Theater

„Reise zum Mittelpunkt des Waldes“: Forscher trifft Reuber

„Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ mit Till Beckmann.

„Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ mit Till Beckmann.

Foto: Joachim Haenisch

Herne.   Das Theater Kohlenpott feierte Premiere: „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ von Finn-Ole Heinrich lässt Wissenschaft auf Wildnis treffen.

Den Wald umweht etwas Geheimnisvolles. Ein Ort, von dem Märchen und Mythen erzählen, schön und furchterregend zugleich, wie gemacht für Geschichten. In diese Welt führt das neue Familienstück des Theaters Kohlenpott, „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“: Unerschrockener Forscher trifft auf finsteren „Reuber“. Mit Till Beckmann in beiden Rollen gelang dem Theater (Regie: Frank Hörner) am Sonntag bei der Premiere eine zauberhafte Stunde.

Illusion eines Waldes aus Bildern, Farben und Tönen

Mit einfachen Mitteln - gespannten dreieckigen Leinwänden - hat Valerie Seela die Illusion eines Waldes geschaffen, ihr Raum kann Blätterdach sein oder Zelt. Mischa Lorenz lässt diese Kulisse mit Fotos und Videoprojektionen leben. Sebastian Maiers Sound-Kosmos ergänzt das stimmige Zusammenspiel von Bildern, Tönen und Farben.

Dort begegnet das Publikum dem Wissenschaftler Markus Michalik, der die Zuschauer artig begrüßt, bevor er zu Demonstrationszwecken in lautes Gebrüll ausbricht, das berühmte „Grüllen“, Erkennungsmerkmal des „Reubers“. Die ersten Kinder im Publikum kichern in sich hinein. Auch wenn Beckmann richtig fies rüberkommt, wirkt er noch harmloser als die gängigen Trickfilm-Bösewichte. Der Monolog gibt ihm die Gelegenheit, sich von vielen Seiten zu zeigen, mal sachlich-sympathisch, mal wunderbar abstoßend, immer gut.

Genervt vom „egoistischen Selbstdarsteller“

Natürlich ist es sein Reuber, der am meisten Spaß macht: Dieser „knochenmahlende, menschenfressende und maximal behaarte“ Riese, 2,20 Meter groß „und schwer wie eine junge Kuh“, der Reuberkot von elefantösem Ausmaß hinterlässt. Da lachen die Kinder wieder. Ein komischer Typ ist das: kennt weder Handys noch Anti-Falten-Lotion oder Kreditkarte, strotzt aber vor Selbstbewusstsein. Der Forscher folgt dem Sog in die Tiefe des Waldes, lebt dort mit dem Reuber, um am Ende festzustellen: Der „ganze aufgeblasene Quatsch“ geht ihm auf die Nerven. Ein „egoistischer Selbstdarsteller“, der sich seine „Gefühle abtrainiert“ hat. Nicht Markus Michaliks Ding. Seine Frau erwartet ein Kind, dem will er ein guter Vater sein.

Bleibt die Frage, ob „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“ in seiner Komplexität ein Stück für Kinder ist. Das gilt besonders für das Ende, als der Forscher sich innerlich von dem wilden Kerl abwendet, weil dieser ihm zu egozentrisch ist. Dass hier ein Mann das Mann-Sein hinterfragt, ist für jüngere Zuschauer nicht erkennbar. Das Theater Kohlenpott hat jedenfalls gut daran getan, die Altersempfehlung von „ab acht“ auf „ab zehn“ hochzusetzen. Alles Weitere werden die Schülervorstellungen in den nächsten Wochen zeigen.

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