Ausbildung

Neues Programm: Berufskolleg will Auszubildende stärken

Sie stellten das neue Trainingsprogramm vor: (v.li.) Anna Maria Engel von der Universität Osnabrück sowie Julia de Waal, Schulleiter Thomas Brechtken und Henk Wiering vom Mulvany Berufskolleg. Foto:Rainer Raffalski

Sie stellten das neue Trainingsprogramm vor: (v.li.) Anna Maria Engel von der Universität Osnabrück sowie Julia de Waal, Schulleiter Thomas Brechtken und Henk Wiering vom Mulvany Berufskolleg. Foto:Rainer Raffalski

Das Mulvany Berufskolleg und die Uni Osnabrück haben ein Trainingsprogramm für Auszubildende erarbeitet. Warum das Projekt nun Schule macht.

Seit 22 Jahren ist Henk Wiering Lehrer am Herner Mulvany Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung. Er weiß: „Die Abbruchquote von Auszubildenden in der Probezeit hat zuletzt zugenommen.“ Mit einem neuen Trainingsprogramm steuert die Schule dagegen. Möglich gemacht wird dies durch ein mit der Universität Osnabrück durchgeführtes Pilotprojekt, in dem vor allem die Widerstandskraft (Resilienz) und das Selbstbild von Auszubildenden gestärkt werden sollen.

Der von Juni bis September 2016 mit 89 Mulvany-Schülern erprobte Test war sehr erfolgreich; von mehr als 90 Prozent der Teilnehmer gab es positive Rückmeldungen. Nach der wissenschaftlichen Auswertung steht fest: Das unter Leitung der Osnabrücker Arbeits- und Organisationspsychologen Anna Maria Engel und Tammo Straatmann sowie am Fachbereich von Prof. Dr. Karsten Müller begleitete Training macht nun in Herne Schule und wird künftig am Mulvany Berufskolleg für alle Schüler im ersten Ausbildungsjahr angeboten. „Wir haben uns die Ergebnisse angeschaut und entschieden, das Projekt dauerhaft umzusetzen“, sagt Schulleiter Thomas Brechtken.

Worum geht es? Vereinfacht gesagt: Die Auszubildenden sollen in dem zweitägigen Trainingsprogramm unter anderem durch Rollenspiele, Übungen und durch die Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen lernen, besser mit belastenden Situationen und Fehlern umzugehen, Stress abzubauen sowie sich erfolgreich berufliche Ziele zu setzen. „Auszubildende haben häufig das Gefühl, der Letzte in der Hackordnung zu sein. Gerade in der Berufseinstiegsphase ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, wie sie belastenden Situationen und Herausforderungen begegnen können und sich selbst wertschätzen“, sagt Engel.

Die ihnen an die Hand gegebenen Werkzeuge nützten nicht nur in der Ausbildung, sondern auch im Alltag. Nicht zuletzt komme das Training natürlich auch den Betrieben zugute. Und die Klassengemeinschaft werde durch dieses Angebot ebenfalls gestärkt, sagt Lehrerin Julia de Waal.

Der Kontakt zwischen Osnabrücker Uni und Herner Berufskolleg ist eher zufällig geknüpft worden: Über den Bekanntenkreis einer Mulvany-Lehrerin erfuhr das Berufskolleg von der Suche nach einer Schule, die das Training testweise in der Praxis umsetzt. „Wir sind stets offen für Neues. Und wir haben hier einen Bedarf gesehen“, sagt Brechtken. Auf eine wissenschaftlich begleitete Testphase im ersten Halbjahr folgte nun die Ausweitung des Projekts mit der Unterstützung von Mulvany-Lehrkräften.

280 Berufsschüler nehmen teil

Bei den Lehrkräften sei er damit auf offene Ohren gestoßen. Auf die zwölf Plätze für die dreitägige Fortbildung in Osnabrück hätten sich 25 Lehrer gemeldet. Seit Ende September führen die geschulten Pädagogen das Training zur Stärkung der Widerstandskraft regulär für die rund 280 Ausbildungsanfänger in 15 Klassen durch.

Ohne die Teilnahme an dem Pilotprojekt hätten sie diese professionellen Strukturen nicht schaffen können, sagt Brechtken. Auch diese Phase wird durch die Universität Osnabrück wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

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