Realschule Sodingen

Schlechte Bewerbungen vermeiden

„Bewerbungsschreiber“ Holger Manzke weiß, wie’s geht.                         Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool

„Bewerbungsschreiber“ Holger Manzke weiß, wie’s geht. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool

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Herne. Trainer halfen Neuntklässlern der Realschule Sodingen bei der Jobsuche. Denn bei einem schlechten Anschreiben sind die Erfolgsaussichten gering.

Der Klassiker geht so: „Hiermit bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz als . . . Ich habe mich schon immer für . . . interessiert. Mit freundlichen Grüßen.“ So ein Anschreiben ist schnell getippt, aber die Erfolgsaussichten sind ziemlich gering. „Wenn jemand 150 Bewerbungen geschrieben hat, kann irgendwas nicht stimmen“, sagt Trainer Holger Manzke. Deshalb die Schulung, die er und seine Kompagnons von „Die Bewerbungsschreiber“ am Donnerstagvormittag Schülern der Realschule Sodingen zukommen ließen: Wer sich bewirbt, sollte keine Fehler machen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Annika Nowoczien (14) kann’s nicht glauben. „Was? Das gibt es?“ – dass viele Jugendliche mehr Rechtschreibfehler als persönliche Angaben in ihren Brief einbauen, findet sie unprofessionell. Die Neuntklässlerin will Pharmazeutisch-Technische Assistentin werden, und wie sie sich dafür bewirbt, lernt sie an diesem Vormittag. „Ich achte darauf, alles richtig zu schreiben. Dafür gibt es doch die Rechtschreibprüfung am Computer.“ Das weiß offenbar nicht jeder. „Wenn ein Entscheider 200 Bewerbungen auf dem Tisch hat, sortiert er zuerst die aus, die fehlerhaft und voller Kaffeeflecken sind“, sagt Manzke. Als schlecht identifiziert er vor allem die beliebten, aber wenig originellen Standardschreiben. „150 Bewerbungen, das kann es nicht sein. Kein Mensch kann in 150 Unternehmen arbeiten wollen.“ Man müsse sich mit dem potenziellen Arbeitgeber identifizieren können. Sein Leitsatz: „Es ist nicht nur so, dass sich das Unternehmen für mich entscheidet. Sondern ich entscheide mich auch für ein Unternehmen.“ Und darauf komme es im Brief an: deutlich zu machen, warum. Konkret bedeute das, „einen Bezug zu den Schlüsselwörtern aus der Stellenanzeige herzustellen“. Wenn also jemand gesucht wird, der erfahren ist, flexibel und gerne im Team arbeitet, sollte der Bewerber deutlich machen, warum all das auf ihn zutrifft.

Für Caroleen Frieg (14) kommen die Tipps ein bisschen spät. Für das Praktikum, das sie Ende des Schuljahrs absolvieren möchte, hat sie sich schon beworben. „Dafür nützen mir die Tipps also nichts mehr.“ Anwendungsmöglichkeiten kommen aber ganz bestimmt, spätestens, wenn sich die Realschülerin um eine Ausbildung bei der Polizei bemüht. Holger Manzke ist sich indes sicher, mit einem Training das Tor zum Bewerbungsgespräch weit aufstoßen zu können. Dann, betont er, sei aber jeder für sich allein verantwortlich.

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