Akademie Mont-Cenis

Kritik an „Steinwüste“: Vor der Akademie soll es grün werden

Vor der Akademie Mont-Cenis in Herne gibt es eine „Steinwüste“. Sie sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Bezirksbürgermeister Mathias Grunert.

Vor der Akademie Mont-Cenis in Herne gibt es eine „Steinwüste“. Sie sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Bezirksbürgermeister Mathias Grunert.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Die große „Steinwüste“ vor der Akademie Mont-Cenis in Herne stößt auf Kritik. Bezirksbürgermeister Mathias Grunert schlägt eine Begrünung vor.

Die Steinwüste vor der Akademie Mont-Cenis ist nicht mehr zeitgemäß, meint Sodingens Bezirksbürgermeister Mathias Grunert. Der SPD-Politiker spricht sich stattdessen für Grün auf der Außenfläche aus. Einen Anstoß dazu soll es in der neuen Legislaturperiode des Rates geben, die im November startet.

Der steinerne „Vorgarten“ der Akademie Mont-Cenis wirke mittlerweile „wie aus der Zeit gefallen“, sagt Grunert zur WAZ. In Zeiten des Klimawandels seien Steinflächen und Hitzeinseln kontraproduktiv. Daran hätten die Erbauer der Kunstlandschaft rund um den futuristischen Bau aus Glas und Holz vor 20 Jahren natürlich noch nicht bedacht. Der Bezirksbürgermeister will deshalb jetzt eine Diskussion starten, um den „Grauwacke-Vorgarten im XXL-Format“ zu verändern.

Die Grauwacken, also grauen Sandsteine, stammten aus dem Steinbruch Sanssouci in Balve/Sauerland, sagt Stadtsprecher Christoph Hüsken. Sie seien eine Gestaltungsidee von Professor Karl Ganser von der Internationalen Bauausstellung (IBA) gewesen. Er war einer der Väter der Akademie. Die Steine, so Hüsken, sollten den Kontrapunkt zur Akademie-Architektur bilden: „Zunächst war nur geplant, dieses Material in der Akademie zu verwenden, bei der weiteren Planung entwickelte Professor Ganser mit den Landschaftsarchitekten dann das Steinfeld auch um die Akademie herum.“

Herne: Bezirksbürgermeister Grunert schlägt „sanfte Begrünung“ vor

Bezirksbürgermeister Grunert schlägt nun, über 20 Jahre später, Pflanzen vor der Akademie vor. Die Steine komplett zu entfernen und das Areal zu begrünen, sei aber kaum realistisch. Der Kostenaufwand wäre vermutlich zu groß, und die Architekten könnten ihr Veto einlegen. Grunert bringt daher eine „sanfte Begrünung“ ins Spiel. Er kann sich vorstellen, dass man die Steinfelder einer „natürlichen Entwicklung“ überlässt, die „nach und nach von der Natur erobert werden“. Denkbar sei auch das Aussäen von Blühpflanzen. Grunert schlägt vor, verschiedene Optionen zu prüfen, um dann gegebenenfalls auf die Architekten, aber auch auf das Land zuzugehen, das die Akademie betreibt.

Nach Angaben von Stadtsprecher Hüsken werden die Steine acht Mal pro Jahr vom Grün befreit, damit das Ziel einer „vegetationslosen Schotterfläche“ erreicht werden könne. Er bekennt aber: „Im Rahmen des zeitlichen (Klima-)Wandels kann die grünere Variante durchaus zeitgemäßer sein.“ Habe die architektonische Gestaltung des Akademie-Außengeländes seinerzeit international für Aufmerksamkeit gesorgt, so fänden sich Steinfelder heute in vielen Vorgärten – und würden kritisch beäugt.

Falls das Steinfeld beseitigt werden soll, wäre aber eine sorgfältige Planung durch einen Landschaftsarchitekten empfehlenswert, der auch auf die Akademie Rücksicht nimmt, sagt der Stadtsprecher. Ebenso nötig sei eine Abstimmung mit dem Land, außerdem könnte eine Zustimmung durch den Urheber der damaligen Entwürfe erforderlich sein.

Hiltrud Buddemeier (BUND): Steinwüste vor der Akademie ist „ganz schrecklich“

Beim BUND in Herne stößt der Vorschlag von Mathias Grunert auf volle Zustimmung. Hiltrud Buddemeier vom BUND, scheidende Vorsitzende des Landschaftsbeirats, nennt die Steinwüste vor der Akademie „ganz schrecklich“. Sie sei „eine schlimme Todsünde“ und „der größte Schwachsinn“: Die Fläche sei unökologisch, auch Insekten und Vögel hätten dort keine Chance, nicht zuletzt sei sie schädlich fürs Stadtklima, gehe von den Steinen doch „eine Bullenhitze“ aus.

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