Gericht

Kinder von Herner bedroht: „Die Nächste, die vermisst wird“

Verhandlungssaal im Justizzentrum Bochum.

Verhandlungssaal im Justizzentrum Bochum.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Herne/ Bochum.  Ein Wanne-Eickeler bedroht kleine Mädchen und fordert sie auf, ihm Bilder mit ausgestreckter Zunge zu schicken. Jetzt ist er verurteilt worden.

„Dann freue Dich auf Schläge. Ich warte an der Schule auf dich. Pass auf, dass man Dir nicht den Schädel einschlägt.“ Mit diesen Worten soll ein Mann aus Wanne-Eickel serienweise kleine Mädchen bedroht haben.

Seine Forderung: Die Kinder sollten ihm Fotos mit weit ausgestreckter Zunge schicken. Am Mittwoch ist der 26-Jährige verurteilt worden. Die Strafe: ein Jahr Haft auf Bewährung wegen Nötigung.

Angeblich nur ein „Fetisch“

Der Angeklagte hatte die Mädchen über die sozialen Medien angeschrieben – über Instagram oder WhatsApp. Wenn sich die zum Teil erst Elfjährigen weigerten, drohte er mit Gewalt. „Du bist die Nächste, die vermisst wird“, lautete einer seiner Posts. Auch den Müttern könne etwas passieren.

Im Prozess vor dem Jugendschöffengericht in Bochum sprach der Herner von einem „Fetisch“. Er habe nie vorgehabt, den Kindern wirklich etwas anzutun. Der Reiz habe eher darin gelegen, Macht auszuüben. Nach dem Motto: Wenn ich das Bild haben möchte, bekomme ich es auch.

Alle Accounts gelöscht

Inzwischen wisse er allerdings, dass es so nicht weitergehen könne. „Ich habe selbstständig einen Weg gesucht, um da rauszukommen“, sagte er den Richtern. Deshalb habe er sich in Therapie begeben und sich von allen sozialen Medien verabschiedet. „Alle Accounts sind gelöscht.“ Es sei ausgeschlossen, dass so etwas noch einmal passiere.

[In unserem lokalen Newsletter berichten wie jeden Abend aus Herne. Den Herne-Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen.]

Genau das hatte der Herner allerdings schon einmal erklärt. Das war 2016, als er zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt worden ist – wegen eines fast identischen Vorwurfs. Knapp drei Jahre später war es zu den neuen Straftaten gekommen – noch während der bereits laufenden Therapie.

Massiv bedroht und unter Druck gesetzt

Über die Folgen für die Kinder ist im Prozess nichts bekannt geworden. Weil der Angeklagte ein Geständnis abgelegt hat, konnte auf ihre Aussage verzichtet werden. Richterin Maren Butscher: „Ich möchte mir aber gar nicht vorstellen, was das mit einem Kind macht, wenn es so massiv bedroht und unter Druck gesetzt wird.“ Man könne nur hoffen, dass sie geschafft haben, ohne Angst von der Schule nach Hause zu gehen.

Neben der Bewährungsstrafe haben die Richter außerdem die Zahlung von 600 Euro an den Kinderschutzbund angeordnet. Die Summe darf der Herner in Raten bezahlen. Nach zwei abgebrochenen Ausbildungen hat er nach eigenen Angaben seit rund fünf Jahren nicht mehr gearbeitet. Zurzeit befindet er sich in einer Maßnahme des Arbeitsamts. Er hat selbst zwei Kinder, die bei den Müttern leben. Zwei Jungs.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben