Zuwanderung

Minister Schmeltzer lobt gute Beispiele für Integration

Diskussion bei Flottmann: (v.l.) Rainer Schmeltzer, Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann, Moderatorin Katja Leistenschneider und Hernes Sozialdezernent Johannes Chudziak.

Diskussion bei Flottmann: (v.l.) Rainer Schmeltzer, Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann, Moderatorin Katja Leistenschneider und Hernes Sozialdezernent Johannes Chudziak.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Für die Integration von Flüchtlingen engagieren sich viele Menschen mit guten Ideen. Aber: Es hakt auch noch. Das zeigte eine Konferenz in Herne.

Wie gut funktioniert die Integration von Flüchtlingen? Wie schnell lernen sie Deutsch, wie schnell finden sie Arbeit? Das war Thema einer Regionalveranstaltung zur Landesaktion „NRW. Das machen wir!“ in den Flottmann-Hallen. Arbeits- und Integrationsminister Rainer Schmeltzer hob dabei die Vielzahl der Initiativen hervor, die sich um eine Integration von Flüchtlingen kümmern. „Es gibt viele tolle Sachen, wir sind richtig gut aufgestellt in NRW“, lobte er. Das wollten nicht alle Gäste widerspruchslos hinnehmen.

Es ist die Arbeitsmarktregion Mittleres Ruhrgebiet mit Bochum, Herne, Hattingen und Witten, die der Minister Mittwochabend besuchte. Ziel der Veranstaltungen im Rahmen der Landesaktion „NRW. Das machen wir!“ ist es, Aktivitäten und Akteure rund um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt der Region sichtbar zu machen und gleichzeitig zu würdigen. Bei Flottmann gab es dazu Talkrunden mit Vertretern der beteiligten Kommunen sowie von Verbänden, Vereinen und Institutionen aus den Städten. Umrahmt wurde die Veranstaltung musikalisch, etwa durch den syrischen Musiker Serbaz Jajan.

Städte sollen gute Ideen übernehmen

Nach Meinung von Minister Schmeltzer zeigten die Menschen selbst, wie Integration funktioniere. Im Land sei zu oft von Problemen die Rede, schaue man sich aber die vielen Initiativen an, werde deutlich, „wie kreativ die Menschen und Institutionen sind“. Er rief die Besucher dazu auf, gute Ideen zu übernehmen: „Darauf gibt es kein Copyright.“ So erhielten die Flüchtlinge die Chance, sich in Deutschland zurechtzufinden und zu integrieren.

Ein Beispiel für gute Ideen, das bei Flottmann vorgestellt wurde: der „Help-Kiosk“ in Witten, ein ehemaliger Kiosk am Rathaus, der zur Anlaufstation von Flüchtlingen geworden ist. Ehrenamtliche organisieren dort Deutschkurse, Hausaufgabenhilfen oder Möbeltransporte. Oder sie beraten Flüchtlinge, etwa wenn sie von Drückern Zeitschriften-Abos aufgeschwatzt bekommen, berichtete Mitarbeiterin Lilo Dannert aus dem Alltag.

Kommunen wollen mehr Geld

Trotz aller positiven Beispiele: Dass es weiterhin Probleme gibt bei der Integration, das verschwiegen Podiums-Gäste keinesfalls. Beispiel: die Flüchtlingskosten. Hernes Sozialdezernent Johannes Chudziak, aber auch Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann kritisierten etwa, dass die Städte trotz aller Zuschüsse noch immer einen gewichtigen Teil der Flüchtlingskosten selber tragen müssten. Das habe massive Folgen für die Kommunen. Wittens Bürgermeisterin appellierte deshalb, mehr Geld an die Städte zu überweisen – „egal ob von Bund oder Land“. Minister Schmelzer verwies auf die Millionen aus dem so genannten Stärkungspakt, die Düsseldorf bereits gezahlt habe, um die Städte aus den Schulden zu holen. Weiter verschulden dürfe sich das Land nicht.

Auch an anderen Stellen hake es, wurde bei Flottmann deutlich. So werfe die Kommunikation zwischen Agentur für Arbeit und Job-Center Probleme auf, arbeitswillige Flüchtlinge fühlten sich ausgebremst, weil sie nicht arbeiten dürften, auf der anderen Seite rutschten bislang nur wenige Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Der Arbeit- und Integrationsminister bekannte: Es werde noch dauern, bis die Flüchtlinge die deutsche Sprache beherrschten, bis sie auf die Arbeitswelt vorbereitet seien und dann in die Arbeitswelt kämen. Er ist aber letztlich sicher: Ob der vielen guten Beispiele könne die Integration zur Erfolgsstory werden.

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