Caritas

„Leben vor Pflege“: Senioren ziehen in Demenz-WG in Herne

Frank Militzer, Vorstand der Wohnstätten Wanne-Eickel, OB Frank Dudda, Schwester Veronika Walter und Ansgar Montag, Vorstand des Caritasverbandes Herne, eröffnen offiziell die Seniorenwohngemeinschaft im Albert-Schweitzer-Carré.

Frank Militzer, Vorstand der Wohnstätten Wanne-Eickel, OB Frank Dudda, Schwester Veronika Walter und Ansgar Montag, Vorstand des Caritasverbandes Herne, eröffnen offiziell die Seniorenwohngemeinschaft im Albert-Schweitzer-Carré.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Herne.  Im Albert-Schweitzer-Carré in Röhlinghausen eröffnen zwei Wohngemeinschaften mit dem Schwerpunkt Demenz. Die Nachfrage nach einem Platz ist groß.

„Leben vor Pflege“ – das ist die Leitidee der zwei Seniorenwohngemeinschaften im neu errichteten Albert-Schweitzer-Carré in Röhlinghausen. Insgesamt 20 Senioren mit Demenz finden in den beiden Wohngemeinschaften (WG) an der Fritz-Reuter-Straße ein neues Zuhause.

Die Idee für die WGs sei schon vor einigen Jahren entstanden, erklärt Ansgar Montag, Vorstand des Caritasverbandes Herne, der die Betreuung übernimmt. „Wir wollten für Menschen mit Demenz etwas zwischen einem stationären Aufenthalt und dem Leben in den eigenen vier Wänden schaffen.“

Besonders wichtig sei es für diese Menschen, in einem engen Umfeld und einer familiären Atmosphäre zu leben, sagt Schwester Veronika Walter, die die Seniorenwohngemeinschaften leitet. „Das ist hier wie eine große Familie“, sagt sie. „Allerdings machen wir auch immer wieder klar, dass es kein Hotel ist – wir geben lediglich die Strukturen vor.“ So würden die WG-Mitglieder gemeinsam mit den Betreuern kochen und das Leben – so gut es eben geht – selbstständig bewältigen.

Neue WG-Mitglieder werden gemeinsam ausgesucht

Alle Bewohner hätten ihre eigenen Zimmer, die sich von der Größe her nicht unterscheiden. Allerdings sei das für die meisten Senioren sowieso nicht wichtig. „Unsere Erfahrung zeigt, dass viele von ihnen die Gemeinschaft suchen und den Großteil der Zeit im Wohnzimmer oder in der Küche verbringen“, sagt Montag.

Das Gefühl der Gemeinschaft sei besonders wichtig, sagt Walter. So würden neue WG-Mitglieder gemeinsam ausgesucht und es werde geschaut, ob es passt. „Wie in jeder anderen WG auch“, ergänzt Montag.

Wenn die Bewohner erst einmal in der Gemeinschaft lebten, dürften sie bis zu ihrem Lebensende dort bleiben. „Die anderen Bewohner begleiten sie bis zum Schluss“, so Walter. Diese Erfahrung habe sie bereits im Stadthaus in Herne-Mitte gemacht. Auch dort gibt es zwei solcher Wohngemeinschaften.

Die beiden WGs mit jeweils zehn Plätzen im Albert-Schweitzer-Carré sind separiert von einander, „trotzdem haben die Bewohner jederzeit die Möglichkeit, Kontakt zu den anderen Nachbarn aufzubauen.“ Dafür stehe beispielsweise der Garten hinter dem Haus zur Verfügung.

Betreuer in den Wohngemeinschaften nehmen Kinderrolle ein

Gerade für die Angehörigen sei es wichtig zu wissen, dass ihre Eltern oder Verwandten in guten Händen seien, so Walter. Denn sie wisse, dass viele berufstätig seien und dadurch manchmal zu wenig Zeit für ausreichende Zuwendung bliebe.

Unterstützt werden die Bewohner von zehn Betreuern pro Wohnung. „Wir sind in dem Moment die engsten Bezugspersonen – für manche unserer Bewohner nehmen wir häufig auch die Kinderrolle ein“, sagt Walter.

Wer einen Platz für seine Angehörigen bekomme, müsse wissen, dass er damit direkt eine Großfamilie dazu buche, sagt die Schwester lachend. Sieben der 20 Plätze seien bereits belegt. Die Nachfrage sei schon jetzt sehr groß. „Ich denke, dass wir Ende des Jahres voll sein werden“, sagt Walter. Die Kosten für einen solchen Platz orientierten sich an den Kosten einer stationären Einrichtung, erklärt Montag. 2500 Euro koste ein Platz, darin enthalten seien die Miete, Nebenkosten, Haushaltsgeld und Betreuungspauschale. Bei wem die Rente dafür nicht reiche, helfe die Stadt aus. „Das soll kein Hindernis sein, um in die WGs zu ziehen“, betont er.

Für Oberbürgermeister Frank Dudda ist die Einrichtung „eine echte Aufwertung für das Quartier“. Es sei wichtig zu zeigen, dass Menschen mit Demenz ebenfalls wertvoll seien und jeder die Chance auf ein langes Leben verdient habe, so der OB.

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