Umweltschutz

Pater Hermann Borg ist in Afrika der Vater der Bäume

Pater Hermann Borg spielt auf einer afrikanischen Trommel.

Pater Hermann Borg spielt auf einer afrikanischen Trommel.

Foto: WAZ FotoPool

Herne.   Der Franziskaner-Pater Hermann Borg ist zurzeit auf Heimatbesuch in Herne. Normalerweise lebt er in Kenia und setzt sich dort im Mother Earth Netzwerk aktiv für den Erhalt der Natur ein. Im Netzwerk arbeiten Christen, Hindus und Moslems Seite an Seite. Ihr Ziel: Der Waldbestand soll wachsen.

Blickt Pater Hermann Borg aus dem Fenster, sieht er den Garten. Ein paar kleine Bäume stehen dort, die meisten Blätter haben sie bereits verloren. Der katholische Geistliche, der am 21. Dezember 70 wird, ist zu Besuch in dem Haus in Börnig, das einst seinem Vater gehörte und in dem heute sein Schwager wohnt. Drei Monate bleibt der Franziskaner in Deutschland. Normalerweise lebt er in Afrika. Genauer: in Nairobi, der Hauptstadt Kenias.

Bäume spielen in seinem Leben fernab der Heimat eine große Rolle. Die Kenianer nennen ihn Baba Miti, den Vater der Bäume. „Wir haben zwischen 1985 und ‘97 eine Million Peppertrees und Eukalyptus gepflanzt“, sagt er. Die Bäume hätten das Klima verändert, es gebe mehr Wasser, mehr Regen, weniger Stürme. „Für die Menschen bedeutet das: bessere Ernten und ein besseres Leben“, erklärt Pater Hermann.

Netzwerk vereint alle Religionen

Wo nun neue Bäume wachsen, sei früher alles bewaldet gewesen. Die Leute hätten den Wald gerodet, um Grasland für ihre Viehherden zu schaffen. „Plötzlich lagen Felsen frei, der Regen hat alles abgespült“, erinnert sich Pater Hermann. „Wie die Welt im Argen liegt, ist katastrophal, da helfen nur Großaktionen.“

Um genau solche Großaktionen in Angriff zu nehmen, hat Pater Hermann mit anderen Geistlichen das Netzwerk Mother Earth Network (M-E-Net) gegründet. Ihnen geht es darum, die Schöpfung Gottes zu retten. Das Netzwerk vereint Christen, Muslime und Hindus. M-E-Net will in den kommenden 20 Jahren fünf Milliarden Bäume pflanzen – über die Grenzen Kenias hinaus.

Nach Uganda, Tansania, Sambia, Nairobi, Südafrika, Äthiopien, Madagaskar und Malawi habe Pater Hermann schon seine Fühler ausgestreckt. Um zwölf Prozent soll der Waldbestand wachsen. 2,5 Milliarden Euro würde das Projekt kosten. Der Umweltaktivist hofft auf private Spender, Umweltpreise und Unterstützung aus öffentlicher Hand.

Nur alle drei Jahre macht der katholische Geistliche aus Herne Urlaub. Dann besucht er alte Freunde und Klassentreffen. Er reist in franziskanische Ordenshäuser und dorthin, wo er einmal gewirkt hat, wie zuletzt ins sauerländische Werl. Regelmäßig telefoniert er trotzdem mit den Leuten in Afrika oder beantwortet E-Mails.

30 Jahre ist es her, dass Pater Hermann Deutschland den Rücken kehrte. „Wir hatten damals schon Missionen in Brasilien und Japan. Dann kam es zu einer Öffnung nach Afrika. Das hat mich inspiriert.“ Heute kann er sich nicht nur auf Kisuaheli, der zweiten Amtssprache Kenias, unterhalten, sondern fühlt sich in dem Land zu Hause: „Ich bin Kenianer.“

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