ÖPNV

Schulung für Bahn und Bus: HCR nimmt Senioren Ängste

Ein- und Aussteigen mit dem Rollator - das demonstrierte HCR-Verkehrsmeister Peter Jablonka (r.) den Bewohnern des ASB-Begegnungs- und Pflegezentrums Mont-Cenis. Foto:Michael Korte

Ein- und Aussteigen mit dem Rollator - das demonstrierte HCR-Verkehrsmeister Peter Jablonka (r.) den Bewohnern des ASB-Begegnungs- und Pflegezentrums Mont-Cenis. Foto:Michael Korte

Herne.   Durch eine Schulung will die HCR Senioren Ängste bei der Nutzung von Bus und Bahn nehmen. Vor allem der Ein- und Ausstieg bereitet Probleme.

Ältere Menschen haben häufig Angst, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Hier setzt die Straßenbahn Herne – Castrop-Rauxel (HCR) im Begegnungs- und Pflegezentrum Mont-Cenis des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) mit ihrer Schulung „Sicher unterwegs in Bus und Bahn“ an. Senioren erzählen, wo ihnen der Schuh drückt und welche Sorgen sie im ÖPNV haben. Und Busfahrer der HCR berichten von ihrem Alltag und räumen Missverständnisse aus.

Tricks selbst herausgefunden

„Früher bin ich für einen Groschen mit dem Bus gefahren“, erinnert sich Richard Kämper. Der 92-Jährige fährt heute noch viel, läuft aber noch viel lieber – „bis zu 13 Kilometern am Tag.“ Vor zwei Jahren sei er für eine gewisse Zeit auf einen Rollator angewiesen gewesen. Er habe Schwierigkeiten gehabt, in den Bus einzusteigen. „Irgendwann habe ich Tricks herausgefunden“, sagt er. Heute gibt er diese Tipps und Tricks an andere weiter. Genau das sei das Problem, sagt Verkehrsmeister Peter Jablonka. „Die Menschen bekommen von heute auf morgen den Rollator und wissen gar nicht, wie sie damit umgehen müssen.“

Die Bewohner fragen, warum Busse an manchen Haltestellen so weit vom Bordstein entfernt stehen. Die Antwort: Das liege daran, dass manche zugeparkt würden oder die Gegebenheiten durch Bäume oder ähnliches ungünstig seien. „In der Regel fahren wir dicht an die Kante, so dass der Einstieg fast auf gleicher Höhe ist“, sagt Thomas Leuschner, Schulungsleiter und Fahrlehrer bei der HCR.

Im toten Winkel

„Warum fährt der Bus manchmal schon ab, obwohl ich dem Fahrer zugewunken habe“, fragen einige Bewohner. Dies liege daran, dass der Fahrer sie häufig gar nicht sehen könne, weil sie entweder im toten Winkel seien oder er bereits die Abfahrt vorbereite und nach links auf die Fahrbahn schaue.

Große Sorgen bereitet den Älteren vor allem der Ein- und Ausstieg in die Busse. Deshalb zählt auch ein praktischer Teil zur Schulung. Peter Jablonka zeigt mit einem Rollator, wie die Bewohner sicher ein- und aussteigen und wo sie sich festhalten können.

Wichtig sei, beim Aussteigen rückwärts zu gehen. „Das ist die sicherste Methode. Wenn sie vorwärts gehen, können sich beispielsweise die Räder des Rollators zwischen Bus und Bordstein verklemmen“, erklärt er.

Der Verkehrsmeister hat aber noch einen weiteren wichtigen Hinweis: „Wenn Sie im Bus sind, setzen Sie sich nicht auf den Rollator, sondern auf einen regulären Platz!“

Susanne Adler ist mutig und probiert die Tipps direkt aus. „Wenn der Abstand von Bürgersteig und Bus nicht so groß ist, dann würde ich auch noch mal Bus fahren“, sagt die 91-Jährige.

Hilfe für Rollstuhlfahrer

Im Anschluss zeigen die HCR-Mitarbeiter, wie es mit dem Rollstuhl geht. Hierzu wird eine Klappe am Bus ausgefahren, so dass der Rollstuhl über eine Rampe hineinrollen kann. „Dabei erhalten die Kunden aber immer Hilfe von unseren Mitarbeitern.“ Eine Bewohnerin fragt, warum man die Klappe nicht auch für Rollatorfahrer nutzen kann. Der Fahrplan erlaube solch lange Pausen nicht, so die Antwort.

Peter Jablonka nimmt den Bewohnern noch eine weitere Angst: „Viele haben Sorge, in der Tür eingeklemmt zu werden, wenn sie nicht schnell genug einsteigen können.“ Er stellt sich zwischen die Türen, während ein Kollege sie schließt. Nach einem ganz leichten Druck der Türen gegen seine Arme springen sie wieder auf. Jablonka: „Der Bus kann übrigens auch nicht abfahren, wenn die Türen offen sind. Das ist automatisch so eingestellt.“

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