EC-Zahlung

Kirchen offen für Kollekte mit digitalem Klingelbeutel

Passt in die heilige Feier des Gottesdienstes

Foto: Rainer Raffalski

Passt in die heilige Feier des Gottesdienstes

Herne.   Die Evangelische Kirche in Berlin testet „digitalen Klingelbeutel“. Bei Erfolg wollen wohl auch Gotteshäuser in Herne die EC-Zahlung einführen.

Das Herumreichen des Klingelbeutels im Gottesdienst hat Tradition. Doch in Zukunft könnte der eine oder andere Kirchgänger statt ein paar Münzen klappern zu lassen, die EC-Karte zücken. Die evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat ein Patent auf einen elektronischen Klingelbeutel angemeldet. Ab Dezember soll er in den ersten Kirchengemeinden getestet werden. Der Evangelische Kirchenkreis und die katholische Kirche überlegen, das Modell auch in Herne einzusetzen.

„Sollte sich der digitale Klingelbeutel bewähren, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass er auch in Herne eingesetzt wird“, sagt Arnd Röbbelen, Sprecher des Evangelischen Kirchenkreises. Zwar glaubt er, dass die meisten Kirchenbesucher weiter lieber Bargeld spenden würden, aber das ist mit der neuen Form des Klingelbeutels durchaus möglich. Neben einem Stoffsäckchen für Münzen oder Scheine ist im Griff zusätzlich ein Display eingebaut. Darüber kann der Kirchenbesucher einen Betrag bis 25 Euro einstellen und dann mit der Kredit- oder Girokarte ohne Eingabe einer PIN bezahlen.

Gottesdienst darf nicht gestört sein

Auch das Erzbistum Paderborn, zu dem Herne gehört, findet es „durchaus vorstellbar, in Zukunft auch einen digitalen Klingelbeutel einzuführen“. Wichtig sei aber, „dass es bei der Feier des Gottesdienstes nicht zu Ablenkungen oder Verzögerungen kommt“, teilt ein Sprecher mit. Ähnlich sieht das Pfarrer Ludger Plümpe von St. Laurentius Wanne. Er kenne das kontaktlose Bezahlen bisher nur vom Supermarkt. Für ihn passt die Technik nicht wirklich in die Kirche: „Das göttliche Geschehen ist etwas Zwischenmenschliches und sehr Handfestes“, sagt er. Da etwas Digitales einzubinden, findet Pfarrer Plümpe schwierig. Trotzdem möchte er sich dafür nicht verschließen.

Schließlich sieht er selbst, was auch das Erzbistum Paderborn mitteilt: „Die eingesammelten Spenden sind insgesamt rückläufig.“ Das kann auch Arnd Röbbelen im Evangelischen Kirchenkreis beobachten. „Die Spendenbereitschaft ist abhängig vom Spendenzweck.“ An Sonntagen, an denen die Evangelische Kirche von Westfalen bestimmt, wofür die Kollekte genutzt wird, ist auch hier die Spendensumme rückläufig. So wurden nach Angaben von Röbbelen im Evangelischen Kirchenkreis, zu dem neben Herne und Wanne-Eickel auch Castrop-Rauxel gehören, im Jahr 2006 noch etwa 136 000 Euro gespendet. 2010 waren es noch etwa 121 000 Euro und 2017 etwa 119 000 Euro.

Spendenhöhe von Zweck abhängig

Darf die Gemeinde den Zweck bestimmen, wird sie etwa für die eigene kirchenmusikalische Arbeit, die eigene Kinder- und Jugendarbeit oder eine renovierungsbedürftige Kirche eingesetzt, steigt die Spendenbereitschaft enorm an. Bei Kollekten, für die der Kirchenkreis oder die Gemeinde den Zweck bestimmt, wurden im Jahr 2006 ca. 78 000 Euro gespendet. Im Jahr 2010 waren es schon etwa 101 000 Euro und im Jahr 2017 sogar 158 000 Euro. Das ist eine Verdoppelung.

Inwieweit sich der Einsatz eines digitalen Klingelbeutels auf die Spendenhöhe auswirkt, bleibt abzuwarten. Sowohl das Erzbistum Paderborn als auch der Evangelische Kirchenkreis gehen nicht davon aus, dass die neue Technik sich positiv auf die Höhe der Kollekte auswirken würde.

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