Umwelt

Neue Initiative sagt Suez-Anlage in Herne-Süd den Kampf an

Gastgeberin Ingrid Reckmeier (stehend) begrüßte im Haus der Natur die Teilnehmer der Gründungsversammlung der neuen Bürgerinitiative. Foto:Ralph  Bodemer

Gastgeberin Ingrid Reckmeier (stehend) begrüßte im Haus der Natur die Teilnehmer der Gründungsversammlung der neuen Bürgerinitiative. Foto:Ralph Bodemer

herne.   Der Widerstand gegen die Erweiterung der Verbrennungsanlage Suez wächst. Wie eine neue Bürgerinitiative gegen die Firma mobil machen will.

„Wahnsinn! Unglaublich!“ Das sagte Gastgeberin Ingrid Reckmeier (BUND) am Mittwochabend im Haus der Natur an der Vinckestraße angesichts der Resonanz: 46 Bürger waren der Einladung zur Gründung der Initiative „Dicke Luft“ gefolgt. Sie wollen gemeinsam gegen eine Erweiterung der umstrittenen Verbrennungsanlage der Firma Suez an der Südstraße kämpfen und weitere Mitstreiter ins Boot holen. Langfristiges Ziel ist sogar eine komplette Schließung der „thermischen Bodenaufbrereitungsanlage“, so die offizielle Bezeichnung des Werks.

Die Vorwürfe

Suez brüste sich damit, ein Heilsbringer für die Umwelt zu sein, sagte BUND-Mitglied Astrid Bick. In Wirklichkeit stelle die Verbrennungsanlage eine große Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung dar - und das, obwohl die Kranheits- und Krebsrate in Herne schon jetzt eine der höchsten sei. „Die tricksen“, sagte Reckmeier. Das Unternehmen nutze so gut wie jede Lücke für Ausnahmegenehmigungen und niedrigere Umweltstandards aus - zum Beispiel beim Ausstoß von Stickoxid. Durch die nun beantragte Erweiterung – es wäre die 22. – würden die Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden erneut zunehmen. Auch die Gefahr von Störfällen bzw. Unfällen würde erheblich steigen. Und: Zusätzliche Belastungen könnten durch die Behandlung von giftigen Bohrschlämmen aus Niedersachsen entstehen.

Die Teilnehmer

Eine illustre Runde fand sich unter dem Dach des Hauses der Natur ein. Es nahmen teil: Anwohner von Suez, umweltbewegte Bürger, Mitglieder der Parteien Linke, Grüne, Piraten und Alternative Liste (AL) sowie Vertreter der MLPD-nahen Organisationen Frauenverband Courage und Umweltgewerkschaft. Und auch Stefan Fleischmann von der früheren Bürgerinitiative gegen Geruchsbelästigung durch die Firma Kost an der Bochumer Stadtgrenze kam zur Gründung der neuen BI. Der Versammlungsleiter Norbert Ingler – ein pensionierter Schulleiter und ehemaliger Haranni-Lehrer – betonte ausdrücklich die Überparteilichkeit der Initiative.

Die Sprecher

Zu Sprechern der neuen Bürgerinitiative wurde die parteilose Stadtverordnete Klaudia Scholz (sie sitzt für die Linke im Rat), Astrid Bick sowie Suez-Anwohner Gerhard Kalus gewählt. Außerdem wurde ein Koordinierungskreis gebildet, der Aktivitäten vorbereiten soll. So ist unter anderem für Januar eine öffentliche Veranstaltung geplant.

Der Appell

Bernd Schroeder, Fraktions-Chef von Piraten-AL im Rat, und Linke-Chef Daniel Kleibömer appellierten an alle BI-Mitglieder, öffentlich nicht mit unbewiesenen Behauptungen zu argumentieren – zum Beispiel beim Thema „radioaktive Gefährdungen“. Damit setze man sich der Gefahr aus, unseriös zu sein, so Schroeder.

Infos über die neue Bürgeriniitative und die Vorwürfe gegen das Unternehmen Suez im Internet auf: www.dickeluft-herne.de

>> INFO: Entscheidung erst Anfang 2018

Voraussichtlich Anfang 2018 fällt eine Entscheidung über den Antrag der Firma Suez-Remediation auf Erweiterung des Standorts an der Südstraße in Herne-Süd. Das berichtet Christoph Söbbeler, Sprecher der für die Genehmigung zuständigen Bezirksregierung Arnsberg, am Donnerstag auf Anfrage der WAZ.

Es fehlten noch einige „allerletzte Unterlagen“, die für die Entscheidung aber zwingend erforderlich seien, so der Behördensprecher.

Die neue Bürgerinitiative setzt darauf, dass im Falle eines positiven Bescheids Umweltverbände ihr Klagerecht wahrnehmen.

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