Soziales

Psychosoziale Beratungsstelle der Caritas berät bei Ängsten

Judith Brinkmann, Daniela Engelbracht und Natalia Keller (v.li.) sind das Beraterinnen-Team der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Caritas in Herne.

Judith Brinkmann, Daniela Engelbracht und Natalia Keller (v.li.) sind das Beraterinnen-Team der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Caritas in Herne.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   Der Caritasverband Herne hat eine neue Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle eröffnet. Bürger in Problemlagen erhalten erste Orientierung.

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Ein wenig orientierungslos steht eine junge Frau kurz vor dem Treppenabgang im Foyer. „Gibt es hier auch einen anderen Weg nach unten?“, fragt sie. „Leider nicht“, antwortet Judith Brinkmann, die ihr gegenübersteht. An den Aufzug hätten sie leider noch nicht gedacht, erläutert Brinkmann. Der komme bald. Eine Begleiterin an der Seite der jungen Frau erklärt, dass sie Höhenangst habe. Sie werde mir ihr zusammen die Treppen heruntergehen.

Soziale Probleme überdecken die Erkrankung

Für Menschen mit ähnlichen Ängsten will die neue Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle des Caritasverbandes Herne eine Anlaufstelle sein. Die Sozialpädagogin Judith Brinkmann leitet das Beratungszentrum „Perspektive Leben“ in der Castroper Straße 66, das am Freitag eröffnet hat. Es wird aus Fördermitteln von der Aktion Mensch finanziert. Gestartet ist das Projekt am 1. Juli 2018, bis zum 30. Juni 2021 sind die Gelder sichergestellt, so Leiterin Judith Brinkmann.

Psychosoziale Problemlagen können sich in Angstzuständen äußern oder auch in Depressionen oder Antriebslosigkeit. Oft sei den Betroffenen nicht klar, dass sie an einer solchen Erkrankung leiden – denn in solchen Situationen überdecken soziale Problemlagen die eigentliche Erkrankung, sagt Brinkmann.

Symptome können Angst sein, aus dem Haus zu gehen, den Gang zum Amt anzutreten oder Rückzug aus dem sozialen Leben. „Freunde und Familie können solche Verhaltensweisen oft nicht deuten. Den Betroffenen selbst ist es in der Regel auch nicht klar“, so die Sozialpädagogin.

Typisches Symptom: Briefe über Wochen nicht öffnen

Briefe nicht öffnen und wochenlang in der Schublade verstauen, das sei ebenfalls ein typisches Phänomen, ergänzt Daniela Engelbracht aus dem Beraterteam. „Das kann sich zu weiteren Problemen spinnen, wenn dann zum Beispiel Fristen verpasst werden.“

In solchen Fällen ist es hilfreich, wenn das Umfeld der Betroffenen aufmerksam ist und sie dazu motiviert, Beratung anzunehmen. Wichtig sei es das Thema nicht zu tabuisieren und sich dafür zu schämen, so Brinkmann.

Die Beraterinnen können im Gespräch Hilfestellung bieten und Ansätze zu weiterem Handeln entwickeln. „Es kann nur erster Klärungsbedarf sein. Oder man schaut, ob eine weitere medizinische oder therapeutische Behandlung sinnvoll ist“, so Engelbracht.

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