Stadtgeschichte

Neuer Bildband zeigt Foto-Schätze aus dem alten Herne

Der eingefrorene Liegehafen der Zeche Friedrich der Große im Winter 1954/55.

Foto: Bildarchiv der Stadt Herne

Der eingefrorene Liegehafen der Zeche Friedrich der Große im Winter 1954/55. Foto: Bildarchiv der Stadt Herne

Herne.  170 Fotos aus dem alten Herne präsentieren Ralf Piorr und Thomas Schmidt in einem Bildband. Die Initialzündung erfolgte im Keller des Rathauses.

Ralf Piorr und Thomas Schmidt haben einen Schatz gehoben. Gefunden haben die beiden Stadtmitarbeiter ihn vor zweieinhalb Jahren in einem hölzernen Rollcontainer, der im alten Bildarchiv im Keller des Herner Rathauses stand. Inhalt: über 600 Papierumschläge mit gefalteten Pergaminhüllen, in denen sich Schwarz-Weiß-Negative von 1955 bis 1965 befanden. „Die Idee für ein Buch war schnell geboren“, erklären Historiker Ralf Piorr und Fotograf Thomas Schmidt. Die Umsetzung dauerte dafür etwas länger. Der Band „Herne 50 I 80 Fotografie“ kommt am 1. April in den Buchhandel - „zum 120. Geburtstag von Herne“, so Piorr.

Die beiden Herausgeber dokumentieren nicht nur die alten Schätze aus dem Rathaus-Keller, sondern ergänzen sie durch zahlreiche Fotos aus privaten Nachlässen. In einem „zeitfressenden Trip“ hätten sie sich durch einen „unüberschaubar wirkenden Fundus von zahllosen Negativstreifen“ gearbeitet, berichten Piorr und Schmidt im Vorwort ihres Buches.

Die Aufnahmen entstanden zwischen 1950 und 1980

Aus rund 10 000 gesichteten Fotos sind letztlich 170 Aufnahmen ausgewählt worden, die zwischen 1950 und 1980 ausschließlich in Alt-Herne entstanden sind. Es handele sich vor allem um Auftragsarbeiten mit einem klaren Verwendungszweck, so Piorr – zur Darstellung der Stadtentwicklung, als konkrete Planungsvorlagen für Ämter und Gremien, zu Werbe- und Schulungszwecken, bisweilen auch als dokumentarische Straßenfotografie und nicht zuletzt für die Veröffentlichung in Zeitungen.

„Aus diesem Konvolut haben wir als Kuratoren eine Auswahl getroffen und dabei nach starken Einzelbildern gesucht, nach Fotografien, die uns als Beobachter treffen – in ihrer Ästhetik, in der Geschichte, die sie erzählen, und in ihren manchmal versteckten, aber im Effekt bestechenden Details“, betonen Piorr und Schmidt. Die Fotos sollten die Stadt und ihre Menschen widerspiegeln.

Anderes Verständnis von Herne vermitteln

Sie wollten ein anderes Verständnis von Herne vermitteln und dabei auch Schattenseiten des Lebens im nördlichen Ruhrgebiet nicht ausklammern. Sie hätten ganz bewusst auf Fotos verzichtet, die die altbekannten Stereotypen und Klischees bedienten, so Piorr.

Im Layout seien die Einzelbilder aus ihrem Entstehungskontext gelöst worden, damit sie mit ihrer künstlerischen und dokumentarischen Relevanz wiederentdeckt werden könnten. Mit viel Raum ausgestattet, entfalteten die in der Chronologie ihrer Entstehung dokumentierten Fotos eine ganz andere Wirkung - „und einen künstlerischen Wert“, sagt Piorr.

Neun Fotokünstler fanden Eingang in den Band: Rolf Baumann, Robert Grabski, Horst Guth, Günter Jendrny, Richard Kopitzko, Peter Monschau, Gerd Peters, Christian Stiebling sowie Anton Tripp. Ergänzt wird die Zusammenstellung durch Bilder einzelner Fotografen.

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