Einbrecher

Mit welchen Mitteln man Einbrechern einen Riegel vorschiebt

Einbrecher versuchen gerne, durch Fenster in Wohnungen zu gelangen.

Einbrecher versuchen gerne, durch Fenster in Wohnungen zu gelangen.

Foto: dpa

Mehr als 3000 Wohnungseinbrüche gab es 2015 im Bereich des Polizeipräsidiums Bochum, zu dem Herne zählt. Doch es gibt Mittel zur Vorbeugung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

TWE - diese Abkürzung steht für Tageswohnungseinbruch. Deren Zahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2015 wurde allein im Bereich des Polizeipräsidiums Bochum, zu dem Herne zählt, die Marke von 3000 Einbrüchen geknackt. Viele Menschen sind verunsichert. Diese Verunsicherung spiegelt sich wider in einer steigenden Nachfrage nach dem passenden Schutz. In dieser Hinsicht gibt es inzwischen unterschiedliche technische Möglichkeiten.

„Wir machen Ihre Wohnung oder Ihre Firma zu einer Festung“, steht auf der Visitenkarte von Rolf Bassy - und im Gespräch mit der WAZ-Redaktion macht er deutlich, dass er diesem Anspruch mit seinem Unternehmen Roba-Sicherheitstechnik auch gerecht werden kann. Bassy: „Ich registriere seit etwa drei Jahren einen spürbar erhöhten Bedarf im Privatbereich.“

Bassy unterscheidet bei der Vorbeugung. Im mechanischen Bereich spielen Schlösser eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Einbrechern. Mittlerweile gebe es Schließzylinder, die sich nicht mehr aufbohren lassen - weil es gar keinen Schlüssel mehr gibt. Stattdessen hat der Wohnungsinhaber einen Funkchip an seinem Schlüsselbund, auf dem die persönlichen Daten gespeichert sind. Werden diese vom Schloss akzeptiert, öffnet sich die Tür. „Dieses System ist auch für ältere Menschen geeignet, die Mühe haben, den Schlüssel ins Schloss zu stecken“, so Bassy. Fenstergriffe könne man ebenfalls mit Schlössern ausstatten. Effekt: Einbrecher schlagen die Scheibe ein, um an den Fenstergriff zu kommen. Merken sie, dass er verschlossen ist, dürften sie wohl verduften. Die ganze Scheibe einzuschlagen sei zu laut und berge eine Verletzungsgefahr. Eine Einschätzung, die Kriminalhauptkommissar Johann Holecek teilt.

Zu den vorbeugenden Maßnahmen zählen auch Bewegungsmelder. Waren sie früher eher unsicher, weil sie eventuell schon bei Tieren auslösten, so hat sich dies gewandelt. Die Melder könnten anhand der Menge an Infrarotwärme erkennen, ob es sich um Menschen oder Tiere handelt, so Bassy.

Als abschreckende Maßnahme empfiehlt er, genauso wie Jan Füssel und Kay Diekötter, eine sehr laute Sirene. Das sei ein Signal an den Täter: „Du bist erkannt.“

Auch Diekötter und Füssel, Inhaber der ETM Service GmbH, spüren eine anziehende Nachfrage nach Mitteln zur Abwehr von Einbrechern. Neben einem lauten könne man einen stillen Alarm auslösen lassen, der an ein Sicherheitsunternehmen - oder auf das eigene Smartphone geht. Das Smartphone könne für die eigene Sicherheit umfassend genutzt werden, berichten alle drei Experten. Kameras in den Bewegungsmeldern könnten die Bilder aufs Smartphone schicken, so hat man im Falle eines Falles ein Fahndungsfoto. Es gebe eine Reihe von Apps.

Der Vorteil: Umrüstungen in der Wohnung könnten ohne das Verlegen von neuen Leitungen passieren, was sicher auch für Mieter interessant ist. Teil dieser Umrüstung könnte auch ein Panikschalter sein. Drückt man ihn, geht in der ganzen Wohnungen oder im ganzen Haus das Licht an. Das könnte einen Einbrecher vertreiben.

Die Täter kommen zum allergrößten Teil am Tag

Kriminalhauptkommissar Johann Holecek bohrt seit Jahrzehnten ein dickes Brett - gegen die Gutgläubigkeit der Menschen. Weil sie die Tür oder das Fenster nicht abschließen, weil sie mal eben für fünf Minuten weg sind. Doch fünf Minuten können einem Täter schon reichen.

Holecek kennt nach all den Jahren ein Täterprofil. Die Einbrecher kämen zum überwältigenden Teil tagsüber, wenn die Menschen nicht zu Hause sind. Deshalb mieden sie die Nacht und die Sonntage: „Sie wollen keine Konfrontation mit dem Wohnungsinhaber.“ Deshalb rät er, eine Anwesenheit vorzutäuschen - mit einer Zeitschaltuhr, die die Rollade bewegt oder mit gedämpfter Musik. „Einbrecher horchen erst mal an der Tür“, weiß Holecek.

Verabschiede man sich in den Urlaub, solle ein Nachbar den Briefkasten leeren. Überquillende Kästen seien Hinweise auf Abwesenheit. Darüber hinaus gibt es weitere Tipps: Fenster und Türen immer abschließen, Schlüssel niemals außerhalb der Wohnung deponieren; auf fremde Personen auf dem Grundstück achten, auf Personen achten, die ältere Menschen besuchen. Alles Klassiker - doch wie gesagt: Johann Holecek bohrt ein dickes Brett.

Vorsicht bei der Wahl eines Schlüsseldienstes

Haben Einbrecher bei ihrer Tat das Haus- oder Wohnungsschloss zerstört, muss ein Schlüsseldienst anrücken. Doch bei der Wahl sei Vorsicht geboten, so Veronika Zoller, Leiterin der Verbraucherzentrale in Herne. „Viele gewerbliche Türöffner nutzen die Notlage mit überhöhten Preisen und Geldforderungen bar auf die Hand aus.“

Ihre Tipps: Schlüsseldienst in der Nähe an­rufen; immer nach der genauen Anschrift der Firma und einem ver­bindlichen Festpreis fragen; Rechnung nur dann vollständig bezahlen, wenn die Arbeiten korrekt ausgeführt wurden und jede Position einzeln aufgeführt und ver­einbart worden ist. Bei verbalem Druck die Polizei rufen.

Die Hausratversicherung kommt für Ersatz von Gegenständen auf

Wenn Diebe auf Beutezug gegangen sind, kommt die Hausratversicherung für den Ersatz von Möbeln, Fernsehern oder gestohlener Kleidung auf. Allerdings sind Versicherung und Polizei umgehend zu informieren und alle gestohlenen Gegenstände detailliert aufzulisten. Durch den Abschluss einer Hausratversicherung ist der komplette Hausrat von Möbeln über Kleidung bis hin zu Elektrogeräten abgesichert. Wenn die Langfinger Bücher, Teppiche oder Ge­schirr mitgenommen haben, gibt’s vom Versicherer Ersatz. Die Versicherung gilt auch, wenn Gegenstände aus Garage oder Keller, also etwa Rasen­mäher oder Werkzeuge zur Beute zählen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >