Radverkehr

Radverkehr: Scheuers Reformpläne im Herner Experten-Check

Von Bedingungen wie in den Niederlanden - im Bild: Amsterdam - können Radfahrende in Deutschland und auch in Herne nur träumen. Die Reformvorschläge des Bundes könnten aber aus Sicht von Herner Experten zu Verbesserungen führen.

Von Bedingungen wie in den Niederlanden - im Bild: Amsterdam - können Radfahrende in Deutschland und auch in Herne nur träumen. Die Reformvorschläge des Bundes könnten aber aus Sicht von Herner Experten zu Verbesserungen führen.

Foto: Annette Birschel / dpa

Herne.  Rechtsabbiegepfeil, Überholverbote für Autos, Schutz von Radwegen: Was Herner Experten zu Reformplänen von Verkehrsminister Scheuer sagen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sein Herz für Radfahrer entdeckt. Er hat ein Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem die Straßenverkehrsordnung in Zukunft radfreundlicher gestaltet werden soll. Die WAZ hat einige der Punkte von Herner Radexperten auf den Prüfstand stellen lassen.

ADFC ist für höhere Bußgelder

1. Autos und Lkw sollen nicht mehr auf Schutzstreifen für Radler parken. Bei Verstößen soll ein Bußgeld von bis zu 100 Euro fällig werden. „Ein überfälliger Schritt“, sagt Michael Thomasen, Herner Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Höhere Bußgelder sollten aber auch für Radfahrstreifen und bauliche Radwege gelten.

2. Fahrzeuge sollen beim Überholen von Radfahrern einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten (bisher: „ein ausreichender Sicherheitsabstand“). Auch das sei überfällig, so ADFC-Chef Thomasen. „Das gemeinsame Fahren von Auto- und Radverkehr auf der Fahrbahn sollte allerdings die Ausnahme sein“, sagt er. Ziel müssten durchgängige Netze von Radwegen sein, die vom Autoverkehr getrennt seien.

3. An Ampeln soll für Radfahrer der grüne Rechtsabbiegepfeil eingeführt werden. Das sei eine kleine Verbesserung mit eher begrenzter Wirkung, erklärt Dietmar Jäkel vom Offenen Arbeitskreis Mobilität der Herner Grünen. Der Schritt erfordere Sensibilität von beiden Seiten. Auch der Herner ADFC befürwortet den Vorschlag. Michael Thomasen weiß: „In den Niederlanden, Dänemark und Frankreich ist das bereits erfolgreich erprobt worden.

Überholverbot für Autos an Engstellen

4. Radfahrende dürfen nebeneinander fahren (derzeit nur möglich, wenn Autos dadurch nicht behindert werden). Von Michael Thomasen gibt’s dafür: Daumen hoch. Wichtig sei jedoch, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer diese Regeln auch kennen. „Bisher werden Radfahrende auf der Fahrbahn oft angehupt und abgedrängt“, erklärt der ADFC-Vertreter. Auch der Grüne Dietmar Jäkel ist dafür: „Der Freizeitverkehr würde profitieren.“ Er befürchte aber, dass einige Autofahrer wenig Rücksicht nehmen würden. „Das muss mit Aufklärung begleitet werden.“

5. Autos sollen Radfahrende an Engstellen nicht mehr überholen dürfen (dazu soll ein neues Verkehrszeichen eingeführt werden). „Ich stehe voll hinter diesem Vorschlag. Ich bin schon zigmal selbst in solch einer Situation gewesen“, sagt Roberto Genitlini, SPD-Ratsherr und leidenschaftlicher Radler. Die Änderung müsse aber mit einer „deutlichen Sensibilisierung der motorisierten Verkehrsteilnehmer einhergehen“, so Michael Thomasen. Radfahrer würden von diesen häufig als Störfaktor und nicht als gleichberechtigt wahrgenommen.

6. Vor Kreuzungen soll es keine Parkplätze mehr geben. „Kreuzungen sollten mit einem Abstand von zehn Metern - statt fünf Metern - von parkenden Fahrzeugen frei gehalten werden, um freie Sicht zwischen Rad- und Autoverkehr zu ermöglichen“, erklärt ADFC-Mann Thomasen. So sei es auch in den Niederlanden.

Grüne fordern Einrichtung von Fahrradzonen

7. Radfahrende sollen mehr Einbahnstraßen in Gegenrichtung nutzen können. Ein „kleiner, aber richtiger Schritt“, so der ADFC-Vorsitzende. In Herne gebe es einige Einbahnstraßen, die bereits in Gegenrichtung genutzt werden könnten - wie zum Beispiel an der Schulstraße in Herne-Mitte. Die Liste ließe sich aber sicherlich noch erweitern. Das sieht SPD-Umweltpolitiker Roberto Gentilini ähnlich.

8. Einrichtung von Fahrradzonen. „Fahrradzonen in Herne wären ein deutlicher Komfortgewinn und ein klares Bekenntnis zur ernsthaften Förderung des Radverkehrs“, sagt Dietmar Jäkel. Bisher gebe es nur Autozonen. Die Stadt solle aktiv werden: Mit der Einrichtung von Fahrradzonen in Innenstädten und Stadtteilzentren würde Herne ein Signal für eine notwendige Haltungsänderung gegenüber dem Radverkehr setzen.

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