Cranger Kirmes

Klimanotstand in Herne: Verändert das die Cranger Kirmes?

Schön anzuschauen ist es, das Feuerwerk auf der Cranger Kirmes (hier ein Foto aus dem Jahr 2011). Doch ist die Knallerei mit dem Klimanotstand zu vereinen?

Schön anzuschauen ist es, das Feuerwerk auf der Cranger Kirmes (hier ein Foto aus dem Jahr 2011). Doch ist die Knallerei mit dem Klimanotstand zu vereinen?

Foto: Gero Helm

Herne.  Die Cranger Kirmes findet dieses Jahr mitten im Klimanotstand statt. Was heißt das für den Rummel? Ein SPD-Mann denkt über Öko-Feuerwerk nach.

Der Klimanotstand gilt seit Mitte Juni offiziell in Herne. Die Cranger Kirmes – ein gigantischer Stromfresser und Müllproduzent – beginnt davon scheinbar unbeeindruckt in der kommenden Woche. Doch was macht der Klimanotstand mit der Cranger Kirmes? Was bedeutet das etwa für die drei geplanten Feuerwerke?

„Es ist eine freiwillige Selbstverpflichtung“, sagt Grünen-Chef Pascal Krüger auf Nachfrage der WAZ und deutet die konkreten Auswirkungen auf den Rummel bereits an. Der Rat der Stadt hatte im Juni beschlossen, dass der „Klimawandel in der Politik eine hohe Priorität besitzt und bei allen Entscheidungen grund­sätzlich zu beachten ist.“

Wunsch nach Klimanotstand kam von der Bevölkerung

Die Entscheidung sich Städten wie Bochum und Münster mit dem Klimanotstand anzuschließen war mit Ausnahme der AfD von allen Fraktionen begrüßt worden. Linke und SPD haderten allerdings damals schon mit der fehlenden Verbindlichkeit. Die Initiative für den Beschluss ging in Herne von der Bevölkerung aus.

Aber: Weil dieser nach der Kirmesplanung gefallen sei, habe er keine Auswirkungen auf die aktuelle Kirmes, heißt es vom Stadtmarketing Herne.

Cranger Kirmes läuft seit 2013 mit Ökostrom

Roberto Gentilini, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, lobt indes Versuche aus den vergangenen Jahren, die Kirmes umweltfreundlicher zu machen. „Bei der Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr ist Crange vorbildlich!“ Der Bus fahre dieses Jahr auch wieder bis direkt vor die Kirmes.

Außerdem wird die Cranger Kirmes nach Angaben der Stadtwerke Herne seit 2013 mit Ökostrom betrieben, der den Herkunftsnachweis „aus südnorwegischen Wasserkraftwerken“ besitzt. Zwischen 650.000 und 750.000 Kilowattstunden Strom kommen inklusive Auf- und Abbau während der Kirmeszeit zusammen.

Vorschlag: Öko-Feuerwerk oder Laser-Show im kommenden Jahr

Gut aufgestellt sieht sich die Stadt bei der Müllvermeidung. „Der Müll, der auf der Cranger Kirmes anfällt, ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen“, heißt es vom Stadtmarketing. Den Schaustellern werde vorgeschrieben, bei Einweggeschirr auf umweltfreundliche Materialien zurückzugreifen. In Gastronomien mit Sitzplätzen sei Mehrweggeschirr verpflichtend.

Roberto Gentilini hofft, dass das Ordnungsamt in diesem Jahr die Stände gründlich kontrolliert. „Wir haben an einigen Stellen noch Probleme gehabt.“

Größere Bedenken sieht der SPD-Politiker dagegen bei den Feuerwerken. „Das müssen wir im Auge behalten. Zwei Feuerwerke sind völlig in Ordnung, mehr halte ich für zu viel.“ Anders sieht das Grünen-Chef Pascal Krüger: „Feuerwerke haben nichts mit dem Klima zu tun. Da geht es ja um Feinstaub und nicht um Treibhausgase.

Grünen-Chef: „Wir werden die Cranger Kirmes nicht verbieten“

Eines sei ganz sicher, sagt Grünen-Chef Pascal Krüger: „Wir werden die Cranger Kirmes nicht verbieten. Die Ökobilanz der Kirmes ist doch deutlich besser, als die von den Menschen, die in den Urlaub fliegen.“

SPD-Politiker Roberto Gentilini will in den kommenden Jahren noch an „vielen Stellschrauben“ drehen. Ein Vorschlag: Öko-Feuerwerk oder eine Laser-Show. „Fürs kommende Jahr müssen wir über so etwas nachdenken.“

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