Heimatgeschichte

Krankentransport befördert die Jungfrau von Eickel

Marcel Hiedels (r.) und seine Kollegen sorgten in der Wanner Innenstadt mit ihrer ungewöhnlichen „Patientin“ für Aufsehen. Fotos:Sabrina Didschuneit

Marcel Hiedels (r.) und seine Kollegen sorgten in der Wanner Innenstadt mit ihrer ungewöhnlichen „Patientin“ für Aufsehen. Fotos:Sabrina Didschuneit

Wanne-Eickel.   So einen „Patienten“ gab es in Wanne-Eickel wohl noch nie: Ein Krankentransporter hat die Jungfrau von Eickel ins Heimatmuseum gefahren.

Mit weit geöffneten Türen steht am Morgen ein Krankentransporter auf der Hauptstraße in Wanne und sorgt prompt für Aufsehen. Mehrere Passanten halten inne. Als dann auf einer Liege der vermeintliche Patient herangeholt wird, schmunzeln die einen, die anderen staunen. Denn es handelt sich um ein Kunstwerk, genauer gesagt: um die Jungfrau von Eickel.

So heißt die Plastik aus Naturstein, die der Werkpädagoge der Jugendkunstschule Wanne-Eickel, René Schuster, gemeinsam mit einigen Jugendlichen geschaffen hat. Und sie soll jetzt von der Kunstwerkstatt an der Hauptstraße zu ihrem neuen Bestimmungsort, dem Heimatmuseum „Unser Fritz“, gebracht werden.

Damit das Objekt auch unversehrt ans Ziel gelangen kann, haben es mehrere Helfer des Krankentransportdienstes Hospitrans in Styropor und Schaumstoff gepackt. Die Fahrt dauert zwar nur 15 Minuten, aber auch in einer Viertelstunde kann einiges schief gehen. Diesmal zum Glück nicht: Die junge Dame bleibt auf der Tour zum Glück ohne Blessuren.

„Mit der Jungfrauenstatue wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern einen seit Jahrzehnten gehegten Wunsch erfüllen“, sagte Horst „Hotte“ Schröder. Seine Mondritter und er haben sich für das heimatgeschichtliche Projekt stark gemacht und kümmern sich vor allem auch um die Finanzierung.

Nazis schmolzen Bronzeskulptur ein

Begonnen hat die Geschichte bereits 1909: Damals wurde mit viel Pomp und Pracht ein neuer Brunnen auf dem Eickeler Markt eingeweiht. „Und besonders stolz waren die Leute auf die Skulptur, also die besagte Jungfrau“, weiß Schröder. Von dieser sei allerdings kein Name überliefert. Ein langes Leben sollte ihr nicht beschieden sein. 1940 forderten die Nazis jedwedes Metall ein, das es in Deutschland gab, um es für Kriegszwecke zu verwenden. Die Bronzefigur wurde eingeschmolzen, 20 Jahre später kam dann auch das Aus für den Brunnen: Abbau und Abtransport. Doch in Vergessenheit gerieten die Schmuckstücke des Marktes nie.

Eine Replik der Plastik habe der Konditormeister Werner Messner bereits in den 70er-Jahren geschaffen, erzählt Horst „Hotte“ Schröder. „Unser ursprünglicher Plan war, diese Figur wieder zu restaurieren“. Doch als sich René Schuster das Modell vornahm, das einst aus Gipsbeton und Moniereisen angefertigt worden war, stellte sich heraus, dass die Figur viel zu beschädigt war. „Da haben wir uns an die Arbeit für eine neue Skulptur gemacht, die dritte Jungfrau von Eickel“, erzählt der 47-Jährige. Wie auch Messners Arbeit ist sie bronzegrün angestrichen. Und nach dem Vorbild des Originals sind bei dieser Figur ebenfalls die Arme emporgestreckt und halten eine Krone.

Konstruktion ist 2,22 Meter groß

Für die Konstruktion wurden als Material Streckmetall, der im Trockenbau genutzt wird, sowie Grund- und Modelliermörtel genutzt. Insgesamt hat die Replik eine Gesamthöhe von 2,22 Meter. Ihren Platz hat sie inzwischen auf einem Sockel am Heimatmuseum gefunden. „Dort haben wir sie auch gleich mit Hilfe von Stahl und Beton fest verankert“, berichtet Schröder.

Ein achteckiger Brunnen mit Pferdetränken, wie er auch zu ihrer Vor-Vorgängerin gehörte, ist bereits gebaut. Wenn das geplante Wasserspiel und die Bepflanzung fertig sind, „laden wir zur Einweihungsfeier ein“, verspricht Horst „Hotte“ Schröder.

>> INFO: Brunnen landete auf dem Waldfriedhof

Bei seinen Recherchen stieß Horst Schröder darauf, dass der Brunnen nicht mehr als verschollen gelten muss. Die Akten aus dem Archiv belegen nach seinen Erkenntnissen, dass das Natursteinwerk damals zum Waldfriedhof transportiert wurde.

Schröder will sich dafür einsetzen, die Plastik von Konditormeister Messner doch noch so weit zu restaurieren, dass sie im Café des Museums aufgestellt werden kann.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben