Friedhöfe

Schilder auf Herner Friedhöfen würdigen die Friedhofskultur

Die Unesco würdigt die Friedhofskultur. Ein Hinweisschild (rechts) ist jetzt auch an der Trauerhalle auf dem städtischen Hauptfriedhof angebracht.

Die Unesco würdigt die Friedhofskultur. Ein Hinweisschild (rechts) ist jetzt auch an der Trauerhalle auf dem städtischen Hauptfriedhof angebracht.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Sie sind Orte der Erinnerung und der Begegnung: Vier Friedhöfe unterhält die Stadt Herne noch. Warum die Unesco die Friedhofskultur schützen will.

In 125 Städten Deutschlands sind am Freitag Tafeln enthüllt worden, die den Wert der Friedhofskultur ins Bewusstsein rufen sollen. Darauf ist die Friedhofskultur als „Immaterielles Kulturerbe“ ausgewiesen. Auch in Herne hat der Fachbereich Stadtgrün solche Tafeln angebracht: Am Südfriedhof (oder Hauptfriedhof), am Holthauser Friedhof, am Nordfriedhof und am Friedhof in Holsterhausen. Auf diesen vier von sieben städtischen Friedhöfen werden aktuell noch Menschen bestattet, die anderen werden nach und nach zurückgebaut.

Friedhöfe als Orte der Lebenden

„Immaterielles Erbe Friedhofskultur“: Dieses etwas sperrige Siegel der Unesco bedeutet, dass nicht die Orte gewürdigt werden, sondern das, was dort geschieht. „Friedhöfe sind nicht nur ein Ort der Toten, sondern vor allem auch ein Ort der Lebenden“, sagte am Freitag Thilo Sengupta, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Stadtgrün. Dort pflegten Menschen Gräber und gönnten sich eine Auszeit, sie fänden Halt in ihrer Trauer und erinnerten sich. Die Friedhöfe seien „Philosophieforum“ wie Skulpturenpark, Seniorentreff und lebendiges Geschichtsbuch, und nicht zuletzt eine „Mahnung zum Frieden“.

Vor allem sei die Friedhofskultur ein Spiegel der Gesellschaft. Sie bilde unter anderem die Abkehr von Familienstrukturen in den neu entstehenden Gemeinschaftsgrabanlagen ab und reagiere auf die Mobilitätsanforderungen, indem sie pflegefreie Grabformen anbiete.

Spaziergänger willkommen

Als Friedhofsmeisterin bestätigt Christina Thieringer-Bonk den Wert der Friedhöfe als Ort der Begegnung. „Viele lernen sich hier kennen“, sagt sie. Treffpunkte seien neben bestimmten Plätzen auch die Kolumbarien. Spazierengänger seien genauso willkommen wie Walker, (vernünftige) Radfahrer oder Hundebesitzer mit angeleinten Hunden.

Für die Friedhofsmeisterin ist der Friedhof „ein schöner Kulturraum“. Jedes individuelle Grab sein „ein kleiner Garten für sich“, während die Kriegsgräber an die Geschichte erinnerten. Neben Christen fänden auch Muslime auf dem mit 32 Hektar größten Herner Friedhof ihre letzte Ruhe.

Über einen QR-Code an den Schildern erfahren die Betrachter mehr über das „Immaterielle Erbe Friedhofskultur“. Infos auch im Internet auf der Seite www.unesco/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe

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