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Seniorendienst verlangt Extrageld von seinen Kunden

Gute Versorgung mit Extra-Preis: Die Firma Eli die Fee ist in die Kritik geraten.

Gute Versorgung mit Extra-Preis: Die Firma Eli die Fee ist in die Kritik geraten.

Foto: imago stock

Herne.   Kunden von „Eli die Fee“ beschwerten sich bei der Verbraucherzentrale. Das Unternehmen macht jetzt einen Rückzieher.

„Das ist doch Abzocke, das geht überhaupt nicht“: Ingeborg Köller ist entrüstet. Der Seniorendienst „Eli die Fee“ hat seinen Kunden ein Vertragswerk mit Extraleistungen unterbreitet, das sie unterzeichnen mussten, um weiterhin versorgt zu werden. 34 Euro extra pro Monat sollte das kosten.

„Genießen Sie demnächst kostenfrei leckeren Kaffee und Kuchen in einem unserer Partnercafés“ lockt der Vertrag. „Viel zu teuer“, meint Ingeborg Köller, 34 Euro für einmal im Monat Kaffeetrinken, das kann ich mir nicht leisten.“ Die 62-Jährige hat fast 30 Jahre lang in einer Textilreinigung gearbeitet und muss mit 862 Euro Arbeitslosengeld II auskommen. „Davon habe ich nach den ganzen Abzügen wie die Miete am Ende noch 120 Euro monatlich zum Leben übrig.“

Rat: nicht unterschreiben

Wie Ingeborg Köller seien zahlreiche weitere Kunden von Eli die Fee an die Herner Verbraucherberatung herangetreten und hätten sich beschwert, sagt Leiterin Veronika Hensing. „Alle anderen Leistungen werden über die Krankenkassen abgerechnet. Die Betroffenen fragen sich, warum sie jetzt etwas aus eigener Tasche draufzahlen müssen.“ Auch sei es merkwürdig, dass eine GmbH einen „Mitgliedsbeitrag“ einfordere. Die Betreuer hätten Druck auf die Kunden ausgeübt, den Vertrag zu unterschreiben, weiß Veronika Hensing. „400 bis 500 Euro mehr pro Jahr für Kaffee und Kuchen, das ist viel Geld.“ Zumal es das bei Wohlfahrtsverbänden wie Awo, Caritas und Diakonie kostenfrei gebe. „Und bei denen muss man keine Beiträge entrichten.“ Deshalb rät die Verbraucherschützerin allen Senioren: „Auf gar keinen Fall unterschreiben!“

Die meisten Kunden von Eli die Fee hätten den Kaffee- und Kuchen-Service positiv aufgenommen, entgegnet der Geschäftsführer des Seniorendienstes, Okan Elibol, auf WAZ-Anfrage. Er sei enttäuscht, dass das neue Angebot bei einigen Kunden so negativ aufgenommen worden ist: „Deshalb rudern wird jetzt zurück“, kündigt der 23-Jährige an. Kunden, die finanziell nicht dazu in der Lage seien, die 1,10 Euro pro Tag zu bezahlen, dürften zukünftig den Extra-Service kostenlos in Anspruch nehmen.

Das Zusatzbudget werde aber auch genutzt, um weitere Dienstleistungen wie einen Hausnotruf einzurichten und Wohnumfeldverbesserungen herbeizuführen, heißt es in einem Schreiben von Eli die Fee.

Veronika Hensing findet es schade, dass der Seniorendienst solche Wege geht: „Ansonsten sind die Kunden nämlich super zufrieden mit der Arbeit.“

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