LESUNG

Schauspieler Dominique Horwitz überzeugt als Krimiautor

Im Literaturhaus Herne: Dominique Horwitz.

Im Literaturhaus Herne: Dominique Horwitz.

Foto: Fischer

Herne.   Das Publikum im Literaturhaus erlebte ihn bei der Lesung seines Krimis „Tod in Weimar“, in dem er Schauspieler ins Altenheimmilieu versetzt.

Der Kriminalroman „Tod in Weimar“ schildert eine Stadt zwischen erstarrter Denkmalpflege und dem prallen Leben des Schauspielermilieus. Es ist das Debüt des Schauspielers Dominique Horwitz als Kriminalautor. Von dieser beachtlichen Doppelbegabung schöpfte er am Mittwoch auf der Lesebühne im ausverkauften Literaturhaus Herne Ruhr.

Morbides Altenheim-Milieu in Weimar

In dessen tatsächlichem Wohnort Weimar entwarf er sich seinen introvertierten Protagonisten, den Kutscher und Stadtführer Kaminski. Wenn dieser nun im morbiden Altenheim-Milieu auf extrovertierte Ex-Schauspieler trifft, entwickelt der Autor auf das genüsslichste einen Krimi-Plot, dem es an Süffisanz und Pikanterie nicht mangelt.

Dort geht ein konspirativer Schiller-Zirkel ein und aus und es wird die Biographie Zarah Leanders kontrovers diskutiert, dort gibt es auch - nicht ganz unüblich für ein Altenheim - Tote.

Schreckliche Ereignisse vor klassischer Kulisse

Die Stadt, geprägt von kulturellen Institutionen, mit ihren pastellfarbenen Häuserfassaden, inklusive des Säuselns entzückter Touristen vor dem großen Erbe der Weimarer Klassik, sie geben den ironischen Hintergrundton im Umgang mit dem leicht musealen Charakter der Stadt an, vor welchem sich offenbar Grotesk-Schreckliches ereignet.

Die ausgebildete Sprechstimme des Schauspielers Dominique Horwitz ist einfach eine Wonne: Er verleiht seinen komisch überzeichneten Figuren ihre Stimme, etwa der korrekten Dr. Trixi Muffinger mit ihrem „gusseisernen Lächeln” oder der sich aufspielenden Alt-Schauspielerin auf dem samtüberzogenem Liegemöbel im Salon. „Tod in Weimar“ hat Horwitz auch als Hörbuch eingesprochen.

Charaktere verlieren die Bodenhaftung

Seine „Seniorenversion einer Theaterkantine“, garniert mit ein paar Mordfällen, hat wunderbar unvereinbare Charaktere. Philologen, Schauspieler und Musiker verlieren in Dominique Horwitz’ „Tod in Weimar“ so herrlich selbstverliebt die Bodenhaftung, dass es das Herner Publikum zum Schmunzeln hinriss. Das hat Stil.

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