Soziales

Rentner kritisiert die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge

Siegfried Stolze (r.) bietet gemeinsam mit seiner Tochter Jana Celentano (3. v. r.) Said Hossein (2. v. r.) und Abul* ein Zuhause.

Foto: Jürgen Theobald

Siegfried Stolze (r.) bietet gemeinsam mit seiner Tochter Jana Celentano (3. v. r.) Said Hossein (2. v. r.) und Abul* ein Zuhause. Foto: Jürgen Theobald

Herne.  Siegfried Stolze hat sich um einen minderjährigen Flüchtling mit psychischen Problemen gekümmert. Der Rentner bemängelt fehlende Unterstützung.

Der junge Mann mit Silberkettchen um den Hals und Jogginghose auf der Hüfte verschränkt die Arme fest vor der Brust. „Du kannst auf dein Zimmer Abdul“, sagt Siegfried Stolze, als er seinen Schützling in der Ecke des Wohnzimmers entdeckt. Abdul* bleibt stehen und mustert die Besucher.

Seit knapp einem Jahr wohnt der heute 18-Jährige aus Ghazni jetzt bei dem 72-jährigen Rentner und seiner Frau. Nach Krankenhausaufenthalten, Wohngruppen-Wechseln und viel Chaos sucht der junge Mann dort Ruhe.

Dass es einmal so weit kommen soll, hatte Siegfried Stolze vor knapp zwei Jahren nicht geahnt, als er dem damals noch minderjährigen Afghanen und seinem Freund Said Hossein die deutsche Sprache und Kultur nahe bringen wollte. Die Jugendlichen fassten nach mehreren Treffen schnell Vertrauen und so ist es „Stolze“ – wie ihn die Jugendlichen nennen – der Abdul hilft, als es ihm psychisch immer schlechter geht.

Der Afghane integriert sich nicht in seiner Wohngruppe, wird dort schließlich rausgeschmissen. „Die wollten ihn auf die Straße setzen“, sagt Siegfried Stolze. Bei der Stadt bestreitet man das. Das sei nicht vorstellbar, heißt es auf Nachfrage. Gleichwohl könnten sich die Jugendlichen frei bewegen, was auch durchaus dazu führen könne, dass sie nach Angehörigen und Verwandten suchen, so heißt es weiter. Abdul wohnt in diesen Monaten wechselnd in Wohngruppen, taucht dann wieder auf einmal nachts vor dem Haus der Familie Stolze auf. Seinen gesetzlichen Vormund sieht er „alle paar Wochen ‘mal“, sagt Siegfried Stolze und erzählt von einem Abend, der ihn noch heute wütend macht.

Vormund nicht erreichbar

Mitten in der Nacht musste Abdul da in die Psychiatrie. Er war wieder einmal abgehauen, hatte sich dabei den Fuß gebrochen. Es ist Siegfried Stolze, der – aus dem Bett geklingelt – Abdul überredet in den Krankenwagen zu steigen. „Stolze, ich hab’ Angst“, sagt der junge Mann.

Erst nach zwei Tagen – so erzählt es der Rentner – kommt auch der gesetzliche Vormund hinzu. Vorher sei der gar nicht zu erreichen gewesen. „Das ist immer so. Ab Freitagmittag haben die frei. Aber das kann doch nicht sein“, sagt der Rentner.

Auch das bestreitet die Stadt: Der Allgemeine Soziale Dienst des Fachbereichs Kinder-Jugend-Familie begleite die Jugendlichen intensiv und sei auch außerhalb der Dienstzeiten erreichbar, heißt es.

Siegfried Stolze kann über diese Antworten nur müde lächeln. Seit Monaten lebt Abdul jetzt bei ihm. Vom Jugendamt oder von Betreuern habe er seitdem nichts mehr gehört.

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