Politgeflüster

Koalitionsgespräche: Die Herner SPD bittet zu Tisch

Im Eickeler Restaurant Meistertrunk führt die SPD Sondierungsgespräche mit der CDU und den Grünen durch. Gesucht wird: der künftige Partner im Rat.

Im Eickeler Restaurant Meistertrunk führt die SPD Sondierungsgespräche mit der CDU und den Grünen durch. Gesucht wird: der künftige Partner im Rat.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Wen die Herner SPD ins Restaurant eingeladen hat, was Grüne am Tag der Deutschen Einheit machen und warum Genossen bisweilen unberechenbar sind.

Die SPD bittet zu Tisch: Im Eickeler Restaurant „Meistertrunk“ empfangen die bei der Kommunalwahl siegreichen Herner Sozialdemokraten am Samstag, 26. September, die potenziellen Kooperationspartner im Rat.

Für 9.30 Uhr haben die SPD-Spitzen aus Partei und Fraktion eine Delegation der CDU, also des aktuellen Partners im Rat eingeladen. Die Grünen werden anschließend um 12.30 Uhr erwartet. Das Motto der beiden Sondierungsrunden lautet aus Sicht der Genossen „wer fordert weniger?“ - hat doch Parteichef Alexander Vogt zuvor das Ziel ausgegeben, so viele Inhalte wie möglich aus dem SPD-Kommunalwahlprogramm umsetzen zu wollen.

Eine Demonstration der Stärke, die die SPD sich leisten kann, nachdem sie am 13. September gegen den Landestrend (und nicht zuletzt dank der Strahlkraft von Frank Dudda) ihr Ergebnis von 2014 halten konnte. Dass der Ausgang der Gespräche offen ist, wäre allerdings ebenso zutreffend wie die Aussagen, dass Christian Lindner ein Feminist, Olaf Scholz ein Linker und die AfD eine bürgerliche Partei ist. Will sagen: Alles andere als die auch von OB Dudda präferierte (geforderte?) Fortsetzung der Kooperation mit der CDU wäre eine Riesenüberraschung.

Sobieski in Duddas Spuren

Apropos Überraschung: Acht von 28 frisch gewählten SPD-Stadtverordneten haben dem bisherigen Fraktions-Vorsitzenden Udo Sobieski am Montag in geheimer Wahl ihre Stimme verweigert. Das Ergebnis von 71,4 Prozent ist auch in der SPD Verwunderung gestoßen ist - erst recht mit Blick auf Sobieskis bisherigen Wahlergebnisse. Bei seiner Kür zum Nachfolger Duddas erhielt Sobieski vor fünf Jahren 81,5 Prozent, bei der Zwischenwahl 2017 sogar 84,6 Prozent. Eine interne Opposition oder einen Vorfall, auf den dieses mittelprächtige bis schlechte Ergebnis zurückgeführt werden könnte, soll es nicht gegeben haben, ist aus Fraktionskreisen zu hören.

Vielleicht wollten einige Genossen aber auch nur an die fast schon legendäre Wahl von 2012 anknüpfen. Als SPD-Fraktions-Chef erhielt Frank Dudda damals bei der Neuwahl des Fraktionsvorstandes sogar nur 18 von 29 Stimmen (66 Prozent).

Und sonst?

Wenn man es positiv formulieren möchte: Thomas Semmelmann, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, bleibt Herne erhalten. Der Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) erlebte nämlich vor zwei Wochen als SPD-Bürgermeisterkandidat in Bönen Schiff- bzw. Speichenbruch. Mit 30,1 zu 69,9 Prozent unterlag er mehr als deutlich dem parteilosen Amtsinhaber Stephan Rotering, der allerdings von gleich vier Parteien ins Rennen geschickt worden war. Und dann waren da noch: die Herner Grünen, die ausgerechnet am 3. Oktober, also am Tag der Deutschen Einheit, den neuen Vorstand ihrer Ratsfraktion wählen wollen. Dass der bisherige und wohl auch künftige Vorsitzende Thomas Reinke die übrigens im Gelsenkirchener Wissenschaftspark stattfindende Versammlung im Deutschlandtrikot mit der Rückennummer 10 (für zehn Ratsmandate) und mit dem Singen der Nationalhymne eröffnen wird, ist allerdings nur ein Gerücht.

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