoffmann wurde als Denkmal eingeweiht.

Film hatte in der Akademie ein großes Publikum

Heimatforscher Gerd E. Schug trug zur Feier des Tages den grün-weißen Schal des SV Sodingen. Den habe man ihm am Donnerstag bei der Filmvorführung in der Akademie Mont-Cenis übergeben, sagt Schug und strahlt. Dort war vor einem unerwartet großen Publikum, immerhin 150 Zuschauern, der Film „Der Torschrei - Die vergessene Skulptur von Sodingen“ vorgeführt worden, den Gesamtschüler zusammen mit Marcus Schubert vom Historischen Verein Hün un Perdün realisiert hatten. Er zeichnet die Geschichte der Entdeckung der Plastik nach, die als vermutlich einzige überhaupt den Fußball würdigt.

In dieser Geschichte spielt auch Gerd Schug eine zentrale Rolle. Ihn sah man am Freitag mit den Nichten der Künstlerin im Gespräch. Schug hatte zunächst im Sauerland nach Elisabeth Hoffmanns Verwandten gesucht. Dort bekam er den entscheidenden Hinweis, dass mit Magdalena Eichstädt und Mechthild Läge in Münster zwei Nichten der Künstlerin wohnten. „Elisabeth Hoffmann hat bei uns in Rinkerode gelebt“, erzählt Magdalena Eichstädt (75). Deren Haus in Münster sei zerbombt gewesen, so fand die Künstlerin Unterschlupf bei ihrer Schwester in der Nähe. „Sie hatte auch einen Raum, in dem sie als Bildhauerin gearbeitet hat.“

Erst danach sei sie nach Börnig an die Vellwigstraße gezogen. Dass momentan in der Städtischen Galerie erstmals Kunstwerke von Elisabeth Hoffmann zu sehen sind, ist den beiden Nichten zu verdanken, die sie zur Verfügung gestellt haben. Magdalena Eichstädt saß sogar Modell für den Kinderkopf. Die Arbeiten sind Teil der Sonderausstellung „Spuren Herner Künstler der Jahrgänge 1893 bis 1945“.

Richard Gruber war Praktikant der Künstlerin

Auch Richard Gruber (69) aus Börnig kannte Elisabeth Hoffmann gut. Ende der 60er-Jahre war er Praktikant in ihrer Werkstatt. Gruber wollte Restaurator werden, hatte aber bisher nur mit Kohle und Bleistift gezeichnet. Mit der Künstlerin habe er auch über den „Torschrei“ gesprochen, der damals schon seit Jahren in Sodingen stand. „Ich habe mir Notizen gemacht“ - leider seien diese nicht mehr auffindbar. Was sie begeistert habe: „Der Schwung, der in den Kindern entsteht, wenn auf dem Sportplatz ein Tor fällt.“ Gruber wurde am Ende Elektromaschinenbauer, gab aber die Kunst nie auf. Heute malt er realistische Motive in Acryl und Aquarell.

Dass die Skulptur nun „erhalten und geschützt bleibt“ freut Marcus Schubert vom Historischen Verein. „Ein toller Erfolg“, an dem viele beteiligt seien. Das kam auch in der Rede von Bezirksbürgermeister Mathias Grunert zum Ausdruck, der das Zusammenspiel von Schule, Politik, Heimatverein und Stadt lobte.

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Elisabeth Hoffmann (1914-1973) hat in Münster, Berlin und Wien studiert. Für Gerd Schug lebte sie als expressionistische Künstlerin „zur falschen Zeit“.

Der Herner Künstler Helmut Manfreda hat den „Torschrei“ gemalt und der Gesamtschule geschenkt, die das Bild im Verwaltungstrakt aufhängen will.

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