Politgeflüster

Leider geil: Wie sich Herner Politiker dem Wahlvolk zeigen

In Anlehnung an Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“: Hernes SPD-Chef Alexander Vogt präsentiert auf TikTok das Kommunalwahlergebnis.

In Anlehnung an Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“: Hernes SPD-Chef Alexander Vogt präsentiert auf TikTok das Kommunalwahlergebnis.

Foto: TikTok

Herne.  Ein SPD-Chef aus Herne bei TikTok, ein CDU-Fraktionschef bei Facebook und ein Bürgermeister im Fernsehen – unsere Politkolumne „Politgeflüster“.

Auch Lokalpolitiker aus Herne tummeln längst nicht mehr „nur“ in ihren Ortsvereinen. Sie sind bei Facebook, TikTok – oder gleich im Fernsehen. Eine kleine Programmübersicht.

Dribbelnder Landtagsabgeordneter

Dass sich Politiker heutzutage in den sozialen Netzwerken austoben, ist selbstverständlich. Man könnte auch sagen: Politiker, die nicht bei Facebook, Instagram & Co. zu Hause sind, haben den Anschluss verpasst. An TikTok, dem nervigen Videoportal für die Lippensynchronisation von Musikvideos und anderem filmischen Unsinn, trauen sich die Politiker aber noch nicht heran. Nicht so Alexander Vogt, SPD-Chef in Herne und SPD-Landtagsabgeordneter: Der 41-Jährige produziert auf TikTok recht witzige Beiträge, mit denen er bei der Generation Z, der Zielgruppe des Netzwerks, Themen setzt. Da dribbelt Vogt mit dem Fußball zum Lied „Eye of the Tiger“ (Survivor) über eine Wiese oder spaziert gestikulierend zu „Sales“ (Renee) über eine Halde. Dabei transportiert der medienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion seine politischen Forderungen, darunter eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, erklärt Begrifflichkeiten wie „Hammelsprung“ oder informiert über die Maskenpflicht in Schulen. Ach ja: Auch die Lippen kann Vogt synchron bewegen – so zum Lied „Leider geil“ von Deichkind. Vogt bei TikTok – das ist, nun ja, „leider geil“.

Jüngster Fraktionsvorsitzender

Apropos soziale Medien und Politiker. Bei Facebook hat Jascha Hoppe (CDU) nun bekannt gegeben, dass er nach seinem Einzug in die Bezirksvertretung Eickel dort auch direkt zum Fraktionschef gewählt wurde. „Ich vertrete somit als vermutlich jüngster Fraktionsvorsitzender in der Geschichte meiner Stadt in den kommenden Jahren die CDU“, schreibt der 21-Jährige dazu. Zu sehen ist Hoppe, der gerade eine Blitzkarriere von der Schüler Union in die „große“ CDU hinlegt, bei Facebook aber wenig altersgemäß. Statt im Hoodie präsentiert er sich seriös im schwarzen Anzug und Hemd. Auf TikTok sucht man ihn übrigens (noch) vergebens. Vorschlag für ein entsprechendes Video: Der leidenschaftliche Hobby-Schiedsrichter Hoppe tanzt in seiner Kluft im Westfalia-Stadion, bewegt zur Vereinshymne („Für Alt und Jung mit Leidenschaft, Multi-Kulti wie’s keiner schafft“) synchron die Lippen – und zeigt den anderen Parteien dann die rote Karte.

Umtriebiger Bürgermeister

„Leider geil“ sind auch die Ideen und Aktivitäten des SPD-Urgesteins Erich Leichner (unvergessen: seine Arschbombe zur Eröffnung des neuen Wananas). Mit seiner Frau Livia tritt der umtriebige Bürgermeister (69) diesmal in der Quiz-Sendung „Kaum zu glauben“ mit Kai Pflaume auf. Hintergrund ist das ehemalige Livia-Leichner-Stadion: Vor über einem Jahr wurde das Fußballstadion der Sportfreunde Wanne an der Wilhelmstraße in Livia-Leichner-Stadion umbenannt – in „dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion“. Der erste Bürgermeister hatte von den Sportfreunden die Namensrechte für das Stadion gekauft und den Stadionnamen seiner Frau Livia zum 60. Geburtstag für die Dauer eines Jahres geschenkt. Das Ganze ist nun – für den guten Zweck – Thema bei Kai Pflaume. Ursprünglich sollte die vor Monaten aufgezeichnete Sendung im Juli ausgestrahlt werden, wurde aber kurzerhand verschoben. Hoffentlich bleibt’s beim neuen Termin am Samstag, 31. Oktober, 20.15 Uhr (NDR). Wenige Stunden später ist er kein Bürgermeister mehr – Ende Oktober ist Schicht im Schacht für Leichner: Anfang November, wenn der neue Rat erstmals zusammentritt, wird sein Nachfolger gewählt.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben