Physical-Theatre

Sabeth Dannenberg begeistert mit „Camouflage“ in Herne

Sabeth Dannenberg rückt beim Theaterstück „Camouflage“ das Thema Weiblichkeit und Destruktivität in den Fokus.

Sabeth Dannenberg rückt beim Theaterstück „Camouflage“ das Thema Weiblichkeit und Destruktivität in den Fokus.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   In „Camouflage“ geht es um Kampf, Widerstand und Weiblichkeit. Performance-Künstlerin gibt in den Herner Flottmann-Hallen vollen Körpereinsatz.

Camouflage nennt die junge Performance-Künstlerin Sabeth Dannenberg ihr Stück, in dem sie am Freitagabend in den Flottmann-Hallen den Zwiespalt einer Frau zwischen Weiblichkeit einerseits und bedingungslosem Engagement in einem Kampf andererseits thematisiert.

Der Raum ist dunkel, ein chinesischer Mast mit Querstangen dominiert die Bühne. Hier erkundet die Performerin Sabeth Dannenberg ihren Aktionsraum, geschmeidig und gelenkig wie ein Tier des Urwalds. „Physical Monkey“ heißt denn auch das Label der an der Essener Folkwanguniversität ausgebildeten jungen Künstlerin, in dem sie ihren zweiten Soloabend „Camouflage“ produziert.

Ihre Pantomime ist von starker Körperspannung geprägt, die Konzentration liegt greifbar in der Luft. Die körperliche Anstrengung bringt ihren seelischen Konflikt nach außen, suggestive Musik untermalt die Seelenlandschaft in dieser radikalen Atmosphäre.

Wer bin ich? Was will ich? Diese existenziellen Fragen treiben eine Frau um. Und sie stellt sich ihnen, schnörkellos. Mit einem Lächeln, das ihren ganzen Lebensmut widerspiegelt. „Ich glaube an die Liebe, ich glaube an das Leben, an Gerechtigkeit, an Gleichberechtigung, an Toleranz, an Würde, an Frieden, an Stärke, an Hoffnung, an Unschuld, an das Gute im Menschen – an den Menschen,“ bringt sie ihre überbordende Lebenskraft zum Ausdruck. „Ich glaube an die Zukunft, ich glaube an die Utopie.“

Doch das ist nur die eine Seite, die Seite der sich bedingungslos hingebenden Kämpferin, die die Welt zu einem besseren Ort verändern will.

Künstlerin schafft radikale Atmosphäre

„Will ich ein Kind in diese Welt setzen?“, lautet die andere Frage. „Wie soll ich ihm erklären, was Gewalt ist?“

In diesem Zwiespalt will sie aber nicht gefangen bleiben. „Ich glaube nicht, dass früher alles besser war. Ich glaube an eine Lösung.“ Doch die liegt nicht in einer trügerischen Harmonie, nur im Kampf. Mit anderen, mit sich selbst.

Dräuende Klänge werden lauter, eindringlicher, fast schmerzlich, sie wühlen sich in die Szene, in das Leben hinein, sie bringen den Schrei der Seele nach außen.

Bedingungslose Körperlichkeit

Den Konflikt zwischen ihren Werten, Wünschen und Sehnsüchten trägt die Protagonistin nun nicht mehr reflektiert-rhetorisch, sondern in einer bedingungslosen Körperlichkeit aus. Im Spiel von konvulsivischen Zuckungen und Entspannung, die dieses Ringen mit sich selbst begleiten, treffen archaische Elemente auf Zeitlosigkeit, die Zivilisation ist ins Dunkel gestürzt, der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen.

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