Beschwerden

Mieter in Herner Reihenhaus-Siedlung sind sauer auf Vivawest

Viele Briefwechsel mit Vivawest haben die Mieter in Baukau gesammelt. Im Bild v.l. Thorsten Stachowski, Roland Labinski, Daniela Wumm, Alexandra Pusch, Anja Jencek und Marion Szczesny.

Viele Briefwechsel mit Vivawest haben die Mieter in Baukau gesammelt. Im Bild v.l. Thorsten Stachowski, Roland Labinski, Daniela Wumm, Alexandra Pusch, Anja Jencek und Marion Szczesny.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   Mieter in einer Reihenhaus-Siedlung in Herne-Baukau sind sauer auf das Wohnungsunternehmen Vivawest. Die Liste der Beschwerden ist lang.

Sandkästen für die Kinder in unmittelbarer Nähe, grüne Hecken auf den Grundstücken: Geradezu idyllisch mutet die Szenerie in der Schloss-Strünkede-Straße in Baukau an. Doch bei einigen Mietern ist, vorsichtig gesagt, die Stimmung getrübt und das schon seit längerer Zeit. Mit dem Eigentümer der Häuser, dem Wohnungsunternehmen Vivawest, liegen sie im Clinch.

Zankapfel Nummer eins sind besagte Spielplätze „und auch die Wege und weitere Freiflächen in der Siedlung hier“, sagt Mieterin Daniela Wunn. Vivawest stelle ihr, so die 46-Jährige, beginnend mit 2016 pro Jahr für die Pflege der Anlagen rund 150 Euro in Rechnung. Dadurch verteuere sich die Nebenkostenabrechnung. Von ähnlichen Beträgen berichten auch Marion Szczesny, Roland Labinski, Thorsten Stachowski, Alexandra Pusch und Anja Jencek.

Mieter: Unternehmen beruft sich auf Verträge

Das Unternehmen habe mitgeteilt, dass für die Pflege der „frei zugänglichen Grünanlagen“ eine entsprechende Umlage veranschlagt werde. Als Arbeiten nenne Vivawest unter anderem Rasenschnitt, Spielplatzkontrolle und Sandwechsel. Zudem berufe sich das Unternehmen, so die Nachbarn, auf die jeweiligen Mietverträge. In den Jahren vor 2016 habe Vivawest nach eigener Darstellung auf die Erhebung verzichtet, weil sich die Siedlung noch in der Bauphase befunden habe.

Die Nachbarn haben sich bereits an den Mieterschutz gewandt und dort die Antwort erhalten, dass laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 10. Februar 2016 öffentlich genutzte Flächen nicht in die Nebenkosten einbezogen werden dürfen. Einige Mieter hätten sich daraufhin geweigert, den entsprechenden Kostenfaktor zu zahlen, andere wollten überhaupt keine Nebenkosten erstatten. Vivawest habe mit rechtlichen Schritten und Kündigungen gedroht, so die Mieter, die darauf einlenkten, einige allerdings „unter Vorbehalt“.

Streit auch wegen Heckenpflege

Auf Anfrage der WAZ hieß es aus der Pressestelle des Unternehmens, „werde das Wohnumfeld der Schloss-Strünkede-Str. 11a bis 51 als ein Siedlungsbereich angesehen, „dementsprechend werden die Pflegekosten hier auch gemeinschaftlich mit allen Mietern dieser Häuser abgerechnet, unabhängig davon, ob die Mieter in einem Ein- oder Mehrfamilienhaus wohnen“.

Nicht grün sind sich Mieter und Vivawest als Streitpunkt Nummer zwei auch wegen der Heckenpflege. „Wer eine Hecke hat, der schneidet sie selbst“, sagt Roland Labinski und erhält Zustimmung aus der Gruppe. Trotzdem werde man für die Heckenpflege zur Kasse gebeten. Nach Angaben von Vivawest ist ein Dienstleister beauftragt, die Einfassung zu schneiden. Das geschehe zwei Mal pro Jahr.

Die Nachbarn erklären, dass das nicht der Fall sei. Ohne ihre Arbeit würden die Hecken immer weiter wuchern. Für einen der Betroffenen hat der Zwist ohnehin skurrile Züge. Er müsse auch zahlen, obwohl er gar keine Hecke habe. In der Antwort auf die Anfrage der Redaktion erklärt Vivawest, dass das Unternehmen bereit sei, über die strittigen Punkte zu sprechen.

Vorwurf: Es mangelt an Kommunikation

Genau hier sehen die Anwohner einen weiteren Punkt, der Frust hervorruft: Nach Meinung der Mieter mangele es in der Kommunikation. Alle, die zusammengekommen sind, berichten von Beispielen, in denen beispielsweise eingereichte Unterlagen nicht die zuständige Stelle bei Vivawest erreicht hätten, Anfragen seien zudem unbeantwortet geblieben.

Das treffe, wie die Mieter erläutern, auch auf die vierte Beschwerde zu. Bereits vor fünf Jahren habe das Unternehmen den Mietpreis um rund 15 Euro pro Monat angehoben, weil Kosten für Kabel- und Satellitenempfang dazugekommen seien. So habe es Vivawest seinerzeit erläutert. Nun heiße es, ab Januar werde eine, aus Sicht der Mieter weitere, Antennen- und Kabelgebühr von 150 Euro pro Jahr erhoben.

Vivawest: Auch Einzelfallprüfung möglich

Auf Anfrage erklärt die Wohnungsbaufirma, dass der Anbieter die bisherige TV-Versorgung auf den neuesten Stand der Technik gebracht habe. Pro Anschluss „fallen aktuell Kosten in Höhe von 13 Euro an, die über die Betriebskosten abgerechnet werden“. Aufgrund eines „Großabnehmerrabatts“ könne man „Preise anbieten, die deutlich unter den Einzelabnehmerpreisen liegen“. Man könne aber auch eine Einzelfallprüfung vornehmen.

Ein offenes Gespräch und Austausch über die Probleme wünschen sich die Mieter, wie sie bekunden, seit Jahren. Der Slogan des Unternehmens laute doch: „Wohnen, wo das Herz schlägt“.

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