Weihnachtskirmes

Pläne für die Weihnachtskirmes stoßen auch auf Widerstand

Die Weihnachtskirmes am Alexanderplatz in Berlin lockt Tausende Besucher. Pläne für den Cranger Kirmesplatz stoßen auch auf Vorbehalte - gerade bei den unmittelbaren Anwohnern.

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Die Weihnachtskirmes am Alexanderplatz in Berlin lockt Tausende Besucher. Pläne für den Cranger Kirmesplatz stoßen auch auf Vorbehalte - gerade bei den unmittelbaren Anwohnern.

Die Pläne für die Weihnachtskirmes stoßen bei einigen WAZ-Lesern und bei den unmittelbaren Anwohnern auf Widerstand. Das sind die Argumente.

Wird es künftig auf dem Cranger Kirmesplatz von Mitte November bis Silvester eine Weihnachtskirmes geben? Kaum ein Thema ist in den vergangenen Jahren in der Bevölkerung so intensiv diskutiert worden wie die Pläne des Schaustellers Sebastian Küchenmeister. Vor der heutigen Entscheidung im Immobilienausschuss erreichten uns weitere Leserreaktionen und -briefe, die wir hier dokumentieren. Und: Anders als auf der Veranstaltung von SPD und CDU melden sich gegenüber der Redaktion vor allem Bürger zu Wort, die die Weihnachtskirmes ablehnen.

Der Minderheit eine Stimme

WAZ-Leser Jürgen Sperling bricht eine Lanze für die Anwohner: Diese seien schon einmal überrumpelt worden, als der zusätzliche Donnerstag bei der Kirmes eingeführt worden sei. „Gerade dieser Minderheit muss nun eine Stimme gegeben werden“, schreibt er. Herne habe auch ohne eine Weihnachtskirmes Strahlkraft, etwa durch die Cranger Kirmes, den Mondpalast und den Gysenbergpark. „Also sollten sich doch die Verantwortlichen um Infrastruktur, Kitas, Schulen und Straßen kümmern“, so Sperling. Das Chaos rund um die Cranger Kirmes sei schon groß genug. Also: „Hände weg von der Weihnachtskirmes“, so Sperling.

Fehlt der Weitblick?

Hans-Jürgen Baranowski plädiert dagegen für die Weihnachtskirmes. Die Cranger Kirmes sei aus Herne nicht wegzudenken, doch leider liege das „so hervorragend hergerichtete und geeignete Areal“ an 354 Tagen im Jahr brach. „Der Platz wartet auf eine angemessene und niveauvolle Nutzung“, erklärt der WAZ-Leser aus Eickel.

Auf Crange solle an 47 Tagen „in der Vorweihnachtszeit emotions- und stilvoll mit viel Licht und Wärme unsere christliche Kultur all denen dargeboten werden, die sich dem öffnen möchten.“ Aber auch andere Menschen würden sich „diesem winter-weihnachtlichen Zauber nicht zwangsläufig entziehen“. Ein solches Angebot eines „jungen, dynamischen und mutigen Unternehmers“ dürften die offiziellen Gremien nicht ablehnen. „Oder fehlt hier der Weitblick?“, fragt der WAZ-Leser.

Die Verantwortlichen würden Mittel und Wege finden, den Geräuschpegel niedrig zu halten. Außerdem verblieben immer noch 307 Tage, an denen die Cranger Anwohner den herrlichen Platz für ihre Freizeitaktivitäten und als Hundewiese nutzen könnten. Politiker und Veranstalter hätten keinerlei Zweifel aufkommen lassen, dass sie die berichtigen Interessen aller Bürger vertreten könnten, erklärt Hans-Jürgen Baranowski.

Dreck, Rummel und Verkehr

Gegen eine Weihnachtskirmes sprechen sich auch die beiden Leserbriefschreiber Klaus Batkowski und Martin Tobor aus. Batkowski erinnert wie Sperling an die heftigen Diskussionen über die Verlängerung der Kirmes um einen Tag: „Jetzt müssen die Anwohner fünf Wochen den Rummel, Verkehr und Dreck aushalten. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie das gut überstehen.“ Tobor spannt den Bogen noch weiter und verweist auf die Debatten um die Suez-Erweiterung an der Südstraße oder Parkplatzprobleme an Krankenhäusern und fragt sich, „wer die (berechtigten) Interessen der Anwohner berücksichtigt. Ich finde, weder die CDU noch die SPD.“

>> ANWOHNER ÄRGERN SICH ÜBER POLITIKER

Kurz vor der Abstimmung im Immobilienausschuss übt Ralf Kotbusch harsche Kritik am Vorgehen der Politik.

Der 50-jährige Anwohner hatte im Vorfeld der Informationsveranstaltung Unterschriften gesammelt. Das Ergebnis: Die Anlieger der Straßen Altcrange und An der Cranger Kirche haben sich nahezu geschlossen gegen eine Weihnachtskirmes ausgesprochen. „Eine zusätzliche erhebliche Belastung der Cranger Bevölkerung durch eine weitere über einen Monat andauernde Großveranstaltung empfinden wir als unzumutbar“, heißt es in einem Schreiben an die Rats- und Bezirksvertretungsmitglieder sowie an den OB und den Bezirksbürgermeister.

Doch die Politik habe bislang nicht das Gespräch mit den Anwohnern gesucht. Auch habe man sich nicht mit den Argumenten der Anwohner auseinandergesetzt. Kotbusch verweist auf einen Brief, den er dem SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden Udo Sobieski geschrieben hat. Darin beschreibt Kotbusch, dass die Lärmbelästigung durch die Cranger Kirmes mindestens drei Wochen vor Beginn einsetze und erst eine Woche nach dem Ende aufhöre. Hinzu kämen Belastungen durch Zirkus, Trödelmarkt und Schlagerfestival - und durch Lkw-Fahrer, die unweit der Häuser ihre Notdurft verrichten. Der Anwohner äußerte außerdem seine Befürchtung, dass bei einer rechtlichen Auseinandersetzung wegen der Weihnachtskirmes die Traditionsveranstaltung Cranger Kirmes Schaden nimmt. Worüber sich Ralf Kotbusch ärgert: Dass der SPD-Fraktionsvorsitzende in seiner Antwort nicht auf seine Argumente eingegangen sei, sondern lediglich darauf hingewiesen habe, dass der angedachte Wintermarkt nur auf einem kleinen Areal stattfinde und die Belästigungen für die Anwohner nicht mit denen der Cranger Kirmes vergleichbar seien.

Dieses Verhalten fördert aus Kotbuschs Sicht die Politikverdrossenheit. Dass es keinen Versuch der inhaltlichen Auseinandersetzung gegeben habe, hinterlasse bei den Anwohnern das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Ein runder Tisch, wie er bei der Informationsveranstaltung angekündigt wurde, macht aus Kotbuschs Sicht keinen Sinn mehr. Es lohne sich nicht zu diskutieren, wenn Tatsachen geschaffen worden seien.

>> FDP KRITISIERT VORSCHLAG DER STADT

Die FDP kritisiert den Vorschlag der Stadtverwaltung, Schausteller Sebastian Küchenmeister für die Cranger Weihnachtskirmes nur einen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr zu geben. Das sei nicht nachvollziehbar, so FDP-Chef Thomas Bloch. „Herr Küchenmeister hat nachvollziehbar dargestellt, dass er für die geplanten Investitionen Planungssicherheit braucht. Dies ist aus unserer Sicht verständlich. Der Rest ist sein persönliches unternehmerisches Risiko.“ Die FDP unterstütze weiterhin die Pläne Küchenmeisters, auch wenn sie für eine „anwohnerfreundliche Lösung“ plädiere. „Es kann nicht sein, dass wir jemanden, der etwas in Herne bewegen will, im Prinzip abwimmeln.“ Das sei das falsche Signal. Es müsse eine Lösung geben, die für alle Seiten zufriedenstellend sei. Bloch: „Der Vorschlag der Stadt ist es definitiv nicht.“

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