Kommentar

Sainte-Laguë oder: Die Tops und Flops der Wahl in Herne

Grünen-Chef und OB-Kandidat Pascal Krüger (links) freut sich am Sonntagabend bei der Wahlparty in „Steinmeister’s Biergarten“ am Kanal über das Ergebnis seiner Partei im Rat und in den Bezirken. Sein persönliches Abschneiden bei der OB-Wahl löste weniger Begeisterung aus.

Grünen-Chef und OB-Kandidat Pascal Krüger (links) freut sich am Sonntagabend bei der Wahlparty in „Steinmeister’s Biergarten“ am Kanal über das Ergebnis seiner Partei im Rat und in den Bezirken. Sein persönliches Abschneiden bei der OB-Wahl löste weniger Begeisterung aus.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Daumen hoch, Daumen runter: Das sind für die WAZ die Gewinner und Verlierer der Kommunalwahl am Sonntag in Herne.

Das sind die Tops und Flops bei der Kommunalwahl in Herne.

Top: Frank Dudda. An seinem Sieg im ersten Wahlgang zweifelten im Vorfeld nur wenige, doch mit 63,1 Prozent setzt der Amtsinhaber ein fettes Ausrufezeichen! Nicht messbar, aber vorhanden: der Dudda-Effekt für die SPD im Rat und in den Bezirken.

Flop: Timon Radicke. Für ihn senken sich gleich zwei Daumen. Einer für den CDU-Vorsitzenden angesichts eines katastrophalen Wahlergebnisses gegen den NRW-Trend. Und einer für den OB-Kandidaten, der mit 17,9 Prozent sogar die grottigen 18,5 Prozent von Peter Neumann-van Doesburg (der CDU-Vize flog übrigens diesmal aus dem Rat) aus dem Jahr 2015 noch unterbot. Ein dicker Rucksack für den designierten neuen Ratsfraktions-Chef.

Top: die SPD. Ja, gut. Die Partei hat in Rat und Bezirken leicht an Stimmen verloren. Trotzdem steht unterm Strich ein beachtliches Ergebnis wider den Landestrend. Damit hätten selbst viele Herner Genossen nicht gerechnet (siehe auch oben: Dudda-Effekt).

Das Schweigen der AfD am Wahlabend

Flop: der Wähler. Beziehungsweise: (zu) viele Wähler, die bei der AfD trotz deren wirklich üblen Vorgeschichte ein Kreuz gemacht haben. Die rechte bis rechtsextreme Partei schwieg übrigens am Wahlabend und meldete sich erst am Montag zu Wort. Parteivorsitzende Beate Fiedler war „mehr als zufrieden“ und kündigte eine „bodenständige, liberal-konservative Politik“ an. Ah, ja.

Top: die Grünen. Ihr bescheidenes Ziel - das bisherige Rekordergebnis von 9,3 Prozent aus dem Jahr 2014 übertreffen - erreichten die Herner Grünen trotz erstaunlich vieler Querelen durch Rücktritte oder Parteiaustritte (Marek, Jäkel, Dürdoth, Kohs) locker. Einen nicht unerheblichen Teil des Wahlergebnisses kann sich der Parteivorsitzende Pascal Krüger zugute schreiben.

Flop: OB-Kandidat Pascal Krüger. Diese Rolle war mindestens eine Nummer zu groß für den Grünen-Politiker, der vor seiner Kandidatur nur bei Umweltthemen auf sich aufmerksam machte.

FDP und Linke blieben hinter ihren Erwartungen zurück

Top: Petra Herrmann-Kopp. Womit niemand gerechnet hat: Obwohl die SPD alle Direktwahlkreise gewonnen hat, zog zusätzlich noch die Reserveliste der Sozialdemokraten. Die Folge: Die Quereinsteigerin und Sportfunktionärin Herrmann-Kopp landete am späten Sonntagabend über Listenplatz 2 im Rat. Verantwortlich dafür ist ein Berechnungsverfahren für Sitzverteilungen mit dem wunderschönen Namen „Sainte-Laguë/Schepers“, auch bekannt unter „Divisormethode mit Standardrundung“.

Flop: FDP und Linke. Die beiden Parteien blieben bei Wahlen in Herne mal wieder hinter ihren eigenen Erwartungen zurück und müssen weiterhin von besseren Zeiten träumen.Weitere Berichte aus Herne und Wanne-Eickel finden Sie hier.

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