Prozess

Nigerianerin wurde zum Anschaffen nach Herne geschleust

Schauplatz des Prozesses: das Justizzentrum von Bochum.

Schauplatz des Prozesses: das Justizzentrum von Bochum.

Foto: Ingo Otto

Bochum/Herne.   Sie musste in einem Bordell arbeiten, wurde ausgebeutet. Vor Gericht schilderte ein Angeklagter, wie er eine Nigerianerin nach Herne schleuste.

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Von Nigeria über Libyen, Italien und Österreich bis zur Kastanienallee nach Herne: Im „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel und Ausbeutung in zwei Herner Bordellen hat der 34-jährige Hauptangeklagte am Dienstag die Schleuser-Route einer späteren Prostituierten nachgezeichnet.

Zuerst aber bezeichnete der Angeklagte die Frau vor dem Bochumer Landgericht wörtlich als „dumm“, außerdem sei sie nach dem Abrasieren aller Haare am Kopf „hässlich“ gewesen. Selbst Perücken hätten die Frau „nicht vernünftig aussehen“ lassen. Völlig die Kontrolle verloren der Angeklagte und ein männlicher Mitangeklagter, als sie danach mehrfach in machohaftes Lachen verfielen.

Frau musste 150 Euro Miete zahlen

Der 34-Jährige hatte kurz zuvor den Richtern über einen Dolmetscher geschildert, dass er selbst der Frau nach ihrer Ankunft in seiner Wohnung an der Kastanienallee habe beibringen müssen, in hochhackigen Schuhen umher zu laufen. Erst danach habe er sie in einen Rotlicht-Club zum Anschaffen gebracht. „Und nachdem sie angefangen hatte, dort zu arbeiten, musste sie natürlich auch 150 Euro Miete bei mir bezahlen“, gab er zu.

Die Einschleusung der Nigerianerin sei über Libyen, das Mittelmeer und Italien abgelaufen, so der Hauptangeklagte weiter. Nach einem Aufenthalt in einem Asylcamp habe er die Frau in Mailand mit falschen Papieren ausgestattet und sie später in Bozen in einen Fernbus gesetzt. Er selbst sei derweil mit dem Flugzeug nach Düsseldorf geflogen. „Ich wollte mit ihr gemeinsam nicht die Gefahr laufen, kontrolliert zu werden“, so der 34-Jährige. Die Frau habe er später in Duisburg abgeholt: „Von dort aus sind wir dann nach Herne gefahren.“ Dass er die Frau in seiner Herner Wohnung mit einem Voodoo-Fluch belegt habe, wie die Nigerianerin bei der Polizei behauptet hatte, wies der Angeklagte zurück: „Ich bin doch kein Voodoo-Priester.“

Bande soll mehr als zehn Frauen eingeschleust haben

Im Prozess sind vier Männer (27, 28, 34 und 42) und zwei Frauen (34 und 35) aus Nigeria angeklagt. Die mutmaßliche Bande sollen mehr als zehn Frauen eingeschleust und gegen ihren Willen an Bordells, darunter auch zwei Rotlicht-Clubs in Herne, vermittelt haben. Laut Staatsanwaltschaft wurden die Frauen vor ihrer Schleusung von einem „Voodoo-Priester“ verflucht. Ein teils mit Tierblut besiegelter Schwur sah vor, das großes Pech über sie hereinbrechen werde, wenn sie nicht als Prostituierte die 25.000 Euro Schleuserkosten abarbeiten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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