Medizin

Nach Reanimation in der Ukraine: Mann in Herne gerettet

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Dr. Dominic Mühlberger (l.), Prof. Nina Babel und Prof. Dr. Timm Westhoff gemeinsam mit dem Patienten aus der Ukraine während der Dialyse.

Dr. Dominic Mühlberger (l.), Prof. Nina Babel und Prof. Dr. Timm Westhoff gemeinsam mit dem Patienten aus der Ukraine während der Dialyse.

Foto: Martin Leclaire LECLAIRE PHOTOGR / Marien Hospital

Herne.  Ein ukrainischer Dialyse-Patient ist im Marien Hospital Herne behandelt worden. Zuvor musste er eine dramatische Situation überstehen.

Ein Dialyse-Patient aus der ukrainischen Stadt Odessa hat im Marien Hospital Herne neue Shunt-Zugänge erhalten. Zuvor musste er eine dramatische Situation überstehen.

Der 62-Jährige sei bereits in seiner Heimat dialysepflichtig gewesen, teilt das Marien Hospital mit. Nachdem sich sein Zustand so verschlechtert habe, dass er reanimiert werden musste, sei er mit einem Rettungswagen rund 2500 Kilometer bis nach Herne gebracht worden.

Dort hätten ihn Experten aus mehreren Fachrichtungen gemeinsam behandelt. Seine Nieren arbeiteten nicht mehr richtig, mit der Dialyse werde sein Blut mehrmals in der Woche von giftigen Stoffen gereinigt. „Damit hierfür nicht regelmäßig Blutgefäße neu angestochen werden müssen, erhalten Patienten einen mehrfach nutzbaren Zugang, einen sogenannten Shunt“, erklärt Dr. Dominic Mühlberger, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. „Dieser konnte bei dem Patienten nicht mehr genutzt werden, als er im Marien Hospital bewusstlos ankam.“

36-stündige Fahrt im Rettungswagen von Odessa nach Herne

Die Probleme bei der Dialyse - verbunden mit seiner Herzschwäche - hätten in Odessa zu einem Herzstillstand geführt. Er habe reanimiert werden können und sei gemeinsam mit seiner Ehefrau von einem Arzt und zwei Pflegekräften in einer 36-stündigen Fahrt in einem Rettungswagen nach Herne gebracht worden.

„Über eine Freundin in der Ukraine erfuhr ich von der kritischen Situation“, berichtet Prof. Nina Babel, Leiterin des Centrums für Translationale Medizin mit Schwerpunkt Immunologie. Gemeinsam mit Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I, habe die gebürtige Ukrainerin entschieden, den Patienten nach Herne zu holen. Bevor die lebenswichtige Dialyse wieder begonnen werden konnte, habe der Patient auf der Intensivstation stabilisiert werden müssen. Erst nach einer Woche habe ein neuer Shunt operativ angelegt werden können.

Patient wird weiter in Deutschland behandelt

„Innerhalb einer Operation haben wir direkt drei Eingriffe durchgeführt“, erklärt Dr. Dominic Mühlberger. „Wir haben einen neuen Shunt am rechten Arm des Patienten gelegt, über diesen kann zukünftig die Dialyse erfolgen. Da es aber einige Wochen dauert, bis dieser Shunt funktionsbereit ist, haben wir einen provisorischen Katheter am Hals gelegt, über den die Dialyse übergangsweise für mehrere Wochen durchgeführt werden kann. Abschließend haben wir noch einen großen Bluterguss am linken Arm des Patienten entfernt. An dieser Stelle lag vermutlich der vorherige Shunt, der nicht mehr genutzt werden konnte.“

Nach der erfolgreichen Operation werde der Patient zukünftig weiter in Deutschland mit einer ambulanten Dialyse betreut. Gemeinsam mit seiner Frau wohne er jetzt im Ruhrgebiet. Sobald es die gesundheitliche Situation und die Lage vor Ort wieder zulasse, möchten die beiden in ihre Heimat zurückkehren.

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