Rockoper

Schüler erleben „Faust“ als Rockspektakel mit Effekten

Gretchen (Denise Vilöhr) mit Tänzerinnen in „Faust“.

Foto: Fischer

Gretchen (Denise Vilöhr) mit Tänzerinnen in „Faust“. Foto: Fischer

Herne.   500 Jugendliche aus Herne und Umgebung sahen am Freitagmorgen „Faust - Die Rockoper“ im Kulturzentrum - Goethes Tragödie als große Bühnenshow.

Was für eine Show! Zweieinhalb Stunden „Faust“ im Kulturzentrum, und keiner nickte ein. Im Gegenteil: 500 Schülerinnen und Schüler erlebten am Freitagmorgen im Herner Kulturzentrum ein elektrisierendes Rockspektakel, das an Effekten nicht sparte. Goethes Tragödie, auch 2017 noch Abi-Stoff, in grellem Gewand.

Das Herner Gretchen kommt erst nach der Pause

Neben Schulen aus Dortmund, Bochum, Herten und Gelsenkirchen waren als stärkste Fraktion die Herner Schüler vertreten: vom Otto-Hahn-Gymnasium, Haranni-Gymnasium, Hiberniaschule und Pestalozzi-Gymnasium. Rockoper-Produzent Manthey begrüßte letztere besonders herzlich, hatte doch die in Herne aufgewachsene Gretchen-Darstellerin Denise Vilöhr (28) am „Pestalozzi“ die ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Auf die ausgebildete Musicaldarstellerin musste das Publikum allerdings bis nach der Pause warten, denn Gretchen begegnet Faust erst, nachdem dieser schon an der Welt verzweifelt ist und seinen Pakt mit Mephisto geschlossen hat.

„Faust – die Rockoper“ erzählt den Stoff mit einem Augenzwinkern, unterlegt vom kraftvollen Hard Rock der eigens für die Produktion zusammengestellten Faust-Band. Vier versierte Musiker, die sich zudem auf die Attitüde von Bands wie Black Sabbath, ACDC oder Guns’n’Roses – Oberkörper frei, Haare schütteln – verstehen. Zumindest gemessen am donnernden Schlussapplaus waren sie die wahren Stars der Show.

Technik motzt das Stück für Jugendliche auf

28 Songs wechselten sich mit einigen gesprochenen Textpassagen ab. Aufwändige Kostüme und die Technik taten ihr übriges, Bühnennebel, offenes Feuer und Scheinwerferlicht in allen Farben motzten das Spektakel jugendkompatibel auf. Manchmal wünschte man sich auch, das Gretchen einfach in Ruhe singen zu hören, ohne dass es dabei von fünf Tänzerinnen im Negligé umringt wird ...

Librettist und Komponist Rudolf Volz hat die Rockoper 1998 geschrieben und dazu ausschließlich Goethes Original-Text verwandt. Seit 2005 ist die Manthey Event Gesellschaft aus Berlin mit dem Stück unterwegs, das auch an Schauplätzen mit Bezug zu Goethe wie „Auerbachs Keller“ und auf dem Brocken im Harz gespielt wird. Über 600 Vorstellungen hat es schon gegeben.

Alle Rollen wurden mehrfach besetzt

Entsprechend routiniert sind die Abläufe. Alle Rollen sind angesichts der vielen Gastspiele mehrfach besetzt, mit ausgebildeten Schauspielern und Sängern. Denise Vilöhr stand am Freitag u.a. als in Kiss-Manier geschminkter Mephisto Falko Illing – Sänger, Drummer, Schauspieler – auf der Bühne, Martin Constantin macht als Faust eine Wandlung vom gebeugten Gelehrten zum Dandy im Rüschenhemd durch und Henrike Baumgart verkörpert als starke Frauenfigur unter anderem Hexe, Erdgeist und Domina.

Im Kontrast dazu ist Denise Vilöhr ein ergreifendes Gretchen in Hellblau, mit (leider sehr künstlich wirkender) blonder Perücke auf dem normalerweise kurzen Haar. Sie singt mit klarer Sopranstimme gefühlvolle Lieder wie zum Blumenorakel „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ oder „Meine Ruh’ ist hin“. Als sie beim Finale noch einmal einen Song wiederholt, gehen im Zuschauersaal die Feuerzeuge und Handylampen an – Heimspiel!

>>> ROCKOPER AUF TOUR

Am Freitagabend war im Kulturzentrum eine zweite Vorstellung von „Faust- Die Rockoper“ zu sehen.

Der Produzent ist inzwischen auch mit „Faust II“ unterwegs.

Seit Februar 2016 ist „Hamlet - Die Rockoper“ am Start.

Mehr auf www.faust-rockoper.de.

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