Soziales

Klinik will trotz Gewalt-Problem keinen Sicherheitsdienst

Ein Sicherheitsdienst könne immer nur bestimmte Bereiche des EvK-Geländes abdecken.

Foto: Hans Blossey

Ein Sicherheitsdienst könne immer nur bestimmte Bereiche des EvK-Geländes abdecken. Foto: Hans Blossey

Herne.   Das Ev. Krankenhaus Herne hat Probleme mit verbaler und körperlicher Gewalt gegenüber Pflegekräften. Einen Sicherheitsdienst soll es nicht geben.

Das Ev. Krankenhaus Herne (EvK) will trotz Problemen mit Beschimpfungen und Gewalt gegen Pflegekräfte keinen Sicherheitsdienst auf dem Klinikgelände einsetzen. „Es handelt sich um ein bis zwei Fälle im Monat“, heißt es von Kliniksprecherin Susanne Jacoby. Das Personal werde überwiegend mit verbaler Gewalt konfrontiert. „Es kommt jedoch durchaus auch zu körperlichen Angriffen.“

Betrunkene und Drogenabhängige

Deshalb habe es auch Überlegungen zu einem Sicherheitsdienst gegeben. Der könne jedoch nur bestimmte Bereiche auf dem Gelände abdecken. „Wir glauben, dass unser Notrufsystem, das Notfallteam, die Schulung der Mitarbeitenden und die strukturierte Bearbeitung von Gewaltvorfällen eine situationsgerechtere Lösung darstellt“, sagt die Kliniksprecherin.

Auch die Krankenhäuser der Elisabeth-Gruppe (St. Anna Hospital, Marien Hospital Herne, St. Marien Hospital Eickel und Rheumazentrum Ruhrgebiet) sehen sich mit aggressivem Verhalten von Patienten und Angehörigen konfrontiert. „Die Patienten sind in den vergangenen Jahren anspruchsvoller und damit fordernder geworden“, sagt Theo Freitag, Geschäftsführer der St. Elisabeth-Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr.

Auch Pflegedienst hat Problem mit Gewalt

„Unsere Mitarbeiter erleben sehr verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Ausdrucksformen.“ Gewalt gehe vor allem von betrunkenen oder drogenabhängigen Patienten in den Notfallambulanzen aus. Dort gebe es durchaus Situationen, in denen sich die Mitarbeiter bedroht fühlen. „Die Anzahl der Fälle hat sich in den letzten Jahren nicht auffallend verändert.“ Über einen Sicherheitsdienst habe man nicht nachgedacht.

Deutlich häufiger haben die Mitarbeiter des „Herner Pflegedienstes“ mit Gewalt zu tun. „Verbale Gewalt gibt es, auch Handgreiflichkeiten kommen vor“, sagt Pflegedienstleiterin Nicole Clausen.

Präventionsdienst der Polizei

Der Pflegedienst mit 20 Mitarbeitern betreut knapp 170 Menschen in Herne. „Gewalt von Patienten ist besonders bei einer schweren Demenz recht häufig“, sagt die 47-Jährige. Manchmal seien es aber auch Patienten, die mit ihrer Situation schlecht zurecht kämen. „Man lernt im Laufe der Zeit, damit umzugehen“, sagt Nicole Clausen.

Der Pflegedienst ruft in Ausnahmefällen das Ordnungsamt zur Hilfe. Bei den Krankenhäusern werden die Mitarbeiter in der Deeskalation geschult, beim EvK etwa durch den Präventionsdienst der Polizei und durch innerbetriebliche Fortbildungen. „Außerdem haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, ein hausinternes Notfallteam zur Hilfe zu rufen.“

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