Serie: Parks und Grünanlagen

Seit 111 Jahren finden Herner „Erquickung“ im Stadtgarten

Ein großer Teich mit Fontäne, Entenhaus und einem Tempelchen am Ufer bildeten das Herzstück des Herner Stadtgartens. Die Teichanlagen bereiteten jedoch immer wieder Probleme – bis heute.       .

Ein großer Teich mit Fontäne, Entenhaus und einem Tempelchen am Ufer bildeten das Herzstück des Herner Stadtgartens. Die Teichanlagen bereiteten jedoch immer wieder Probleme – bis heute.       .

Foto: Stadtarchiv

Herne.   Über 52 Morgen erstreckte sich der Herner Stadtgarten, der 1908 eröffnet wurde. Sein Herzstück war der große Teich – doch der bereitete Probleme.

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Seit 111 Jahren ist der Herner Stadtgarten attraktiver Erholungsort für die Bürgerinnen und Bürger. Wäre es nach dem Amtmann und späteren Ehrenbürger der Stadt Herne, Hermann Schaefer, gegangen, wäre die Bevölkerung schon eher in den Genuss gekommen. Aber sein in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts gestellter Antrag an die Gemeindevertretung, das Gelände östlich von Stamm- und Mont-Cenis-Straße „behufs Verwendung zu einem Volksgarten“ zu kaufen, wurde zunächst einmal abgeschmettert.

52 Morgen großes Gelände

Am 26. Oktober 1899 wurde dann doch noch beschlossen, das 52 Morgen große Gelände zu kaufen, was sich die Gemeinde Herne immerhin 175.082 Mark kosten ließ. Außerdem wurde noch für 17.000 Mark ein Grundstück mit zwei Häusern des Verkäufers Schulte-Sodingen erworben. „Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo unsere Bürgerschaft, Alt und Jung, Arm und Reich, sich im Stadtgarten ergehen und dort Erholung und Erquickung finden kann“, hieß es im Verwaltungsbericht der Stadt Herne für die Zeit vom 1. April bis zum 31. März 1900.

Ein paar Jährchen sollte es doch noch dauern: Nach einem Architektenwettbewerb, den der renommierte Düsseldorfer Gartenbauer Reinhold Hoemann für sich entscheiden konnte, wurde der Herner Stadtgarten nach zweijähriger Bauzeit 1908 eröffnet – die Gesamtkosten für die Erstanlage hatte Stadtbaumeister Fuchs auf 323.000 Mark veranschlagt. Dafür bekam Herne etwas richtig Feines: unter anderem einen botanischen Schulgarten, Laubengänge, einen Musikpavillon, Rasen-Tennis-Plätze und einen künstlich angelegten Teich mit einem großen Springbrunnen. Ein generöser Stifter spendierte dem Stadtgarten noch ein Tempelchen, das sich im Wasser spiegelte.

Immer wieder verändert

Seither hat sich der Stadtgarten immer wieder verändert. Wasser hat von Anfang an eine große Rolle gespielt, erwies sich aber bis heute auch als größtes Problem. Schon 1911 lief der große Teich erstmals leer – eine Folge von bergbaubedingten Bodensenkungen. Die Zeche Mont Cenis übernahm die Kosten für eine Abdichtung, aber das Problem blieb. Anfang 1950 beschloss der Bauausschuss der Stadt Herne, den Teich endgültig trocken zu legen und in eine Grünfläche zu verwandeln.

Ganz ohne Wasser ging es aber doch nicht. Als 2008 bis 2011 der bis jetzt letzte Umbau des Stadtgartens anstand, sollte das zu dem Zeitpunkt vorhandene Gewässer aufgegeben werden. Auf Wunsch der Naturschützer wurde ein Versuch für eine naturnahe Teichanlage unternommen. Unweit des Eingangs von Schaeferstraße/Parkhotel, sieht man eine große, mit Schilf bewachsene Mulde mit einer Steininsel in der Mitte. „Aber auch dieser Teich hat nicht funktioniert“, bedauert Hiltrud Buddemeier, Vorsitzende des BUND Herne und des Naturschutzbeirates. „Der Teich ist wieder leer gelaufen.“

Ersatzlos verfüllt werden soll die Fläche jedoch nicht, allein schon wegen der Amphibien, die sich dort angesiedelt haben. Geplant ist vielmehr, den Teich erneut zu verlegen und zwar auf die große Wiese zwischen Hölkeskampring und Kirschbaumallee – dort, wo sich früher schon ein Wasserbecken befunden hat, erklärt Heinz-Jürgen Kuhl auf Anfrage der WAZ. Auch die Amphibien, so der Chef von Stadtgrün Herne, sollen dorthin umziehen.

Sohle aus Ton plus Folie

Um sicher zu gehen, dass dem neuen Teich nicht das gleiche Schicksal beschieden ist wie seinen Vorgängern, wird die Sohle sowohl mit Ton als auch einer Folie ausgekleidet. Und er wird in eine Senke verlegt. „Nach der ersten Befüllung mit Wasser sollte es funktionieren“, ist Heinz-Jürgen Kuhl zuversichtlich. Die Arbeiten seien noch für dieses Jahr geplant. Weitere Veränderungen auf dem 9,2 Hektar großen Gelände stehen durch die Aufwertung des Eingangsbereichs und den Wegfall des Sportplatzes an.

An einigen Stellen ist noch zu erkennen, dass der Stadtgarten nicht nur auf landwirtschaftlichen Flächen entstanden ist, sondern sich früher dort auch Wald befand. Hiltrud Buddemeier freut sich deshalb besonders, dass bei Nachpflanzungen Eichen gesetzt wurden, die sich auch in dem Altbestand finden. Dazu hat einst auch der Herner Junggesellenverein beigetragen, der an jedem 1. Mai eine Eiche im Stadtgarten pflanzte. Ebenfalls erhalten sind Treppen, Mauern und das Denkmal, das der Herner Turnverein 1911 für Turnvater Jahn errichtete.

Gesellschaftliches Ereignis

Während der östliche Teil des Stadtgartens vielfältige Möglichkeiten bietet, sich körperlich zu betätigen, sind der westliche und südliche eher dem schlendernden Spaziergänger vorbehalten, der einfach mal die Seele baumeln lassen möchte und sich über kleine Entdeckungen freut: Hier eine Wiese voll mit Dichternarzissen, dort Schlüsselblümchen und sogar die zarten, gelb blühenden Hundszahnlilien lassen sich an einer Stelle finden. Im Frühjahr der Hingucker schlechthin: Die Zierkirschenallee, die geradeswegs auf die Rückseite des Parkrestaurants zuläuft.

Der Altbau sieht heute noch so aus wie das Stadtgartenrestaurant, das am 12. Mai 1909 an dieser Stelle, der höchst gelegenen im Park, eingeweiht wurde. Am Bau beteiligt waren weitestgehend heimische Betriebe, betont der Herner Anzeiger am 11. Mai 1909. Ein großes gesellschaftliches Ereignis war die Eröffnung, wie im Herner Anzeiger vom 14. Mai 1909 nachzulesen ist. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert: Das Stadtparkrestaurant gilt den Hernern nach wie vor als „Gute Stube“.

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