Konzert und Lesung

Projekt „Herne in love“ sucht Briefe, Bilder und mehr

Verliebt? Das frisch vermählte Ehepaar Novazyz 1912.

Verliebt? Das frisch vermählte Ehepaar Novazyz 1912.

Foto: Stadt Herne, Fachbereich Presse

Herne.   Das „Hohelied“ aus der Bibel ist Ausgangspunkt eines musikalisch-literarischen Abends in der Kreuzkirche. Bild und Wort sind noch willkommen.

Was wäre mehr besungen und bedichtet worden als die Liebe, was beglückt, entzückt und schmerzt zugleich? Ein weites Feld haben sich die Schauspieler Till Beckmann und Jennifer Ewert vorgenommen für ihr Projekt „Herne in love“, das am 27. September uraufgeführt werden soll. Partner sind Kreiskantor Wolfgang Flunkert, seine Band und der Chor der Kreuzkirche sowie der Videokünstler Patrick Praschma.

Das „Hohelied“ aus der Bibel als Ausgangspunkt

Gerüst des Abends ist das „Hohelied“ aus der Bibel, eine Sammlung von etwa 30 Liebesliedern aus dem Alten Testament, die durch ihren Metaphernreichtum bekannt geworden sind („Deine Augen sind wie Tauben hinter deinem Schleier. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen.“) „Der Text hat uns sehr fasziniert“, sagt Till Beckmann.

Ausgehend von den poetisch-erotischen Versen des „Liedes der Lieder“, die schon Künstler aller Art inspiriert haben, will der Abend aber auch nach Erfahrungen und Schätzen der Herner und Hernerinnen fragen. „Wir haben schon tolle Zeugnisse aus dem Stadtarchiv“, sagt Till Beckmann, „freuen uns aber auch über Fotos, Mails, Sprachnachrichten, eingescannte Briefe oder Postkarten.“

So hat etwa Ilse Born die Feldpostkarten zur Verfügung gestellt, die die Familie 1915 erreichten („Liebes Kind, Sende dir hiermit die Ansicht vom königl. Schauspielhaus verbunden mit den besten Grüßen und innigen Küssen. Dein Vater“). Der Videokünstler Patrick Praschma wird aus den hoffentlich zahlreich eingehenden Dokumenten eine Filmcollage machen, die Teil der Show sein wird.

Nicht nur die romantische Liebe steht im Fokus

Im Fokus stehe aber nicht nur die romantische Liebe zwischen Mann und Frau, erklärt Jennifer Ewert. „Wir wollen das aufbrechen. Wofür brenne ich? Das kann auch ein Verein sein oder ein Ort.“ Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die Liebe zum Haustier, sogar die Liebe zum Führer, die in Dokumenten aus dem Dritten Reich oft zitiert wird: Das alles kann in dem literarisch-musikalischen Programm eine Rolle spielen. „Wir wollen herausbekommen, ob das Wesen der Liebe die Sehnsucht danach ist“, erklärt Beckmann.

Unterstützung von der Stadt Herne

Unterstützer haben die Initiatoren bei der Stadt gefunden. Jürgen Hagen, der Leiter des Stadtarchivs, habe schon einen ganzen Wagen mit Material zusammengestellt, u.a. mit Briefen und Feldpost. Auch der Herner Historiker Ralf Piorr aus dem Heimatmuseum ist als Berater eingebunden.

Mit Wolfgang Flunkert haben Beckmann und Ewert schon bei der Märchen-Orgelnacht in der Kreuzkirche zusammen gearbeitet. Er wird mit einer Band - Schlagzeug, E-Gitarre, Bass und Gesang - und dem Chor der Kreuzkirche seinen Part zum etwa zweistündigen Programm beitragen, der Konzert, Lesung und visuelle Collage miteinander verbinden will.

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