Sparkassen-Forum

Lammert begeistert 1000 Gäste im Herner Kulturzentrum

Über Europa, Globalisierung und vieles mehr sprach Bundestagspräsident Norbert Lammert beim 23. Forum der Herner Sparkasse im Kulturzentrum.

Über Europa, Globalisierung und vieles mehr sprach Bundestagspräsident Norbert Lammert beim 23. Forum der Herner Sparkasse im Kulturzentrum.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Norbert Lammert lockte beim Sparkassen-Forum 1000 Gäste ins Kuz. Der Bundestagspräsident machte in seiner Rede einen verblüffenden Vorschlag.

Findet die nächste Bundespräsidentenwahl im Kulturzentrum statt? Diese Idee hat Bundestagspräsident Norbert Lammert am Freitagabend beim Herner Forum der Sparkasse entwickelt. Er werde seinem Nachfolger das Kuz nahe legen, falls das Reichstagsgebäude bei der Bundesversammlung im Jahr 2021 - wie derzeit befürchtet wird - zu klein werden sollte, so der launige Vorschlag des 68-jährigen zweiten Mannes im Staat.

Für das Jubiläums-Forum - die Herner Sparkasse wird 150 - erwies sich das Kuz als würdiger und angesichts der riesigen Nachfrage auch als passender Rahmen. Um die rund 1000 geladenen Gäste im Kuz-Saal unterzubringen, hatte das Kreditinstitut die hintere Wand des Saals hochfahren und die Stuhlreihen bis ins Foyer verlängern lassen.

Stehende Ovationen am Ende der Rede

Der zuletzt mehrfach für seine Reden gefeierte Bundestagspräsident enttäuschte die hohen Erwartungen offenbar nicht: Nach Lammerts gut einstündigem Vortrag über „Deutschland und Europa. Herausforderungen in Zeiten der Globalisierung“ gab es von Teilen des Publikums stehende Ovationen.

Wie schon vor drei Wochen Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an selber Stelle, hielt der Bochumer ein leidenschaftliches Plädoyer für Europas Einheit. Drei aktuelle Baustellen führte er dabei an: die Wahl Donald Trumps, den Brexit und die von Erdogan angestrebte Verfassungsänderung in der Türkei. Diese Ereignisse würden Europa und Deutschland nachhaltig verändern, so Lammert. Seine zentrale Botschaft: Nicht in Nationalstaaten, sondern nur gemeinsam könnten diese Herausforderungen und die künftigen Folgen der unabwendbaren Globalisierung bewältigt werden.

Zwei „Putschversuche“ in der Türkei

An deutlichen Worten ließ Lammert es nicht fehlen. Donald Trump bezeichnete er als „wandelndes Kontrastprogramm“ zur US-Verfassung. Mit Inhalten der Regierungserklärung der britischen Premierministerin Theresa May könnte man „den gesamten Abend im Kuz“ verderben, so der Christdemokrat. Und der Türkei bescheinigte er gleich zwei Staatsstreiche: einen Putschversuch des türkischen Militärs gegen die demokratisch gewählte Regierung und einen Putschversuch der demokratisch gewählten Regierung gegen die türkische Verfassung: „Das macht mich fassungslos.“

So scharf und meinungsstark Lammert im Kuz politische Krisen analysierte oder gegen Volksentscheide argumentierte, so beliebig gerieten bisweilen seine Ausführungen über Veränderungen durch die Globalisierung sowie Ausflüge in die Geschichte.

Ganz am Ende hatte Lammert aber wieder die Lacher auf seiner Seite: Bevor die Besucher ans Büfett strömten, überreichte Hernes Sparkassen-Chef Hans-Jürgen Mulski dem Ehrengast auf der Bühne als Geschenk eine Flasche Wein. „Rot gefärbt, wie es sich im Ruhrgebiet gehört“, so Mulskis Kommentar, der vereinzelte Buhrufe zur Folge hatte. Lammerts Konter: „Sie können sich sicher sein: Ich werde auch mit Roten fertig.“

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Zum 23. Mal hatte die Sparkasse zum Herner Forum eingeladen. Erster Referent war 1994 der frühere NRW-Wissenschaftsminister Reimut Jochimsen.

Hochkarätige Gäste trugen sich seitdem in die Rednerliste ein - von Ex-WDR-Intendant Friedrich Nowotny (1997) über den ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (2000), Raumfahrer Ulf Merbold (2001) und Bundespräsident a.D. Roman Herzog (2002) bis hin zu Philosoph Richard David Precht (2010).

2012 fiel die Veranstaltung aus, weil der bereits von der Sparkasse verpflichtete Joachim Gauck für die Wahl des Bundespräsidenten nominiert worden war, die in zeitlicher Nähe zum Forums-Termin stattfand. Das gleiche „Schicksal“ hätte die Sparkasse auch 2017 ereilen können, wenn Norbert Lammert - wie von vielen gewünscht - zur Bundespräsidentenwahl angetreten wäre.

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