Hilfsprojekt

Roma-Familien in Ungarn bekommen Unterstützung aus Eickel

Blick in ein Haus einer Roma-Siedlung in der Nähe von Kaposfö in Ungarn: Die Mitglieder der Vinzenz-Konferenz St. Marien in Eickel lernten dort für hiesige Verhältnisse unvorstellbare Armut kennen.

Blick in ein Haus einer Roma-Siedlung in der Nähe von Kaposfö in Ungarn: Die Mitglieder der Vinzenz-Konferenz St. Marien in Eickel lernten dort für hiesige Verhältnisse unvorstellbare Armut kennen.

Foto: Knecht

Wanne-Eickel/Herne.  Seit neun Jahren hilft die Eickeler Vinzenz-Konferenz Roma-Familien in Ungarn. Dort fehlt es an fast allem, aber es gibt auch Positives.

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Kein Strom, keine Heizung, kein fließendes Wasser, keine Sanitäranlagen, defekte Fenster, undichte Dächer und löchrige Wände: „Es ist unfassbar, dass mitten in Europa Menschen unter solchen Bedingungen leben müssen“, sagt Franz-Josef Knecht von der Vinzenz-Konferenz St. Marien Eickel. „Wer das einmal gesehen hat, den lassen diese Bilder nicht mehr los.“

Diese Bilder – sie stammen aus der kleinen Roma-Siedlung Baglas Puszta im Umfeld von Kaposfö in Ungarn. Seit 2008 unterstützt die Eickeler Vinzenz-Konferenz die Menschen dort, nachdem der inzwischen verstorbene und in Herne beheimatete „Zigeunerpfarrer“ Lothar Weiß von seinem ungarischen Pfarrer-Kollegen Laszlo Somos um Hilfe gebeten worden war. Somos kümmert sich im Umkreis von Kaposfö um rund 2000 Roma, die eigentlich weder Roma noch Sinti sind, sondern eine kleine eigene Gruppe bilden.

80 Besucher beim Vortrag über das Hilfsprojekt

20 Hilfstransporte hat die Vinzenz-Konferenz in den vergangenen Jahren nach Baglas Puszta durchgeführt und ist inzwischen in einer weiteren kleinen Siedlung aktiv. „Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll“, sagt Franz-Josef Knecht, der das Projekt Dienstagabend im Gemeindehaus von St. Marien Eickel vor gut 80 Besuchern mit Bildern und Filmen vorstellte. Der „Ungarische Abend“ war ein Beitrag zur dort stattfindenden „Woche voller Glauben“.

Auch wenn es immer noch an fast allem fehlt, hat sich in der Siedlung einiges zum Positiven entwickelt. Vor allem der Herzenswunsch von Pfarrer Somos, die Einrichtung einer Armenküche, konnte verwirklicht werden. Dort bekommen die Kinder der Siedlung an Wochenenden und in den Ferien, wenn sie nicht mit Schulessen versorgt werden, eine warme Mahlzeit – das Angebot soll nach Möglichkeit ausgebaut werden. Über 60 Prozent der Bewohner von Baglas Puszta, so Knecht, sind unter 18 Jahren alt. Auch dank des Engagements von Pfarrer Somos besuchten inzwischen alle Kinder der Siedlung die Schule, machten regelmäßig ihre Hausaufgaben und bekämen in Eigeninitiative Nachhilfeunterricht im Gemeindehaus, das mit Hilfe von Renovabis, der Osteuropahilfe der Katholischen Kirche, gebaut worden ist.

Transport von Nähmaschinen

Auf einem guten Weg sei auch das landwirtschaftliche Projekt, für das die Eickeler Gartengerätschaften nach Baglas Puszta gebracht haben. Für die Bewohner sei es völlig ungewohnt, Gärten und Äcker zu bearbeiten, berichtet Knecht: „Das gehört nicht zu ihrer Tradition, aber es funktioniert allmählich.“ Und nachdem die Vinzenzbrüder vor einiger Zeit Nähmaschinen nach Baglas Puszta transportiert haben, konnten die Besucher des „Ungarischen Abends“ in St. Marien die ersten Produkte in Augenschein nehmen - und natürlich auch kaufen: robuste, jeansblaue Einkaufsbeutel.

Im April/Mai soll der nächste Hilfstransport nach Baglas Puszta fahren. „Es ist jedesmal ein Fest, wenn wir ankommen“, berichtet Vinzenzbruder Bernd Pennekamp. Sie seien jedesmal wieder von der Herzlichkeit und Lebensfreude der Bewohner beeindruckt. Im Laufe der Jahre habe sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt – über alle Sprachbarrieren hinweg. Unterstützung bekommt die Eickeler Vinzenz-Konferenz inzwischen von den Kollegen aus St. Bonifatius in Herne-Mitte. „Die Menschen in Baglas Puszta können jede Hilfe gebrauchen,“ so deren Vorsitzender Heinrich Stolze.


Förderkreis zugunsten der Armenküche gegründet

Für den Betrieb der Armenküche ist ein Förderkreis gegründet worden. Wer ihn unterstützen möchte, kann Geld spenden an: Vinzenz-Konferenz St. Marien Eickel, „Roma-Hilfe Ungarn“, Herner Sparkasse, DE17 4325 0030 0013 0066 55, WELADED1HRN. Sachspenden können angemeldet werden unter WAN 62870 (Knecht), WAN 42698 (Pennekamp) und WAN 41578 (Fehlemann).

>> WEITERE ANGEBOTE DER „WOCHE VOLLER GLAUBEN“
Die „Woche voller Glauben“ geht in St. Marien Eickel heute, 19.30 Uhr, mit einem offenen Singen weiter. Am Freitag, 19 Uhr, steht ein Spieleabend an. Ort: Gemeindezentrum.

Nach der Messe am Samstag (Beginn: 17 Uhr) findet der Neujahrsempfang im Gemeindezentrum statt. Am Sonntag ist ab 14 Uhr eine Exkursion zum Ikonenmuseum geplant.

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