Einjähriger Test

Radeln in der Wanner Fußgängerzone: Herne zieht erste Bilanz

Die Fußgängerzone in Wanne ist oft gut besucht. Funktioniert es, wenn auch Radfahrer auf der Hauptstraße fahren? Das wollen die Piraten wissen.

Die Fußgängerzone in Wanne ist oft gut besucht. Funktioniert es, wenn auch Radfahrer auf der Hauptstraße fahren? Das wollen die Piraten wissen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Herne.  Radfahrer dürfen nun tagsüber in der Wanner Fußgängerzone radeln. Die Stadt zog eine erste Bilanz – mit Zahlen über Beschwerden und Unfällen.

In der Wanner Fußgängerzone dürfen Fahrradfahrer seit kurzem auch tagsüber radeln. Läuft das Miteinander von Fußgängern und Fahrradfahrern problemlos? Die Piraten in der Bezirksvertretung Wanne meinen: nein. Auf dem Hauptstraße, so die Partei, komme es immer wieder zu Problemen. Die Sicht der Stadt ist eine andere. Sie präsentierte Zahlen.

Zum Hintergrund: Fahrradfahrer dürfen seit 10. Juli – zunächst auf ein Jahr begrenzt – auch am Tag in der Wanner Fußgängerzone Fahrrad fahren. Das Ganze ist ein Testlauf, um zu prüfen, ob das Radfahren dort dauerhaft freigegeben werden soll. Angestoßen hatte das die Politik: In einem gemeinsamen Antrag schlugen SPD und CDU vor, die Hauptstraße für den Test ganztägig für Fahrradfahrer zu öffnen; bisher durfte nur zwischen 19 Uhr am Abend und 10 Uhr am Morgen in der Wanner Fußgängerzone geradelt werden – wie auch auf dem Herner Boulevard. Ob das funktioniert, sollen externe Gutachter bis zum Sommer 2020 überprüfen.

Piraten: Radfahrer fahren zu schnell

Die Piraten haben das Thema für die Sitzung der Bezirksvertretung Wanne auf die Tagesordnung setzen lassen. Denn: Auf der Hauptstraße, so Günter Nierstenhöfer, gebe es immer wieder Probleme – weil Radfahrer zu schnell fahren, aber auch, weil Fußgänger – ohne sich umzusehen – die Fahrbahn querten. Von der Stadt wollte er deshalb wissen: Wie sieht die Verwaltung das Ganze?

Offenbar gut. Die bisherigen Erfahrungen könnten positiv bewertet werden, sagte Norbert Gresch am Dienstagnachmittag in der Sitzung. Zusammenstöße zwischen Fußgängern und Radfahrern seien nicht beobachtet worden. Und: Bislang lägen lediglich drei Beschwerden vor, so der städtische Mitarbeiter; Einzelheiten nannte er nicht. Wichtig: Das beauftragte Expertenbüro habe einen Zwischenbericht für die kommende Woche angekündigt. Ein detaillierter Bericht könne der Politik deshalb erst in der kommenden Sitzung vorgelegt werden.

500 Fahrradfahrer wurden gezählt

Immerhin: Die für den Testlauf eingesetzte Videobeobachtung habe bislang knapp 1600 „Interaktionen“ zwischen Fußgängern und Radfahrern ausgewertet. Die Videobilder hätten zwischen 9 und 20 Uhr 500 Fahrradfahrer gezählt. Ein Ergebnis: Die Zahl der Menschen, die ihre Räder schieben, hat laut Gresch im Schnitt um 25 Prozent abgenommen. „Dennoch gibt es auch nach der Öffnung eine große Anzahl von Personen, die ihr Fahrrad schieben“, betonte er. Auffällig auch: Wenn viele Fußgänger unterwegs seien, passten sich die Radfahrer oft an die Geschwindigkeiten der Fußgänger an.

Im Mittel, berichtete Norbert Gresch, überholten die Radfahrer die Fußgänger mit einem Abstand von 1,3 Metern. Zur Einordnung: Bei einem Abstand von unter einem halben Meter fühle sich der Fußgänger bedroht. Nur bis zu drei Prozent der Radfahrer seien so dicht aufgefahren. Bislang seien fünf Beinahe-Zusammenstöße in einer Voruntersuchung und elf in einer Nachuntersuchung aufgezeichnet worden. „Dies stellt einen sehr geringen prozentualen Anteil an den gesamten Interaktionen dar“, betonte Gresch.

Stadt: Weitere Hinweisschilder nicht zielführend

Piraten-Mann Nierstenhöfer wollte von der Stadt auch wissen, ob nicht Hinweisschilder auf der Hauptstraße angebracht werden könnten, die auf ein rücksichtsvolles Miteinander aufmerksam machen. Das wäre durchaus möglich, sagte Verwaltungsmitarbeiter Gresch. Aus Sicht des begleitenden Büros und der Verwaltung erscheine das aber „weder erforderlich noch zielführend“. Denn: Die Erprobung werde durch Aktionstage begleitet und soll über den gesamten Betrachtungszeitraum einen „Normalzustand“ abbilden. „Dies beinhaltet auch, dass sich Gewöhnungseffekte und Nachlässigkeiten im Realbetrieb einstellen können, die im Ergebnis später zu bewerten sind.“

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