Shisha-Bars

Shisha-Bars: So machen Betreiber ein einträgliches Geschäft

Der Gesetzgeber habe den Betrieb von Shisha-Bars bisher nicht geregelt, beklagt das Dortmunder Hauptzollamt. Die Stadt berichtet von aktuell 15 angemeldeten Shisha-Bars in Herne, geht aber von einer Dunkelziffer aus.

Der Gesetzgeber habe den Betrieb von Shisha-Bars bisher nicht geregelt, beklagt das Dortmunder Hauptzollamt. Die Stadt berichtet von aktuell 15 angemeldeten Shisha-Bars in Herne, geht aber von einer Dunkelziffer aus.

Foto: Paul Zinken, dpa

Herne.   Die Razzien im Ruhrgebiet haben den Fokus auf Shisha-Bars gelenkt. In Herne gibt es 15 dieser Einrichtungen. So funktioniert das Geschäftsmodell.

Seit zwei bis drei Jahren fallen sie im Stadtbild ins Auge, spätestens seit der Razzia im gesamten Ruhrgebiet im Januar stehen sie im Fokus der Öffentlichkeit: Shisha-Bars. Kein Wunder, denn das „Geschäftsmodell“ bewegt sich in vielen Fällen jenseits der Grenzen von Recht und Gesetz.

Norman Wiesemeyer vom Hauptzollamt Dortmund, das auch für Herne verantwortlich ist, beschreibt es so: „Man kann eine Shisha-Bar rechtstreu betreiben, aber dann sind die Gewinne nicht so hoch.“ Wiesemeyer und sein Team verfolgen Steuervergehen - und die liegen in den Shisha-Bars offenbar im System.

Unversteuerter Wasserpfeifentabak

Das Grundproblem für die Betreiber: Wasserpfeifentabak darf in Deutschland nicht portionsweise abgegeben werden. Zum Vergleich: Zigaretten dürfen auch nur in Schachteln und nicht stückweise verkauft werden. Doch offenbar machen die Betreiber genau das. Laut Wiesemeyer lassen sich aus einem Kilogramm Wasserpfeifentabak, das etwa 50 Euro gekostet hat, durch die Portionierung rund 800 Euro Umsatz erzielen. Bei einer gut gehenden Bar kämen im Monat schnell Beträge jenseits der 20.000 Euro zusammen. Nach Abzug aller Kosten bleibe ein schöner Betrag übrig. Zwar gebe es Kleinportionen für den deutschen Markt, doch da diese im Einkauf teurer seien, schmälere das den Gewinn. Trotz der Strafen für das Steuervergehen sei es lukrativer das Gesetz zu brechen, als sich daran zu halten.

Dazu passt, dass in Shisha-Bars laut Wiesemeyer auch viel unversteuerter Wasserpfeifentabak verwendet werde. Dadurch könne man den Gewinn noch einmal deutlich erhöhen, immerhin betrage die Tabaksteuer für ein Kilogramm Wasserpfeifentabak zwischen 40 und 60 Euro. Wiesemeyer. „Wenn unversteuerter Wasserpfeifentabak in einer Shisha-Bar verwendet wird, ist dies eine Straftat und führt zu einem Strafverfahren wegen gewerbsmäßiger Steuerhehlerei.“

Er habe schon seit den 2000er-Jahren mit dem Phänomen der Shisha-Bars zu tun, so Wiesemeyer, doch bislang habe der Gesetzgeber den Betrieb nicht geregelt. Das habe offenbar kriminelle Clans angelockt. Eine Shisha-Bar sei schnell zu eröffnen und schwer wieder zu schließen. So benötige man keine Konzession, wenn man keinen Alkohol ausschenke. Für Wiesemeyer ist es vorstellbar, dass bestimmte Vorgaben ins Gewerberecht aufgenommen werden, etwa die Pflicht für eine Lüftungsanlage und Kohlenmonoxidmelder.

Hohe Fluktuation der Betriebe

Die Stadt Herne misst bei ihren regelmäßigen Kontrollen den Monoxidgehalt in den Bars. Eduard Belker, stellvertretender Fachbereichsleiter Öffentliche Ordnung, beobachtet seit etwa drei Jahren eine erhöhte Zahl an Shisha-Bars. 15 Betriebe seien bei der Verwaltung angemeldet, doch Belker geht von einer Dunkelziffer aus. Die Fluktuation sei recht hoch. Dies bestätigt Norman Wiesemeyer mit Blick auf die Betreiber: Habe einer zu viele Strafen angesammelt, komme ein neuer zum Zuge.

Belker macht noch auf eine kuriose Konstellation aufmerksam: Da es keine gesetzliche Regelung für den Betrieb von Shisha-Bars gebe, fallen sie unter die Bestimmungen für Gastronomiebetriebe. Heißt: Es gelten die Nichtraucherschutzbestimmungen.

Polizei: Keine schnellen Ergebnisse

Nach den Erkenntnissen der Polizei sind Shisha-Bars zunehmend Treffpunkte für Menschen, die bereits häufiger polizeilich aufgefallen sind. Werde dies festgestellt, könne eine Shisha-Bar ein sogenannter kriminogener Ort sein. Genau diese Feststellungen müssten aber durch polizeiliche Ermittlungen belegt sein.

Polizeisprecher Frank Lemanis: „Noch haben wir für Herne solche Bewertungen nicht vornehmen müssen. Shisha-Bars sind aber im Zusammenhang mit unverzolltem Tabak und anderen Verstößen mehr in den Blickpunkt gekommen, und deshalb führen wir im Einklang mit den anderen Kreispolizeibehörden mit dem Schwerpunkt Ruhrgebiet seit geraumer Zeit Kontrollen durch.“

Dies geschehe in enger Kooperation mit den Städten, dem Zoll, der Steuerfahndung und weiteren Institutionen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse über die jeweiligen Objekte, die verantwortlichen Betreiber und eventuell auch die dort angetroffenen Personen hülfen den handelnden Behörden, ein ganzheitliches Bild zu zeichnen. Zudem führten die Kontrollen zu mehr Rechtstreue - insofern entfalteten sie auch eine gewollte präventive Wirkung, so berichtet die Polizei.

Schnelle Ergebnisse sind nicht zu erwarten. Ermittlungsverfahren im Bereich der organisierten Kriminalität sind immer durch eine besonders hohe Komplexität gekennzeichnet. Ob und welche Rolle Shisha-Bars bei der Clankriminalität spielen, müssten langfristig angelegte Maßnahmen und Ermittlungen ergeben – individuell für jedes Objekt.

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