Porträt

Rudi Cernes Herz schlägt nach wie vor für das Ruhrgebiet

TV-Moderator Rudi Cerne

Foto: Ralph Bodemer

TV-Moderator Rudi Cerne Foto: Ralph Bodemer

Herne.  Rudi Cerne, der in Wanne-Eickel geboren wurde, ist weltweit in Sachen Sport unterwegs. Doch sein Herz schlägt nach wie vor für das Ruhrgebiet.

„Aktion Mensch“ ist eine der ältesten Inklusionsprojekte in Deutschland. Seit mehr als 50 Jahren unterstützt sie bundesweit Projekte. Eins davon ist das „Bistro auf Schalke“ in Gelsenkirchen. An diesem Morgen ist prominenter Besuch im Haus. Rudi Cerne, seit Anfang 2014 ehrenamtlicher Botschafter für die „Aktion Mensch“ dreht mit dem ZDF, um die Einrichtung einem breiten Publikum vorzustellen.

Cerne wartet geduldig an einem der Tische, bis Kamera und Ton bereit sind. Die Gäste in der Einrichtung erkennen ihn schnell. „Sind Sie der Moderator von Aktenzeichen XY ?“, fragt ein Mann. Als Cerne bestätigt, schiebt er die Frage hinterher: „Kommen Sie aus Herne?“ Cerne präzisiert: „Wanne-Eickel.“

Eiskunstlauf beobachtet er nur noch aus der Ferne

Das ist ein klares Indiz dafür, dass der 58-Jährige nach wie vor seine Heimat im Herzen trägt, auch wenn er seit Jahren in der Welt des Sports unterwegs ist. Deshalb genießt er die Dreharbeiten in Gelsenkirchen, sie sind ein Heimspiel (auch weil er als Wanne-Eickeler fußballerisch eine königsblaue Prägung hat). Cerne hat noch starke Verbindungen in seine Heimatstadt, unter anderem weil seine Schwiegermutter in Herne wohnt. Auch zu einigen Freunden des TC Parkhaus bestehen noch Kontakte. „Das ist meine Heimat, hier sind meine Wurzeln“, sagt er im Gespräch mit der Herner WAZ-Redaktion.

Er liebt, dass die Menschen im Revier das Herz auf der Zunge tragen. „Wenn ich über die A45 komme, fährt das Auto ab Lüdenscheid ganz allein. Es ist einfach schön hier“, betont er. Wie sehr er Ruhrgebietsromantiker ist, dazu später.

In jedem Fall kennt Rudi Cerne sein Ruhrgebiet. Navi? Benötigt er nicht. Er war ja in jungen Jahren kreuz und quer im Ruhrgebiet unterwegs - für Eiskunstlauf. Training in Gelsenkirchen, Training in Krefeld. Überraschend: Heute beobachtet er Eiskunstlauf nur noch aus der Ferne. Seine Beziehung ist abgekühlt. „Vor einigen Jahren habe ich mir neue Schlittschuhe gekauft. Damit bin ich dreimal gelaufen, seitdem stehen sie in der Ecke.“ Wenn er eine Eishalle betrete und diesen muffigen Geruch wahrnehme, könne er schon wieder umdrehen. Der Geruch weckt Erinnerungen an hartes Training. „Das muss ich nicht haben. Es gibt schönere Dinge, an die man sich erinnern kann.“

Eduard Zimmermann wählte Cerne als Nachfolger

Allerdings öffnete der Eiskunstlauf ihm die Tür zum Journalismus. Beim Hessischen Rundfunk trat er die Nachfolge des Eiskunstlauf-Experten Hans-Joachim Rauschenbach an. Doch der Horizont erweiterte sich schnell: Tennis, Tour de France, Fußball-Weltmeisterschaft, und, und, und. Es gibt kaum ein sportliches Großereignis, von dem Rudi Cerne nicht berichtet hat. Darüber hinaus präsentierte er von 1999 bis 2006 im ZDF das Aktuelle Sportstudio. Sein Erfolg scheint ihm beinahe selbst etwas unheimlich zu sein: „Sich als Sportler so einzubringen, das ist schon sensationell.“

Doch Cerne hat sein Spektrum erweitert - mit der Moderation des Klassikers „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Diese Sendung war keineswegs Teil seiner Lebens- oder Karriereplanung, die neue Aufgabe kam überraschend auf ihn zu. Er habe während der „Tour de France“ einen Anruf erhalten mit der Frage, ob er sich vorstellen können, Aktenzeichen XY zu moderieren. Was Cerne zu jenem Zeitpunkt nicht wusste: Aktenzeichen-Erfinder Eduard Zimmermann hatte das Privileg, seinen Nachfolger selbst auszuwählen - er wählte Cerne. „Ich hatte bis dahin mit Kriminalität nichts zu tun“, erinnert sich Cerne. Viele Kollegen hätten ihm mit Blick auf das Image abgeraten, doch er habe einen gewissen Zugzwang verspürt, weil auch ZDF-Programmdirektor Markus Schächter Cerne als neuen Moderator befürwortete. Den entscheidenden Rat habe ihm Frank Elstner gegeben. Das sei eine einmalige Chance, er solle etwas aus der Sendung machen.

Rückkehr ins Ruhrgebiet ist nicht ausgeschlossen

Inzwischen kann man sagen: Rudi Cerne hat etwas aus der Sendung gemacht. „Sie war ein Klassiker und ist wieder ein Klassiker geworden. Das finde ich klasse.“ Über Kriminalfälle - und die Opfer - zu berichten, ist an sich schon keine einfache Angelegenheit, besonders schwierig werde die Moderation bei den Spezialsendungen zu vermissten Kindern. „Wenn die Angehörigen völlig verzweifelt ins Studio kommen und man kann ihnen ansehen, wie sie körperlich leiden, das geht mir schon nahe“, sagt er.

Cerne empfindet einen gewissen Stolz, dass er eine Sendung hat, die Relevanz für das Publikum habe. Und der Kontrast zur Sportberichterstattung mache seine Arbeit „unheimlich abwechslungsreich. Ich bin zufrieden mit der aktuellen Situation“.

In anderer Hinsicht schließt er nicht aus, dass sich seine persönliche Situation irgendwann in der Zukunft ändern wird. Er könne sich durchaus mit der Idee anfreunden, zurück ins Ruhrgebiet zu ziehen. „Hier schlägt mein Herz höher, hier bekomme ich Puls.“

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