Konzert

Neue Philharmonie Westfalen mit „Egmont“ im Herner Kuz

Die Neue Philharmonie Westfalen spielte im Kulturzentrum unter der Überschrift "Himmelhoch jauchzend…".

Die Neue Philharmonie Westfalen spielte im Kulturzentrum unter der Überschrift "Himmelhoch jauchzend…".

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Vor kleinem Kreis trat jetzt die Neue Philharmonie Westfalen im Kulturzentrum Herne auf. Prominenter „Egmont“ war Dominique Horwitz.

Das Goethe-Zitat „Himmelhoch jauchzend …“ war das Motto des ersten Konzertes der Neuen Philharmonie Westfalen unter Leitung von Rasmus Baumann im Kulturzentrum nach der Corona-Pause. Zusammen mit Sopranistin Dorin Rahardja, Trägerin des Gelsenkirchener Theaterpreises, und dem aus Film und TV bekannten Schauspieler Dominique Horwitz als Sprecher stellte sie Ludwig van Beethovens (1770-1827) Schauspielmusik „Egmont“ op. 84 und die 2. Sinfonie von Robert Schumann (1810-1856) vor etwa 55 Besuchern vor, die mit großen Sicherheitsabständen im Saal verteilt saßen.

Texte aus Goethes Drama eingebunden

Den dramatischen Charakter der Schauspielmusik „Egmont“ unterstreicht die Neue Philharmonie Westfalen durch die Einbindung von Texten aus dem gleichnamigen Drama Goethes. Gegen die gleich zu Beginn des Werkes thematisierte politische Gewalt regt sich Widerstand: „Die Trommeln gerühret“ singt Dorin Rahardja mit ihrer frischen, glockenklaren Sopranstimme, die federnde Elastizität des Orchesterklanges betont diese Aufbruchstimmung.

Die dramatischen Entwicklungsprozesse dieser Schauspielmusik und ihre lautmalerischen Stimmungsbilder hebt die Neue Philharmonie Westfalen in einer facettenreichen, sehr lebendigen Interpretation hervor. Durch den vollen Orchesterklang funkeln helle Blitze, die Holzbläser setzen hier markante Klangfarbenakzente. Immer wieder drängen dunkle Klänge wie düster-drohende Fanale auch unter heiteren Themen hervor, ein privates Idyll ist in dieser Welt ständig bedroht und letzten Endes nicht möglich. Diese Erregung spiegelt sich auch in der Stimme von Dominique Horwitz, in der die Enttäuschung und Verzweiflung des freimütigen Egmont lebendig werden, der seine Offenheit mit dem Tod vergolten sieht.

Ausdrucksvolles Spiel

Doch die bedrohliche Atmosphäre des Werkes mündet in eine jubilierende Coda, die Freiheit triumphiert über den Tod hinaus. In verhaltenen und doch vollen Klängen entfaltet die Neue Philharmonie Westfalen die unterschwellige Spannung in der Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61 von Robert Schumann, die sich schnell in eine wachsende Erregung steigert. Die Themen fallen sich ins Wort, überstürzen sich geradezu in diesem ungemein ausdrucksvollen und klaren, dabei sehr präzise konturierten Spiel, in dem nichts verschleift. Ruhemomente sind fragil, fiebrige Hektik bestimmt das Klangbild, das in einem machtvoll flutenden Thema ausklingt.

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