Kindertheater

Kindertheater Tigerpalast in Herne feiert 20. Geburtstag

Bernd Staklies, umringt von Tigern, im Theatersaal des Tigerpalasts am Heisterkamp.

Bernd Staklies, umringt von Tigern, im Theatersaal des Tigerpalasts am Heisterkamp.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Herne.  Seine Leidenschaft gilt Kindern und Puppen: Bernd Staklies betreibt seit 20 Jahren das Kindertheater Tigerpalast am Heisterkamp in Wanne-Eickel.

Es war einmal ein junger Mann, der hatte genug von seinem Grundschullehrerdasein. Mit 29 Jahren ließ er die Schule hinter sich und verdiente fortan sein Geld mit Kindertheater … Vier Jahrzehnte sind seitdem vergangen, und Bernd Staklies hat die Lust am Spielen nicht verloren. Vor 20 Jahren hat er sich im Obergeschoss des Jugendzentrums am Wanne-Eickeler Heisterkamp seinen „Tigerpalast“ eingerichtet, und dieser Geburtstag wird am Sonntag, 10. November, groß gefeiert.

Plüschtiger auf den Regalen

Große Tiger, kleine Tiger, Tiger weiß und Tiger braun. Wenn einmal das Gerücht aufkomme, dass man Tiger sammele, kriege man ständig einen geschenkt, sagt Bernd Staklies und blickt seufzend auf das Regal in seinem Theatercafé, wo die Raubtiere still das Gespräch beobachten. Dabei hat er den Namen nur gewählt, weil er den Frankfurter „Tigerpalast“ so schön fand.

Jeden Sonntag um 11 Uhr strömen Mütter und Väter mit Kindern in den Tigerpalast, um Märchen wie „Aschenputtel“ oder „Hänsel und Gretel“ zu erleben, Kindertheater wie „Blümchen und Beule“ oder „Weihnachten geht anders“. Auf der Bühne: Bernd Staklies, inzwischen 69, ein großartiger Geschichtenerzähler, und (meistens) seine Puppen. Im Saal: fröhliche Kinder ab drei, vier Jahren und entspannte Eltern, die - beide - für eine Stunde die Welt draußen vergessen. Zwölf Stücke „emanzipatorisches Kindertheater“ hat der Herner Theatermacher im Repertoire und wenn sich ein Kindergarten oder eine Schulklasse anmeldet, spielt er sie auch wochentags, wenn er nicht gerade zu Gastspielen unterwegs ist.

Theaterchef macht alles allein

„Das Theaterspielen habe ich bei Willi Thomczyk und Paco Gonzalez gelernt“, erzählt Staklies. Paco gab Clownskurse in Essen, Willi war in Bochum engagiert. Staklies besuchte Workshops und Puppenspielkurse, ab 1982 war er mit dem Theater Pappmobil unterwegs, anfangs mit Brigitte Werner. 1999 bot ihm die Stadt den Saal im Heisterkamp an. Diesen bespielt er als „Pappmobil“ heute alleine, gelegentlich reist Schauspielerkollege Helmut Wirtz aus Aachen an. Auch um Bühnenbild und Büro kümmert sich der Chef persönlich.

Seine Fans sind treu, das weiß der Theatermacher. „Manche haben Rotkäppchen vier Mal gesehen“. Vielleicht weil er eine Atmosphäre zum Wohlfühlen schafft, bevor das Märchen beginnt. Am Text selbst schraubt er nicht herum: „Das Original wird nicht verhohnepipelt.“ Welchen Geist seine Geschichten atmen - alltagsnah, lehrreich und doch poetisch, und dabei immer lustig -, lassen schon die Programmtexte erahnen. „Wenn Herr Liebstöckel die Geschichte von Maria und Josef und dem Christkind erzählt, kann sich niemand dem Zauber von Weihnachten entziehen! Auch Tönnchen nicht, aber der will eigentlich nur spielen!“, heißt es da etwa über „Weihnachten geht anders“, einen der Jahresend-Klassiker wie „Hubertus, der eigensinnige Weihnachtsbaum“.

Enger finanzieller Rahmen

„Im Dezember ist es voll“, sagt Bernd Staklies. Im Jahresschnitt liege die Auslastung bei „50 bis 60 Prozent“. Dass mit dem „Tigerpalast“ nicht reich zu werden ist, liegt nahe. Staklies zahlt Miete und bekommt dafür einen Mietzuschuss der Stadt, außerdem 1360 Euro Förderung vom Fachbereich Kultur. Gelegentlich sponsert mal die Sparkasse oder der Lions Club etwas, doch der finanzielle Rahmen ist eng, wie Staklies auch in seinem jüngsten Jahresbericht für den Kulturausschuss bemerkt hat. „Unser geplantes Projekt ,Nibelungen’ mussten wir aus finanziellen Gründen absagen. Die Premiere der ,Stadtmusikanten’ aus denselben Gründen auf 2019 verschieben“, hieß es im Februar. Nun wird es Frühjahr 2020. Auch würde sich der Chef des Tigerpalasts mehr Gastspiele ins Haus holen, wenn er könnte.

An den Ruhestand denkt er wohl auch deshalb noch nicht. „Ich würde gerne weitermachen, bis ich nicht mehr kann“, sagt Bernd Staklies. Zehn Jahre könnten das noch sein: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit Puppen und Kindern zu spielen.“

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