Flottmann-Hallen

Lackballett in Herne: Wilder Tanz mit bunten Tüchern

Das Theater der Klänge aus Düsseldorf führte das „Lackballett" in den Flottmann-Hallen auf.

Das Theater der Klänge aus Düsseldorf führte das „Lackballett" in den Flottmann-Hallen auf.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Herne.  In Herne ist das Lackballett nach Oskar Schlemmer aufgeführt worden. Im Mittelpunkt standen in den Flottmann-Hallen bunte Tücher und wilder Tanz.

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Im Jahr 1941 schreibt Oskar Schlemmer in einem Brief an seine Frau vom passablen Erfolg seines Lackballetts bei Gästen und Kritikern. Der Brief ist eine der wenigen erhaltenen Aufzeichnungen des Künstlers, der das Logo des Bauhauses entwarf, über dieses Werk. Zum 100-jährigen Jubiläum der in Weimar gegründeten Kunstschule nimmt das Düsseldorfer Theater der Klänge die Herausforderung an und bringt das Stück nach seiner Uraufführung erstmalig zurück auf die Bühne. Am Freitag war es in den Flottmann-Hallen zu sehen.

Wie füllt man einen ganzen Abend mit lediglich dreieinhalb Minuten Tanz in bunten Kostümen? Das fragt Regisseur Jörg Lensing zu Beginn in die annähernd ausverkauften Besucherreihen und eröffnet so einen Blick in den Entstehungsprozess des Lackballetts.

Die Lösung findet sich in Oskar Schlemmers Idee von Kunst selbst, die im Idealfall aus sich heraus entstehe müsse, so wie seine mit Lack bestrichenen Leinwände, die er bei Wind und Wetter der Witterung aussetzte. Die Leinwand ist hier Projektionsfläche, die Lacke sind bunte Tücher, die im mal zärtlich, mal im wilden Tanz, gleich der Unberechenbarkeit der Natur, umhergeschwungen werden.

Bunte Lichter beginnen zu pulsieren

Eine Kamera nimmt die Bewegungen auf, und ein Computer interpretiert den Input als Gemälde. Die Farbpalette lehnt sich an Schlemmers Bilder an. So tritt durch den schwarzen Vorhang roter Samtstoff hervor, glatt an den Beinen der Tänzerin angelegt, an der Brust in ihren Fäusten gefasst. Sachte schwebt sie über die Bühne und lässt den Stoff zu ihren Füßen herabgleiten, zieht ihn vorüber an fünf weiteren Tüchern.

Auf der Leinwand beginnen, bunte Lichter zu pulsieren, durchzogen von einem immerwährenden Fluss aus Rot. Die Stoffe schlagen immer stärkere Wellen in einem chaotischen Durcheinander, das auch die Ohren der Zuschauer wie ein Sturm trifft. Lichter blitzen auf, als schaue man direkt in die Sonne. Das Ensemble malt dann im Rausch der eigenen Bewegungen eine Reihe von Bildern, gehüllt in immer bunter werdenden Farben und unterschiedlichster Stofflichkeit und erklärt die Kunst als unausrottbare Eigenschaft der Menschlichkeit.

Klänge eines metallenen Pianos

Für einen Moment leben die Bilder und atmen durch ihre Erschaffer, deren verschwommene Details ihrer Gesichter hier und da für einen Moment sichtbar werden. Schließlich begleiten die Klänge eines metallenen Pianos aus dem Computer das Ballett, welches sich störrisch, wie ein gealtertes Uhrwerk bewegt und seinen Glanz eben doch durch seine Farbenpracht behält. Auf der Suche nach einem geeigneten Konzept, Oskar Schlemmers Grundsätze und Werke umzusetzen, bedient sich das Theater der Klänge bei moderner Technik sowie der Natur und schafft so eine experimentelle Formsprache, die schlussendlich das Bauhaus selbst zitiert.

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